Bus und Bahn

VBB-Einzelfahrschein kostet ab 2021 drei Euro

Die Ticketpreise im Berliner Nahverkehr von BVG und S-Bahn werden erhöht. Aber nicht alle Fahrkarten werden teurer.

Die Ticketpreise bei BVG und S-Bahn in Berlin werden zum Jahreswechsel teurer.

Die Ticketpreise bei BVG und S-Bahn in Berlin werden zum Jahreswechsel teurer.

Foto: Christoph Hardt / imago/Future Image

  • Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) erhöht ab Januar 2021 die Preise für Tickets um durchschnittlich 1,9 Prozent.
  • Das Einzelticket für BVG und S-Bahn wird teurer. Andere Tickets sind nicht betroffen.
  • Alle Preise für die Tickets von BVG und S-Bahn im großen Überblick.

Berlin. Die Ticketpreise bei BVG und S-Bahn in Berlin werden zum Jahreswechsel teurer. Das teilte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) am Mittwoch nach seiner Aufsichtsratssitzung mit. Insgesamt würden die Fahrkartenpreise im Durchschnitt um knapp 1,9 Prozent steigen. Dies entspreche der Preisentwicklungsrate der Lebenshaltungs-, Strom- und Kraftstoffpreise der vergangenen 60 Monate, so der VBB.

Für die Fahrgäste in Berlin hat dies je nach Nutzung von Bus und Bahn unterschiedliche Auswirkungen. Die Preise für die Einzelfahrscheine für den AB-Bereich in Berlin steigen von aktuell 2,90 Euro auf 3 Euro. ABC-Tickets kosten künftig statt 3,60 nun 3,80 Euro. Die AB-Tageskarte legt um 20 Cent auf dann 8,80 Euro zu. Erstmals seit 2014 steigt auch die 4-Fahrten-Karte leicht im Preis. Statt 9 Euro werden ab Januar 2021 9,40 Euro fällig.

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Weniger stark und teils ganz entfallen die Steigerungen bei den Abonnements. Die Kosten für das Abo der Umweltkarte bleiben auf dem bisherigen Stand. Das Senioren-Abonnement 65-Plus erhöht sich um einen Euro pro Monat. Beim Auszubildenden-Abo hingegen steigt der Preis nur dann nicht, wenn Kunden die einmalige jährliche Abbuchung wählen. Beim VBB-Firmenticket bleibt der Preis auf dem heutigen Niveau.

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BVG-Tageskarten gelten künftig 24 Stunden ab dem aufgedruckten Gültigkeitsbeginn

Daneben bringt der Jahreswechsel weitere Tarifveränderungen mit sich. So gelten Tageskarten künftig nicht mehr nur bis um 3 Uhr des Folgetages, sondern exakt 24 Stunden ab dem aufgedruckten Gültigkeitsbeginn. Das Ticket solle damit insbesondere für Touristen attraktiver und die Möglichkeiten des digitalen Vertriebs verbessert werden, so der VBB.

Ausgenommen von der Umstellung der Tageskarten auf eine 24-Stunden-Gültigkeit ist die Tageskarte für das VBB-Gesamtnetz. Sie behält ihre bisherige Gültigkeit montags bis freitags von 9 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages, an Wochenenden und feiertags von 0 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages.

Das sind die Tarife für Brandenburg:

In der Berliner Koalition gibt es Streit um die Preissteigerung

Für heftige Diskussionen sorgt die Tariferhöhung in der rot-rot-grünen Koalition. Besonders die mangelnde Kommunikation von Verkehrssenatorin Regine Günther und ihrem Staatssekretär Ingmar Streese (beide Grüne) stößt bei den Spitzen von SPD und Linken übel auf. Nachdem die Meldung der Berliner Morgenpost über die anstehende Erhöhung am Dienstagabend die Runde machte, wurden der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Fraktionschef Raed Saleh (beide SPD) in der abendlichen Senatssitzung laut, berichten Teilnehmer. Günther habe das Thema in den vorherigen Senatssitzungen nie erwähnt. Auch die Linken-Spitze soll im Vorfeld klare Ansagen von der Verkehrssenatorin gefordert haben. Diese seien aber bis zuletzt ausgeblieben. Das Vorgehen der Senatsverkehrsverwaltung sei „ein Unding“, sagte Tino Schopf, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

Mit den nun getroffenen Entscheidungen kann Schopf hingegenlLeben. „Wir haben von Beginn an gesagt, Tariferhöhungen sind in der aktuellen Situation schwierig. Aber wenn die anderen Gesellschafter die finanziellen Einnahmen brauchen, tragen wir eine Erhöhung der Einzelfahrscheine mit.“

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Unzufrieden mit der Entscheidung ist Linken-Verkehrspolitiker Kristian Ronneburg. „Wir halten die Tariferhöhung im VBB für falsch.“ Dies erschwere den im Zuge der Verkehrswende angestrebten Umstieg der Menschen vom Auto auf Busse und Bahnen. „Besonders verstörend ist für uns, dass es über die Zustimmung der Vertreter*innen des Landes Berlins im Aufsichtsrat des VBB vorab keine Verständigung innerhalb der rot-rot-grünen Koalition und auch nicht im Senat gab", sagte Ronneburg. Ärgerlich sei zudem, dass sich die Machbarkeitsstudie für eine weitere Finanzierungssäule im ÖPNV auch aufgrund mangelnder fachlicher Vorbereitung immer wieder verzögert habe, so der Linke-Politiker. So könne erst zum Ende der Legislaturperiode in eine öffentliche Debatte über Alternativen zu ständig steigenden Tarifen eingestiegen werden.

Auch bei den Grünen sind die neuen Tarife umstritten. „Ich halte es für nicht zielführend, die Tarife zu erhöhen.“, sagte der verkehrspolitische Sprecher Harald Moritz. Er forderte eine Abkehr vom bisherigen Konzept, jährlich entsprechend des Preisindex die Ticketpreise zu erhöhen. Zugleich sei es wichtig, anders als bislang für Berlin und Brandenburg unterschiedliche Tarifentwicklungen zuzulassen. „Es sollte nach den Bedürfnissen der einzelnen Gebiete mehr Freiheiten geben. Das würde den VBB nicht sprengen.“ Moritz warb zugleich für eine dritte Finanzierungssäule, über die seit einigen Monaten diskutiert wird. „Eine solidarische Umlagefinanzierung wäre für den Einzelnen und auch die Verkehrsunternehmen in Berlin von Vorteil.“

Die FDP stößt sich an der VBB-Entscheidung hingegen nicht. „Angesichts der stark gestiegenen Kosten im ÖPNV - die BVG hat seit letztem Jahr eine Erhöhung der Personalkosten von 100 Mio. zu verkraften - ist es fair, dass sich auch die Nutzerinnen und Nutzern mit einer mäßigen Preiserhöhung an den gestiegenen Kosten beteiligen“, sagte Verkehrsexperte Henner Schmidt. Diese bremse auch nicht den Umstieg auf den ÖPNV.