Forschungsprojekt

Berlin summt - TU-Wissenschaftler forschen zu Wildbienen

Wissenschaftler der Technischen Universität erforschen in Berliner Gärten, wie die Wildbienen-Vielfalt erhalten werden kann.

Eine Biene auf einer Margerite. In Berlin sind rund 300 wilde Arten der Insekten heimisch.

Eine Biene auf einer Margerite. In Berlin sind rund 300 wilde Arten der Insekten heimisch.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Berlin. Die Wildbiene des Monats September ist etwa zwölf Millimeter groß und fliegt von Mitte Juli bis Anfang September: die Glockenblumen-Sägehornbiene. Diese wilde Verwandte der Honigbiene ist eine von 300 Wildbienenarten, die in Berlin heimisch ist. Die Technische Universität (TU) Berlin möchte mit dem Projekt „Bienen, Bestäubung und Bürgerwissenschaft in Berlins Gärten“ herausfinden, wie diese Vielfalt erhalten werden kann. Der Fokus des Bürgerforschungsprojekts liegt dabei darauf, wie sich Bienenschutz ganz praktisch für jeden Einzelnen umsetzen lässt. Zwar seien viele Gärtner am Bienenschutz interessiert, oft fehle ihnen jedoch das ökologische Verständnis der Artenvielfalt sowie das Wissen, wie ihre Gärten sowohl ansprechend für die Bestäuber als auch ertragreich sein können, so die TU über das Projekt.

Hälfte der wilden Arten steht auf der Roten Liste

Berlin bietet zudem zwar erstaunlich viel Platz für die wilden Bestäuber, etwa auf Brachflächen oder in Gemeinschaftsgärten. Dennoch sind die Lebensräume bedroht: So steht mittlerweile die Hälfte der Wildbienenarten auf der Roten Liste. Ein Problem dabei ist die Spezialisierung vieler Arten. Die Biene des Monats etwa ist, wie ihr Name verrät, auf Glockenblumen spezialisiert. Auf und um diese Pflanzen ruht, frisst und paart sie sich. Und zwar als Einzelgänger: Anders als die weithin bekannte Honigbiene leben rund 90 Prozent ihrer wilden Verwandten solitär. Sie bilden demnach also keine Schwärme, womit auch der klassische Bienenstock entfällt. Stattdessen nisten gut drei Viertel der Arten im Boden.

So auch die Hosenbiene. Der Namen geht auf die langen Haarbürsten an ihren Hinterbeinen zurück, mit denen sie Pollen sammelt. Sie ist auf Korbblütler wie etwa den Herbst-Löwenzahn spezialisiert und bevorzugt sandige Böden als Kinderstube. Darüber hinaus ist sie die Lieblingsbiene von Monika Egerer, der Initiatorin und Leiterin des TU-Projekts.

Team kooperiert mit insgesamt 18 Gartenprojekten in Berlin

Egerer hat zuvor an der University of California, Santa Cruz in Umweltwissenschaften promoviert. „Ich habe mich schon in Kalifornien mit Gemeinschaftsgärten beschäftigt und finde es großartig, wenn Bürger an wissenschaftlichen Projekten aktiv teilhaben können“, sagt die Ökologin. Ihr gehe es bei diesem Projekt darum, nicht allein die wissenschaftliche Sicht auf Artenvielfalt zu werfen, sondern zum gesellschaftlichen Verständnis über Wildbienen und deren Schutz beizutragen. „Daher binden wir gezielt Menschen ein, die sich in Gemeinschaftsgärten engagieren“, so Egerer.

Dazu kooperiert ihr Team mit insgesamt 18 Gartenprojekten in Berlin. Voraussetzung war, das in jeder der teilnehmenden Anlagen mindestens eine Gemüse-Sorte wie Tomate, Paprika, Kürbis oder Gurke wächst. Dokumentiert werden durch die Forscher dann die Pflanzen-, Boden-, Klima- und Landschaftsmerkmale. Die Gärtner wiederum führen Buch darüber, wie erfolgreich ihre Pflanzen bestäubt wurden. Welche Wildbienen als Bestäuber dienten, soll auch ein Fotoprojekt zeigen. Dieses wird im Naturkundemuseum zu sehen sein.

Wie Bienen im Garten unterstützt werden können

Wildbienen lassen sich im Garten vor allem unterstützen, indem eine möglichst große Vielfalt an Nist- und Futterplätzen für die Insekten bereitgestellt wird. Um sich fortzupflanzen, helfen etwa Nisthölzer. Der Naturschutzbund (Nabu) rät dabei, ins Längsholz zu bohren und die Löcher möglichst weit zu setzen. Danach kann diese Nisthilfe an sonnigen, wind- und regensicheren Standorten angebracht werden. Für bodenbrütende Bienenarten am besten Sandflächen freihalten.

In Pflanzenuntersetzern kann auch feuchtgehaltener Lehm bereitgestellt werden. Mit diesem verschließt beispielsweise die Mauerbiene ihre Brutgänge. Den eigenen Forscherdrang durch Plexiglasröhren zu befriedigen, um die Entwicklung der Bienen zu beobachten, ist dagegen keine gute Idee: Durch die Sonneneinstrahlung befallen Pilze diese Brutplätze. Bei der Auswahl der Pflanzen kommt es laut Bundesamt für Umwelt und Naturschutz auf heimische Blütenarten an. Wichtig ist dabei, auf ein ganzjähriges Angebot zu achten. Zudem sollten die Pflanzen ungefüllt sein. Gefüllte Sorten bieten zu wenig Pollen für die Insekten.

Tiere stechen weniger, weil sie keinen Vorrat verteidigen

Übrigens: Da Wildbienen keinen Honig produzieren und keinen Vorrat verteidigen müssen, stechen die Tiere weniger beziehungsweise ihr Stachel ist nicht ausgeprägt genug, um menschliche Haut zu durchdringen.

Egerer erhofft sich durch ihre Arbeit auch, dass Stadtgärten ihre Existenz festigen können. „Oft sind sie als Zwischennutzung angelegt, müssen Bauprojekten weichen. Dann verschwindet wieder ein Lebensraum für die Wildbienen.“ Dabei sei die Verlegung von Gärten auf Flachdächer keine nachhaltige Option – da eben viele der Bienenarten Sandboden als Brutplatz benötigen, so die Wissenschaftlerin.