Radverkehr

Feuerwehr warnt vor Pop-up-Radwegen - Herrmann kontert

| Lesedauer: 5 Minuten

Einen Pop-up-Radweg gibt es auch an der Frankfurter Allee 

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Pop-up-Radwege behindern die Rettung im Brandfall, so die Feuerwehr. So reagiert die Grünen-Politikerin Herrmann auf die Bedenken.

Berlin. Die Pop-up-Radwege könnten für die Berliner Feuerwehr ein Hindernis im Falle eines Brandes werden. Ein Beispiel gab der Vize-Chef der Berliner Feuerwehr, Karsten Göwecke, am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses: An der Kantstraße in Charlottenburg verläuft neben dem Gehweg der Pop-up-Radweg, dann ein Streifen mit Parkplätzen, die Fahrspur und schließlich die Mittelinsel. Man komme im Brandfall nicht an die Häuser, Rettungsgassen seien auch nicht möglich.

Monika Herrmann über Pop-up-Radwege: "Wir werden jetzt jede Straße ausmessen"

Monika Herrmann, die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg reagierte auf Twitter auf die Bedenken der Berliner Feuerwehr. Um das Problem zu beseitigen, schlägt sie kurzerhand vor, die Parkplätze zu entfernen. "Danke @Berliner_Fw, wir werden jetzt jede Straße ausmessen und da, wo die parkenden Autos eine Behinderung darstellen das Parken grundsätzlich untersagen. So einfach habe ich mir das mit der Parkplatzreduzierung gar nicht vorgestellt", so die Grünen-Politikerin.

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Pop-up-Radwege: Feuerwehr war bei Planung nicht beteiligt

Die Feuerwehr war bei der Planung und Einrichtung der temporären Pop-up-Radwege nicht beteiligt, so Göwecke. Ein Problem sei die Rechtslage, befand Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein. Die Feuerwehr könne, aber müsse nicht beteiligt werden. Insider sagen, dass die Verkehrsverwaltung den Kreis der Beteiligten bewusst klein gehalten habe, um möglichst wenig Widerstand bei dem Projekt zu bekommen. Bei dem Bau von Gebäuden werde die Feuerwehr hingegen grundsätzlich zu Fragen des Brandschutzes angehört. So gibt es etwa festgelegte Breiten, die eingehalten werden müssen, damit Drehleiter-Fahrzeuge rangieren können. Ein weiteres Problem sind laut Feuerwehr die Warnbaken, die manche Radwege von der Fahrbahn abtrennen. Manche können überfahren werden, andere nicht. Der Unterschied sei in der Hektik des Einsatzes nicht sofort erkennbar.

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Innensenator Andreas Geisel fordert Nachbearbeitung der Pläne

Der Innensenator hingegen übt Kritik an der Verkehrsverwaltung. „Wir hätten uns gewünscht, dass die Feuerwehr bei den Pop-up-Radwegen beteiligt worden wäre”, sagte Andreas Geisel (SPD) der Morgenpost. Die Pläne müssten nachgearbeitet werden. Bald solle es ein Treffen mit der Verkehrsverwaltung geben. Dabei soll es laut Geisel auch um die Friedrichstraße in Mitte und das dortige Verkehrskonzept gehen. Der Vorsitzende des Innenausschusses, Peter Trapp (CDU), sprach gegenüber der Berliner Morgenpost von einem Skandal. „Im Brandfall kommt die Feuerwehr nicht mehr an die Häuser“, sagte er. Das sei grob fahrlässig. Trapp schlägt vor, Radwege und Parkplätze zu tauschen. Dann könne, so Trapp, der Radweg notfalls als Rettungsweg genutzt werden.

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Die Senatsverkehrsverwaltung nahm am Montagnachmittag zu den Vorwürfen Stellung. „Die Feuerwehr wurde nicht direkt beteiligt, weil dies nicht verpflichtend vorgeschrieben ist. Beteiligt wurden – wie obligatorisch – die Polizei und der Bezirk“, sagte Sprecher Jan Thomsen. „Aus den entsprechenden Gesprächen und den Plänen haben sich bisher keine Anhaltspunkte ergeben, dass die Feuerwehr in der Kantstraße ein Problem etwa mit dem Abstand beim Anleitern haben könnte.“ Zudem habe die Feuerwehr dies gegenüber der Straßenverkehrsbehörde nicht thematisiert. Man sei aber offen für Gespräche.

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Das Berliner Verwaltungsgericht hatte in der vergangenen Woche entschieden, dass die Pop-up-Radwege zurückgebaut werden müssen. Die Senatsverkehrsverwaltung kündigte am Montag an, im Lauf dieser Woche Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einzulegen. Zugleich soll eine aufschiebende Wirkung für das Urteil beantragt werden, damit die Radfahrstreifen nicht zurückgebaut werden müssen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Berlin forderte den Senat unterdessen auf, weitere Pop-up-Radwege einzurichten: In Berlin seien immer mehr Menschen mit dem Rad unterwegs, gleichzeitig fehlten sichere Wege für Radfahrer.

Bei den acht betroffenen Pop-up-Radwegen handelt es sich um folgende Strecken:

  • Gitschiner Straße/Skalitzer Straße zwischen Halleschem Tor und Kottbusser Straße
  • Hallesches Ufer zwischen Halleschem Tor und Köthener Straße
  • Kottbusser Damm/Kottbusser Straße zwischen Kottbusser Tor und Hermannplatz
  • Lichtenberger Straße zwischen Holzmarktstraße und Straußberger Platz
  • Petersburger Straße zwischen Bersarinplatz und Landsberger Allee
  • Tempelhofer Ufer zwischen Schöneberger Straße und Halleschem Tor
  • Schöneberger Ufer zwischen Potsdamer Brücke und Köthener Straße
  • Kantstraße und Neue Kantstraße zwischen Messedamm und Budapester Straße
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