Corona-Krise

Kultur in Berlin: Bald mehr Zuschauer bei besserer Lüftung

Kultursenator Klaus Lederer verteidigt im Abgeordnetenhaus den vorsichtigen Kurs des Senats in Theatern und Konzerthäusern.

Der Friedrichstadt-Palast ist derzeit geschlossen. Unter anderem wird dort eine bessere Lüftung eingebaut.

Der Friedrichstadt-Palast ist derzeit geschlossen. Unter anderem wird dort eine bessere Lüftung eingebaut.

Foto: Britta Pedersen/dpa

Berlin. Theater- und Konzertbesucher dürfen hoffen, bald wieder ohne Masken Aufführungen besuchen zu können. Das kündigte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus an. Die Abstandsregel werde von anderthalb auf einen Meter verändert, so werde es möglich, die Hälfte der Plätze zu besetzen. Gleichzeitig würden die Lüftungsanlagen in den Häusern überprüft und verbessert. „Wenn die Lüftungen funktionieren, werden wir bei der Maske kulanter werden“, sagte Lederer in der Aktuellen Stunde zur Lage der Kultur in der Corona-Krise.

Der Senator wies Forderungen der Opposition zurück, Theater und Konzerthäuser wieder mit mehr Menschen zu besetzen. „Die Ansteckungszahlen steigen“, sagte Lederer. „Die Intendanten sagen, es kommt niemand“, so der Senator. Für die inzwischen wieder aufgenommenen Aufführungen seien derzeit „Karten schnell zu bekommen“. Lederer verteidigte den vorsichtigen Kurs des Senats. In anderen Ländern, etwa in den USA, fände derzeit überhaupt keine Kultur statt.

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Corona-Krise: Kredite und Liquiditätshilfen sind keine Lösung

Lederer hob seine Bemühungen hervor, die Kulturszene und die Kulturschaffenden finanziell zu unterstützen. Es werden 2000 Sonderstipendien vergeben, dotiert mit 1500 Euro pro Monate für sechs Monate. „Das kann sich im bundesweiten Maßstab sehen lassen“, sagte Lederer. Berliner Kultureinrichtungen hätten auch sehr schnell Ausfallhonorare an Künstler gezahlt, die wegen der Corona-Pandemie nicht auftreten konnten. Die finanziellen Ausfälle für Berlins städtisch finanzierte Kulturstätten bezifferte der Senator auf 47 Millionen Euro, zusammen mit dem Friedrichstadt-Palast seien es 60 Millionen Euro. Der Show-Tempel an der Friedrichstraße ist gerade geschlossen, unter anderem wird dort eine bessere Lüftung eingebaut.

Lederer sagte, man werde so weit es möglich die Kulturorte in der Stadt erhalten. Dafür seien aber Kredite und Liquiditätshilfen keine Lösung, weil die meisten Einrichtungen ohnehin nur geringe Renditen erzielten. Das Landesprogramm zur Unterstützung der Kulturbetriebe belege die Nachfrage nach Hilfen. In der ersten Runde hätten 80 Orte davon profitiert, in zweiter Runde würden es noch mehr sein. „Wir werden die Kultur nicht im Stich lassen“, versicherte Lederer. Gleichzeitig dämpfte er die Erwartungen: „An Veranstaltungen in Innenräumen mit Tanz, Schweiß, Kontrollverlust ist in absehbarer Zeit nicht zu denken.“

Künstler drohen in Hartz-IV zu rutschen

Die Opposition warf Lederer vor, die Kultur hängen zu lassen. „Es ist keinem Künstler zu vermitteln, warum Flugzeugfliegen und Bahnfahren mit Maske problemlos möglich ist während gut gelüftete Konzertsäle in Berlin leer stehen“, sagte der AfD-Kulturexperte Martin Trefzer. Robin Juhnke von der CDU sagte, es sei „etwas faul, wenn Kulturveranstalter klagen, sie dürften nicht das, was andere außerhalb der Kultur dürfen“. Florian Kluckert (FDP) zog einen Vergleich zur Politik. „Sogar das Parlament tagt mit voller Besetzung. Die Kulturschaffenden wollen dasselbe, was wir hier machen.“ Oppositionsredner formulierten den Argwohn, Lederer wolle über die Corona-Krise private Kulturveranstalter sterben lassen und nur ihm genehme Einrichtungen unterstützen.

Redner der rot-rot-grünen Koalition griffen hingegen die Bundesregierung scharf an. Dort werde verhindert, dass aus den Soforthilfeprogrammen des Bundes auch der Lebensunterhalt der Solo-Selbstständigen aus der Kultur- und Kreativbranche übernommen werden kann. So würden Künstler und Kreative auf das Hartz-IV-System verwiesen.