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Kai Wegner: „Ich habe mich längst entschieden“

Kai Wegner wird CDU-Spitzenkandidat. Für Fraktionschef Burkard Dregger bleibt womöglich nur eine Nebenrolle.

Der CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner will im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen – und wohl auch Regierender Bürgermeister werden.

Der CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner will im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen – und wohl auch Regierender Bürgermeister werden.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. „Geheimnisse sind doch spannend. Und Geheimnisse müssen irgendwann gelüftet werden“. Mit diesen Worten antwortete der Berliner CDU-Vorsitzende, Kai Wegner, im Interview mit der Berliner Morgenpost kürzlich auf die Frage, wann er über die Spitzenkandidatur für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus im Herbst kommenden Jahres entscheiden werde. Dass alles auf Wegner hinaus läuft, wusste in der Partei bereits damals jeder. Doch Wegner hielt sich bedeckt. Nun wagt sich der gelernte Versicherungskaufmann weiter vor. Zumindest ein bisschen: „Ich habe mich längst entschieden“, sagte Wegner auf erneute Anfrage der Berliner Morgenpost. Und: „Der Zeitpunkt naht, an dem ich mich dazu auch erklären werde.“

Übersetzt heißt das: Wegner will Regierender Bürgermeister werden. Er sagt das zwar noch nicht offiziell. Mit seinem Statement stellt er aber klar, dass niemand daran zweifeln sollte. Rein formal wird sich noch der Parteivorstand mit der Spitzenkandidatur befassen. Voraussichtlich im Frühjahr nächsten Jahres entscheidet dann ein Parteitag. Doch das sind Formalia. Mit Streit oder einer ernstzunehmenden Gegenkandidatur rechnet in der CDU niemand.

Kai Wegner will sich zu Mitstreitern im Wahlkampf noch nicht äußern

Wegner sucht sich – so geräuschlos wie möglich – denn auch bereits ein Team von Mitstreitern zusammen, mit denen er in den Wahlkampf ziehen will. Die für die CDU besonders wichtigen Themen sollen mit Gesichtern verknüpft werden. Auch hierzu will sich Wegner nicht äußern. Der Noch-Bundestagsabgeordnete sagt nur so viel: „Es ist doch völlig klar, dass der Landesvorsitzende, der Fraktionsvorsitzende und der Generalsekretär im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen werden.“

Der Landesvorsitzende, das ist Kai Wegner. Generalsekretär ist Stefan Evers, der als einer der engsten Vertrauten von Wegner gilt. Was bleibt, ist der Fraktionsvorsitzende: Burkard Dregger. Es ist gar nicht so lange her, da wurde der Jurist als möglicher Spitzenkandidat gehandelt. Diese Machtfrage ist zugunsten von Wegner entschieden. Was für Dregger bleibt? Öffentlich äußern will sich dazu niemand in der CDU. Hinter vorgehaltener Hand sagen aber etliche, dass sie das auch nicht so recht wüssten.

Wären alle mit Dregger zufrieden, würde sich die Frage nicht stellen. Denn wenn nicht als Spitzenkandidat, müsste Dregger als Schattensenator für die Innenpolitik in Position gebracht werden. Denn er ist nicht nur Fraktionsvorsitzender, sondern auch innenpolitischer Sprecher. Das mache er auch gut, sagen manche. Aber eben längst nicht alle.

CDU-Fraktionsvorsitzender Dregger bekommt nicht nur Zustimmung

Er habe das innenpolitische Profil der Christdemokraten nicht schärfen können, sagen viele in der Berliner CDU. Oft verliere er sich im juristischem Klein-Klein, gerade unter einfachen Beamten sei er nicht gut genug vernetzt. Der Gegenentwurf zur Politik von SPD-Innensenator Andreas Geisel (SPD) sei nicht erkennbar. Zumindest schaffe Dregger es nicht, damit durchzudringen. Dregger sei eben Jurist, eine Hemdsärmeligkeit, wie sie in der Innenpolitik und von Polizisten geschätzt wird, gehe ihm ab. Er kenne sich mit Paragrafen aus, heißt es. Das Gefühl für die Situation auf der Straße fehle ihm. „Geisel macht das besser“, sagt ein Polizist, der überzeugter Christdemokrat ist. Es schmerze ihn, das zuzugeben. Aber so sei es nun mal.

Auch als Fraktionsvorsitzender erfährt Dregger nicht nur Zustimmung. Wegner mühe sich, die CDU als liberale Großstadtpartei zu positionieren, sie anschlussfähig zu machen auch für jüngere Wähler aus dem urbanen Innenstadt-Milieu. Die Fraktion im Abgeordnetenhaus schlingere unter Dreggers Führung dagegen umher. In der Verkehrspolitik stehe sie für überkommene Werte der alten Autofahrer-Partei. Wähler, die eher konservativ seien, den eigenen Wagen aber in der Garage lassen und mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, könne man so nicht erreichen. Dregger könne sich auch zu wenig durchsetzen, heißt es. Das habe sich nach der Entlassung des Leiters der Stasi-Gedenkstätte in Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, gezeigt. Dregger hatte sich öffentlich gegen einen Untersuchungsausschuss gestellt. Seine Fraktion stimmte mehrheitlich dafür.

Bezirksstadtrat Falko Liecke inszeniert sich als Hardliner

Im Wegner-Team bliebe für Dregger womöglich nur eine Nebenrolle, heißt es. Wer für die Innenpolitik verantwortlich sein könnte? Darüber kann man zur Stunde nur spekulieren. Ein Name wird allerdings genannt: Falko Liecke. Der Neuköllner CDU-Kreischef fungiert im Bezirksamt Neukölln eigentlich als Jugendstadtrat. Liecke meldet sich aber oft zur inneren Sicherheit zu Wort – und versteht es, sich als Hardliner in Szene zu setzen. Gesetzt ist der gelernte Verwaltungswirt allerdings keineswegs. Denn zum Wegner-Team, so berichten CDU-Führungsleute, würden auch Experten gehören, die in der Berliner Landespolitik bisher keine Rollen spielten. Auch Dregger solle man nicht abschreiben, sagen zumindest Fraktionskollegen, die ihm wohlgesonnen sind. Seine Ambitionen auf das Amt des Innensenators habe er keineswegs aufgegeben.

Burkard Dregger will sich zu Personalspekulationen nicht äußern. Er sagt nur so viel: „Ich werde meinen Anteil leisten, dass die Union geschlossen und erfolgreich zu den Wahlen antritt, um diese unfähige rot-rot-grüne Koalition abzulösen.“