Verkehr

Der Probebetrieb auf der U5 ist gestartet

Auf dem Abschnitt zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz rollen die ersten Züge durch den Tunnel. Allerdings noch ohne Fahrgäste

Blick in den neuen U-Bahnhof Museumsinsel. Mittlerweile sind die Arbeiten nahezu abgeschlossen. 

Blick in den neuen U-Bahnhof Museumsinsel. Mittlerweile sind die Arbeiten nahezu abgeschlossen. 

Foto: J. Krauthöfer/FFS

Die ersten Züge fahren auf der Verlängerung der U-Bahn Linie U5 zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz. Wie die Berliner Morgenpost exklusiv erfahren hat, haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die offizielle Betriebserlaubnis für den neuen Streckenabschnitt U5 erhalten. „Die technische Aufsichtsbehörde hat die Fahrbahn abgenommen“, sagt BVG-Sprecherin Petra Nelken. „480 Fahrerinnen und Fahrer beginnen nun mit ihrer Ausbildung für die neue Verbindung.“ Darunter seien allein 20 Fahrer, die wegen der verlängerten U5 neu eingestellt worden sind.

Die BVG-Mitarbeiter lernen unter der Anleitung von Fahrlehrern den Verlauf der 2,2 Kilometer lange Bahnstrecke kennen. Sie umfasst die drei neuen U-Bahn-Stationen Rotes Rathaus, Museumsinsel sowie Unter den Linden.

Wie Formel-1-Fahrer müssen die BVG-Fahrer wissen, in welchen Kurven sie stärker abbremsen sollten und wie der Zug auf die Fahrbahn reagiert. Nelken zufolge gehe es aber nicht nur um das Fahrgefühl. Oberste Priorität habe die Sicherheit.

Die U-Bahn-Linie U5 soll am 4. Dezember eröffnet werden

Deshalb sollen sich die Fahrer nach der Streckenausbildung in den kommenden Wochen in den dunklen Tunneln unterhalb des historischen Stadtkerns von Berlin orientieren können. Dabei helfe ihnen ein sogenanntes Verkehrsleitsystem, bestehend aus Signalen, die für die Fahrer wie Orientierungspunkte funktionieren.

In Notfällen müssten sie wissen, wo die Notausstiege sind und wie lange der Fluchtweg dorthin sei. „Im Zweifel müssen unsere Fahrer die Fahrgäste sicher durch die Tunnel lotsen können“, sagt Nelken.

Die derzeitigen Übungsfahrten finden noch ohne Fahrgäste statt. Ändern soll sich das ab 4. Dezember. Dann wird die U5 eröffnet. Es ist auch der Tag der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute und der Tunnelbauer. Die Arbeiten für den Regelbetrieb befinden sich in den letzten Zügen. „Wäre es ein Haus, könnte man sagen, wir hängen die Gardinen auf“, so Nelken. Kleinigkeiten müssten noch montiert werden und Reinigungsarbeiten stünden noch an. „Fakt ist aber, die U5 funktioniert.“

Seit Mitte der 90er Jahre wird an der Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor gebaut, die restlichen Arbeiten stoppten zwischenzeitlich. Es entstand die oft als „Stummelbahn“ verspottete U55. Seit zehn Jahren wird nun an dem „Lückenschluss“ wie die BVG den letzten Abschnitt zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz nennt, gebaut.

Die Kosten der U5 belaufen sich auf rund 540 Millionen Euro

Zuerst war die Inbetriebnahme für 2017 geplant. Der Baugrund in Berlin-Mitte hatte aber immer wieder Schwierigkeiten gemacht. Der BVG-Betriebschef Rolf Erfurt bezifferte die Kosten für den Lückenschluss auf 530 bis 540 Millionen Euro. Die Kosten sind nach mussten im Jahr 2013 von 433 Millionen auf 525 Millionen Euro korrigiert werden. Seither waren die Steigerungen überschaubar.

Mit der U-Bahnlinie soll es nicht nur möglich sein, zwischen dem Hauptbahnhof und Hönow im Osten der Stadt hin- und herzufahren. Vor allem Touristen dürften von dem neuen U-Bahnhof Unter den Linden profitieren. Durch die Umstiegsmöglichkeit von der U6 an der Station ist der Touristenmagnet rund um die Museumsinsel, Staatsoper und Nikolaiviertel besser angebunden.

Autoverkehr auf Boulevard Unter den Linden soll reduziert werden

Nach den Vorstellungen des Senats soll sich auch der Prachtboulevard Unter den Linden durch den Neubau verändern. Rund 15.000 Pkw fahren täglich über die Straße. Künftig soll der Verkehr auch mithilfe der Linie U5 deutlich reduziert werden.

Die BVG will das U-Bahnnetz ohnehin ausbauen. Zurzeit prüft die Senatsverkehrsverwaltung vier Strecken: eine Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel, einen Abzweig der U6 zur künftigen Urban Tech Republic sowie eine beidseitige Erweiterung der U7 zur Heerstraße sowie zum BER. Eine Entscheidung, für welche Linie eine Kosten-Nutzen-Analyse folgt, will die Senatsverkehrsverwaltung bis Jahresende treffen.