Bildung

Integrationsbeauftragte: Herkunftssprache als Abiturfach

Kinder und Jugendliche sollten an Schulen Anerkennung für ihren sprachlichen Hintergrund erfahren, fordert die Integrationsbeauftragte.

Deutschland ist ein Einwanderungsland – und das schon seit vielen Jahrzehnten. So nimmt die Sprachenvielfalt auch zu.

Deutschland ist ein Einwanderungsland – und das schon seit vielen Jahrzehnten. So nimmt die Sprachenvielfalt auch zu.

Foto: Annette Riedl / dpa

Anlässlich des Europäischen Tags der Sprachen forderte die Berliner Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial am Donnerstag, die Herkunftssprachen von Kindern und Jugendlichen im Berliner Schulsystem besser anzuerkennen.

Ein Vorschlag ist, die Herkunftssprache zum Prüfungsfach, das fremdsprachenadäquat ist, bei Schulabschlüssen wie dem Abitur oder im Handwerk zu machen. Die Herkunftssprache dieser Jugendlichen herauszuheben, sei „eine Form der Wertschätzung“, sagte sie – und damit „ein Hebel“ für die Integration. „Das macht was mit einem.“

Grundlage ihrer Forderung ist ein Reformvorschlag des Rates für Migration, der sehr aktuell ist. „In einer Stadt wie Berlin hat bald jedes zweite Kind eine familiäre Migrationsgeschichte“, sagte Niewiedzial. „Viele Kinder und Jugendliche sprechen Deutsch und Englisch und im Elternhaus noch eine dritte oder vierte Sprache – etwa Türkisch, Vietnamesisch oder Arabisch.“ Diese Mehrsprachigkeit solle nun endlich auch in den Berliner Schulabschlüssen gewürdigt werden.

„Elitemehrsprachigkeit“ oder „Armutsmehrsprachigkeit“

Der Rat der Migration kritisiert, dass es bei den Fremdsprachen eine Trennung gebe zwischen „Elitemehrsprachigkeit“ und „Armutsmehrsprachigkeit“. So seien Englisch und Französisch als Fremdsprache sozial angesehen, Türkisch, Arabisch, Vietnamesisch oder afrikanische Sprachen gelten dagegen schnell als Integrations-Hemmschuh. Wer dagegen aus seiner Herkunftssprache ein Abschlussfach machen könne, erkenne so den Vorteil der Mehrsprachigkeit.

Unklar bleibt, wie gut die Kenntnisse in der Herkunftssprache für einen Abschluss sein müssten. So leiden manche Jugendliche, die in Deutschland geboren sind, aber in einer Familie mit anderen sprachlichen Wurzeln aufwachsen, unter einer doppelten Halbsprachigkeit, die ohne Unterricht kaum aufzufangen ist.