Stadtentwicklung

Wettbewerb für Mühlendammbrücke startet trotz Kritik

Bis zuletzt hatte sich der Bezirk Mitte gegen den geplanten „überdimensionierten“ Neubau der Mühlendammbrücke gewehrt – vergeblich.

Die Mühlendammbrücke aus den 1960er-Jahren ist marode und muss erneuert werden.

Die Mühlendammbrücke aus den 1960er-Jahren ist marode und muss erneuert werden.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Der Streit um den Neubau der Mühlendammbrücke geht in die vorerst letzte Runde. Mit einem erneuten Appell an Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) hat der Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe (SPD), einen letzten Versuch unternommen, die Veröffentlichung des Realisierungswettbewerbs für den Neubau der Überführung im Europäischen Amtsblatt an diesem Donnerstag zu stoppen.

Stadtrat spricht von „verkehrspolitischem Fehler“

„Ich möchte daran erinnern, dass weder der erste Entwurf der Auslobung aus Januar 2020 noch der zweite aus August 2020 mit dem Bezirk abgestimmt worden ist“, schreibt der Stadtrat in einer der Berliner Morgenpost vorliegenden E-Mail an die Senatorin. Gothe verweist zudem auf die schriftlichen Einwendungen von mehr als einem Dutzend Institutionen, darunter die BI Westtangente, die IG Leipziger Straße, das House of One, den Architekten- und Ingenieur-Verein und der Igeb, die keine Möglichkeit gehabt hätten, sich in einen Planungsprozess einzubringen. „Ich befürchte, dass Berlin mit der Bestellung einer Brücke, die für 62.000 Kfz täglich dimensioniert ist, einen verkehrspolitischen und urbanistischen Fehler begeht“, so Gothe weiter.

Halbierung des Verkehrs gefordert

Über die Mühlendammbrücke in Mitte rollen derzeit täglich rund 72.800 Autos auf insgesamt sechs Spuren. Doch der 45 Meter breite und 116 Meter lang Spannbetonbau aus den 1960er-Jahren ist baufällig und muss ersetzt werden. Laut Wettbewerbstext soll die zu entwerfende Brücke mit einem Mindestprofil von 39,80 Meter und maximal 42 Meter künftig für mindestens 60.000 Kfz ausgelegt werden. Der Baubeginn soll 2023 erfolgen. Gothe schlägt maximal 36 Meter Breite vor. Zudem soll die Dimensionierung auf 35.000 Kfz zurückgefahren werden und eine Aufteilung des Verkehrsraums auf der neuen Brücke zu je einem Viertel auf Fuß-, Rad, Kfz- und Tramverkehr erfolgen. Auf den motorisierten Individualverkehr sollte nur noch eine Spur je Fahrtrichtung entfallen.

Verkehrsverwaltung beharrt auf zeitnahem Start

Doch die Senatsverwaltung für Verkehr bleibt hart. Der zeitnahe Start der Auslobung sei von großer Bedeutung, weil die Brücke dringend erneuerungsbedürftig ist, so der Sprecher der Verkehrssenatorin, Jan Thomsen. Daher wolle man den Start des Realisierungswettbewerbs nicht weiter verschieben. Die Pläne für die Brücke enthalte zudem eine Reduzierung der Kfz-Spuren von heute drei auf zwei pro Richtung, sodass nach Fertigstellung der Brücke samt Straßenbahn der weitaus überwiegende Teil dem Umweltverbund aus ÖPNV, Rad- und Fußverkehr zur Verfügung stehe.

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