Prozesse

Tödlicher Überfall: Knapp sechs Jahre Haft für Mittäter

Akten liegen auf dem Tisch des Richters.

Akten liegen auf dem Tisch des Richters.

Foto: dpa

Nach einem Überfall in Berlin-Wilmersdorf, bei dem der 21 Jahre alter Sohn einer Spätkauf-Inhaberin getötet worden war, ist ein Angeklagter zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht sprach den 24-Jährigen am Dienstag der versuchten besonders schweren räuberischen Erpressung sowie der fahrlässigen Tötung schuldig. Er sei in den Überfall im November 2017 eingebunden gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Für den tödlichen Stich sei ein Komplize verantwortlich. Der Angeklagte habe allerdings gewusst, "was für ein gewalttätiger Mensch" dieser Mittäter sei.

Mit einem Auto sollen die mutmaßlichen Täter zu dem Geschäft gefahren sein. Als die Spätkauf-Inhaberin gegen 22.45 Uhr ihren Laden verließ, um zu ihrer Wohnung in der Nähe zu gehen, habe ein Angreifer die Frau mit einem Messer bedroht und Geld gefordert, hieß es weiter im Urteil. Der Angeklagte sei "in absichernder Funktion" gewesen. Durch die Schreie seiner Mutter sei der 21-jährige Sohn alarmiert worden. Als er den mit einem Messer bewaffneten Täter verfolgte, habe dieser tödlich zugestochen. Für den Angeklagten sei "zumindest voraussehbar" gewesen, dass der Komplize so reagieren würde. Der Mann ist Angaben zufolge noch immer flüchtig.

Auch der Angeklagte hatte sich nach der Tat ins Ausland abgesetzt. Er war bei seiner Wiedereinreise nach Deutschland Ende November 2019 am Flughafen Tegel festgenommen worden. In einem früheren Verfahren um den Überfall war ein damals 23-Jähriger Anfang 2020 zu vier Jahren und zwei Monaten Gefängnis wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung und fahrlässigen Tötung verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Zwei Frauen, die psychische Beihilfe geleistet haben sollen, erhielten Bewährungsstrafen.

Der 24-Jährige hatte in dem im Mai 2020 gestarteten Prozess seine Beteiligung an dem Überfall zugegeben. Von dem Messer habe er aber nichts gewusst, erklärte der vorbestrafte Mann. Der Staatsanwalt hatte sieben Jahre Haft verlangt. Die Verteidiger plädierten auf maximal fünf Jahre Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.