Equal-Pay-Day

Gerichtsurteil: Vergünstigtes BVG-Ticket für Frauen erlaubt

Ein Mann fühlte sich durch günstigere BVG-Fahrkarten für Frauen diskriminiert und klagte. Vor Gericht kam er damit nicht durch.

Die BVG verkaufte am Equal-Pay-Day günstigere Tickets für Frauen. Das war rechtens, entschied nun ein Gericht, nachdem ein Mann geklagt hatte.

Die BVG verkaufte am Equal-Pay-Day günstigere Tickets für Frauen. Das war rechtens, entschied nun ein Gericht, nachdem ein Mann geklagt hatte.

Foto: Daniel Naupold / dpa

Berlin. Fahrkarten für Frauen dürfen weniger kosten. Das hat das Amtsgericht Mitte entschieden und damit eine Aktion der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) für Rechtens erklärt, wie eine Sprecherin des Gerichts auf Anfrage der Berliner Morgenpost mitteilte.

Die BVG hatte sich zum Equal Pay Day 2019 etwas Besonderes überlegt. Mit dem jährlich stattfindenden Tag soll auf die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam gemacht werden. Die Verkehrsbetriebe nutzten die Gelegenheit und drehten für einen Tag den Spieß um: Die 21 Prozent Gehalt, die Frauen gängigen Berechnungen zufolge grundsätzlich weniger verdienen als Männer, sollten sie beim Ticketkauf sparen können. Einen Nachlass in ebendieser Höhe erhielten daher alle Frauen, die sich an diesem Tag Fahrkarten kauften. Tageskarten gab es für das weibliche Geschlecht einen Tag lang schon für 5,50 Euro statt sieben Euro. Bei der Jahreskarte konnten Frauen sogar bis zu 160 Euro sparen.

Aktion der BVG: Richter hält Benachteiligung von Männern in diesem Fall für zulässig

Damit wollte sich ein Mann aus Berlin nicht abfinden und verklagte die BVG wegen Diskriminierung auf Grundlage des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Offenbar nicht, weil er sich persönlich materiell benachteiligt gefühlt habe, so zumindest schilderte es sein Anwalt in der Gerichtsverhandlung Anfang August. Es sei vielmehr um grundsätzliche rechtliche Fragen bei der Klage gegangen.

Auch der zuständige Richter sah in der Aktion eine Benachteiligung des Klägers, fasste eine Gerichtssprecherin das Urteil zusammen. Dennoch erklärte der Richter die Aktion für sachlich gerechtfertigt. So ließe auch das Gleichbehandlungsgesetz Spielräume, um unterschiedliche Personen verschieden zu behandeln. So dürften bestehende Nachteile durch andere Maßnahmen ausgeglichen werden. Zugleich gebe das Recht Unternehmen die Möglichkeit, Vergünstigungen zu gewähren, um Kunden zu binden, so die Gerichtssprecherin.

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BVG sieht Aktion als deutliches Zeichen

Bei der BVG zeigte man sich erfreut über das noch nicht rechtskräftige Urteil. „Die Aktion selbst hat uns Recht gegeben“, sagte Sprecherin Petra Nelken. „Sie hat druckvoll darauf aufmerksam gemacht, dass es immer noch einen gewaltigen Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen gibt.“ Durch die unterschiedlich teuren Fahrkarten sei dies besser als durch Studien nachfühlbar geworden. Damit habe man „eine spürbare Botschaft gesendet“, so Nelken, dass ungleiche Bezahlung im 21. Jahrhundert längst überwunden sein müsste.

Die Sprecherin unterstrich die große Werbewirkung für das Anliegen – auch über Deutschland hinaus. Am Tag der Aktion sei sie selbst zwei Mal live im Radio der BBC zugeschaltet gewesen. „Es hat uns selber bestätigt und freudig überrascht, dass es so ein positives Feedback gab“, sagte Nelken.

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