Verkehr

Polizei und Feuerwehr: Im Durchschnitt fünf Unfälle pro Tag

Auf Einsatzfahrten passieren immer wieder Unfälle. Die FDP fordert genauere Daten, die Polizeigewerkschaft ein Fahrtraining.

Ein Polizeiauto nach einem Unfall in Mitte. Der Zusammenstoß ereignete sich im Juni 2019.

Ein Polizeiauto nach einem Unfall in Mitte. Der Zusammenstoß ereignete sich im Juni 2019.

Foto: Thomas Peise

Am Freitag, gegen 12.30 Uhr fährt ein Polizeiauto mit Blaulicht und Martinshorn auf die Sonnenallee. In Höhe Grenzallee stößt das Auto mit einem Nissan zusammen, der von einer 57-Jährigen gesteuert wurde, die vom Dammweg in die Grenzallee fahren wollte. Verletzt wurde bei diesem Vorfall niemand, aber derzeit häufen sich Unfälle von Rettungs- oder Polizeiwagen.

In den vergangenen 24 Monaten komme es pro Tag durchschnittlich zu fünf Unfällen, so die Senatsverwaltung auf die Anfrage eines FDP-Abgeordneten. Die Polizei registrierte von August 2018 bis Juli dieses Jahres demnach 2419 Zusammenstöße mit ihren Einsatzfahrzeugen. Den Spitzenwert weist die Tabelle für den 22. August 2018 aus: An diesem Tag krachte es mit Polizeiwagen elf Mal. Im Jahresvergleich zeigt sich ein Anstieg von rund 1170 Zusammenstößen in 2018 auf fast 1240 Kollisionen in 2019. Die Zahl für den Zeitraum von Januar bis Ende Juli dieses Jahres liegt auf dem Niveau des Vorjahreszeitraumes.

In 65 Prozent der Fälle ist Polizei selbst Verursacher

Auf Nachfrage teilte die Polizei mit, dass rund 65 Prozent der Unfälle mit Polizeiautos von den Beamten selbst verursacht wurden. Der Wert hat sich seit 2018 kaum verändert. Etwa zehn Prozent der Unfälle ereigneten sich auf Notfall-Fahrten mit Blaulicht oder Sirene. Durch Unfälle mit Polizei-Beteiligung wurden zwischen Januar 2018 und Juli dieses Jahres 308 Menschen verletzt. Knapp die Hälfte davon waren Polizisten. Drei Menschen starben.

Zu den Getöteten gehört auch die damals 21 Jahre alte Fabien Martini, die am 29. Januar 2018 bei einem Zusammenstoß mit einem Polizeiauto in Mitte starb.Auf Nachfrage teilte die Polizei mit, dass rund 65 Prozent der Unfälle mit Polizeiautos von den Beamten selbst verursacht wurden. Der Wert hat sich seit 2018 kaum verändert. Etwa zehn Prozent der Unfälle ereigneten sich auf Notfall-Fahrten mit Blaulicht oder Sirene. Durch Unfälle mit Polizei-Beteiligung wurden zwischen Januar 2018 und Juli dieses Jahres 308 Menschen verletzt. Knapp die Hälfte davon waren Polizisten. Drei Menschen starben. Zu den Getöteten gehört auch die damals 21 Jahre alte Fabien Martini, die am 29. Januar 2018 bei einem Zusammenstoß mit einem Polizeiauto in Mitte starb.

Deutlicher Anstieg bei Unfällen mit Feuerwehrfahrzeugen

Die Feuerwehr registrierte von September 2018 bis August dieses Jahres 1225 Kollisionen mit eigenen Fahrzeugen. Die Statistik zeigt einen deutlichen Anstieg. 2018 kam es zu 460 Zusammenstößen. Im Jahr 2019 waren es fast 600. Im laufenden Jahr krachte es bei der Feuerwehr allein bis Ende August bereits 474 Mal. Wie viele Personen bei Unfällen mit Feuerwehrautos verletzt wurden, konnte die Senatsinnenverwaltung nicht sagen. Die Zahl sei „nicht automatisiert abrufbar“.

Die Feuerwehr erfasst auch nicht, wie lange die von Unfällen betroffenen Fahrzeuge im Schnitt ausfallen. Kleinere Schäden würden „im täglichen Werkstattbetrieb“ beseitigt. Bei größeren Schäden mit Lackierarbeiten verblieben die Fahrzeuge ein bis zwei Wochen in Fremdwerkstätten. Schwere Schäden könnten einen Ausfall von bis zu drei Monaten nach sich ziehen. Für die Reparaturarbeiten gab die Feuerwehr im Jahr 2019 rund 716.000 Euro aus. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 685.000 Euro. Für die Polizei spielt die Frage der Reparaturkosten und der Ausfallzeiten ihrer Dienstwagen offenbar keine besondere Rolle. Laut Innenverwaltung gibt es hierzu keine Statistik.

Fresdorf (FDP): Senat hat „keinen Überblick“

Der FDP-Abgeordnete Fresdorf, der die Anfrage gestellt hatte, sagte, es sei „ein Unding, dass der Senat mal wieder keinen Überblick hat“. Dass es Unfälle mit Einsatzfahrzeugen gebe, liege leider in der Natur der Sache. „Dass der Berliner Senat aber in Teilen nicht weiß, ob es zu Personenschäden gekommen ist, wie lange Fahrzeuge ausfallen, oder was für Kosten für die Reparaturen ausgegeben werden, kann und darf nicht sein.“ Wer keine Datenbasis habe, könne auch keinen Überblick haben und nicht richtig steuern.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnete die Zahlen zu den Unfällen als „gravierend hoch“. Sie kämen aber nicht überraschend. Die Berliner erwarteten, dass Polizei und Feuerwehr binnen kürzester Zeit am Einsatzort sind. „Der Wunsch, dem gerecht zu werden, führt in Kombination mit Überbelastung aufgrund von Personalmangel oftmals auch dazu, dass ein, zwei Prozent Konzentration fehlen“, sagte der Sprecher der Berliner GdP, Benjamin Jendro. Beschäftigte der Feuerwehr würden teilweise zwölf Stunden lang „mit hoher Einsatzintensität“ am Steuer eines Rettungswagens sitzen. Die neuen Fahrzeuge verfügten zwar über Assistenzsysteme. Man müsse sich an die Technik aber erst durch Training gewöhnen. „Genau das aber passiert nicht“, sagte Jendro. Die Beschäftigten von Polizei und Feuerwehr bräuchten alle zwei Jahre ein verbindliches Fahrsicherheitstraining.