Lichterfelde Süd

Ein neues Zentrum für die Thermometersiedlung

In der Thermometersiedlung will die Ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf einen Neubau errichten.

Noch steht ein alter Flachbau aus den 70er-Jahren zwischen den Hochhäusern der Thermometersiedlung.

Noch steht ein alter Flachbau aus den 70er-Jahren zwischen den Hochhäusern der Thermometersiedlung.

Foto: Katrin Lange

Berlin.  Wenn Annette Pohlke vor den Architektenplänen für das neue Gemeindezentrum in Lichterfelde Süd steht, hört sie nicht mehr auf, zu erzählen. Die Gemeindeälteste der Ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf kann an dem geplanten Neubau die Zukunft für den Kiez ablesen. Auf der einen Seite die Thermometersiedlung – ein sozial belastetes Gebiet. Auf der anderen Seite – Neulichterfelde mit 2500 Wohnungen und Einfamilienhäusern, in die in den nächsten Jahren 6000 Bewohner ziehen werden. Dazwischen: das Gemeindezentrum am künftigen Stadtplatzes und der S-Bahnstation Lichterfelde Süd. „Wir sitzen hier an einer Scharnierstelle, das ist eine Chance“, sagt die Gemeindeälteste. Das Miteinander der beiden Stadtteile müsse klappen, dabei könne das neue Zentrum helfen.

Umgeben von Hochhäusern wird der Flachbau aus den 70er-Jahren an der Celsiusstraße fast erdrückt. Bereits vor 20 Jahren lag eine Genehmigung für den Abriss vor. Doch dann habe es Geld aus der Aktion Mensch gegeben, erzählt Annette Pohlke. Mit den Jugendlichen aus dem Kiez und seinem Verein „Bus-Stop“ hat Jürgen Bischof das Gebäude wieder saniert. Schon immer war das Gemeindezentrum mehr als ein religiöser Treffpunkt. Jürgen Bischoff hat hier – an der alten Bushaltestelle – einen Standort für die soziale Arbeit aufgebaut. Die wird jetzt nach seinem Tod vom Evangelischen Jugendhilfeverein weitergeführt.

Thermometersiedlung: 2022 könnte der Neubau beginnen

Mehr als drei Millionen Euro wird der Neubau kosten. Um die Finanzierung zu realisieren, laufen Anträge bei der Landeskirche, dem Land Berlin und der Lottostiftung. Dazu kommen Eigenmittel der Kirchengemeinde und des Kirchenkreises Steglitz-Zehlendorf. Der Bau soll 2022 beginnen und nach zwei Jahren Bauzeit fertig sein. Der Siegerentwurf aus dem Architektenbüro „Kleyer.Koblitz.Letzel.Freivogel“ konnte mit vielen kleinen Details überzeugen. Der Besucher wird von einem überdachten „Kreuzgang“ empfangen, einem kleinen offenen Platz mit Grün, von dem der Haupteingang, die beiden gläsernen Flügel und der Gottesdienstraum abgehen.

Annette Pohlke lobt die Transparenz und Logik des Entwurfs. Alles sei miteinander verbunden, ließe sich aber auch separat betreiben. Dazu gehören die Ausgabestelle der Aktion „Laib und Seele“, an der Bedürftige Lebensmittel bekommen und die einen eigenen Bereich mit Anlieferung hat. Gegenüber ist der Gottesdienstraum, in dem sich die Menschen jederzeit aufhalten können. Es gibt eine Werkstatt, ein Mehrzweck- und Sportraum und ein Café.

Auf den ersten Blick erscheinen Kirchenneubauten nicht mehr zeitgemäß. Das geplante Stadtquartier „Neulichterfelde“ war jedoch einer der Gründe, warum die Gemeinde jetzt den Neubau in Angriff nimmt. Die Gemeinde wird in absehbarer Zeit wachsen. „Wenn wir hier jetzt nicht bauen, gibt es bald keine Gemeindearbeit mehr und die soziale Arbeit fällt auch weg“, sagt Pfarrer Michael Busch. Das habe zur Folge, dass die Thermometersiedlung noch mehr zur sozialen und kulturellen Wüste werde könnte. Die Hochhaussiedlung kurz vor der Stadtgrenze in Lichterfelde-Süd wurde in der 70er-Jahren erbaut. Heute leben dort viele Langzeitarbeitslose und Alleinerziehende. Sie sollen auch in der Bauphase auf ihren Treffpunkt nicht verzichten müssen. Die Gemeinde sucht nach Lösungen. „Vielleicht stellen wir einen Container auf“, sagt Annette Pohlke. Vielleicht finde man auch Räume in den umliegenden Schulen und Kitas oder der befreundeten Gemeinde in der Nachbarschaft.

Die Ausstellung der Entwürfe für das neue Gemeindezentrum ist bis zum 5. Oktober am Montag und Donnerstag von 16 – 18 Uhr und am Sonnabend von 12 – 14 Uhr im Gemeindezentrum, Celsiusstraße 71-73, zu sehen.