Gedenken

Auszeichnung: Friedhofskultur wird Kulturerbe

Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof wurde die Aufnahme der Friedhofskultur in das Immaterielle Kulturerbe gefeiert.

Bischof Christian Stäblein (l.) und Erzbischof Heiner Koch stehen auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof neben einem Schild, das die Friedhofskultur als Immaterielles Kulturerbe ausweist.  

Bischof Christian Stäblein (l.) und Erzbischof Heiner Koch stehen auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof neben einem Schild, das die Friedhofskultur als Immaterielles Kulturerbe ausweist.  

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Berlin. Beerdigungen, Grabpflege, Erinnerungen, Trauer, Besuche – lebendige Ausdrucksformen der Deutschen Friedhofskultur gibt es viele. Aufgrund dieser sich seit Jahrhunderten und über Generationen hinweg entwickelnden Rituale und Traditionen wurde die „Friedhofskultur in Deutschland“ in diesem Jahr von der Kultusministerkonferenz auf Empfehlung der Deutschen Unesco-Kommission in das „Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen.

Wegen der Corona-Pandemie ging diese Ernennung etwas unter, weshalb sie am Donnerstag im Rahmen der Auftaktveranstaltung „ReStart Immaterielles Erbe Friedhofskultur“ zumindest auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin gewürdigt wurde. Anwesend waren Vertreter aus dem kirchlichen und kulturellen Bereich.

Verbundenheit zum Verstorbenen

Die Auszeichnung, Kulturerbe zu sein, gehe an alle Menschen, die sich um Verstorbene kümmerten. „Die Sepulkralkultur ist durch Trauer, durch die liebende Verbundenheit zum Verstorbenen, entstanden“, sagte Dirk Pörschmann, Direktor des Museums für Sepulkralkultur in Kassel.

Auf dem Friedhof steht die Kapelle von James Turrell, umgeben von grünen Laubbäumen, weiter hinten befinden sich gepflegte Gräber und Wege. Vereinzelt kommen Besucher. „Nichts ist so lebendig wie ein Friedhof. Hier erlebt man ganz konkret Gesten der Verbundenheit mit seinen Angehörigen über den Tod hinaus“, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein.

Friedhöfe sind Archive der Stadtgeschichte

Vor fünf Jahren stellte das Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur unter Geschäftsführer Tobias Pehle den Antrag auf das Kulturerbe. Heute betont er, wie dankbar er über diese Ernennung sei, die den besonderen Wert des Kulturraums Friedhof für die kulturelle Identität hervorhebe und zu dessen Erhalt beitrage. An 125 deutschen Friedhöfen machen seit Donnerstag Schilder auf die Ernennung aufmerksam.

„Friedhöfe sind unvergleichliche Archive der Stadtgeschichte und wichtige Zeugnisse der Kunst- und Kulturgeschichtlichen Entwicklung“, so Gerry Woop, Staatssekretär der Berliner Senatsverwaltung für Kultur.

Heiner Koch, Erzbischof von Berlin, ergänzte, dass die Friedhofskultur kein Abkoppeln vom sozialen Leben sei. „Friedhöfe sind Orte der Solidarität. Hier werden einem sowohl Größe als auch Vergänglichkeit des Menschen bewusst“, sagte er.