Verkehr

Im kommenden Jahr rollt die neue City-S-Bahn

Die Deutsche Bahn verlegt zwei Weichen vom Ring ab Höhe Westhafen in Richtung Hauptbahnhof – eine wichtige Verbindung.

Es geht voran – Gleise und Weichen werden in Höhe S-Bahnhof Westhafen verlegt.

Es geht voran – Gleise und Weichen werden in Höhe S-Bahnhof Westhafen verlegt.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Für einen Bahnmanager hat Alexander Kaczmarek am Freitag ein ziemliches Luxusproblem. „Normalerweise meckere ich immer: ‚Ihr seid zu langsam‘. Jetzt kann ich meckern: ‚Ihr seid zu schnell‘.“ Eigentlich sollte bei einem Pressetermin am Vormittag am S-Bahnhof Westhafen in Moabit medienwirksam eine Weiche vom Kran ins Gleisbett gesetzt werden.

Doch die Bauarbeiter der Bahn waren schneller. Schon morgens nahmen sie den Einbau vor. Als die Journalisten kamen, drückten die Arme einer riesigen Stopfmaschine schon den Schotter unter den neuen Schienen fest. Das Aufsehen um die Arbeiten ist berechtigt. Denn bei den Weichen handelt es sich nicht um irgend ein Stück Gleis. Sie bilden die Verbindungen zwischen der Ringbahn und der kommenden City-S-Bahn, einem der wichtigsten Infrastrukturprojekte dieses Jahrzehnts in Berlin. Die Bahn will zeigen: Es geht voran.

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Dafür ist eine mehrtägige Sperrung der Ringbahn zwischen Beusselstraße und inzwischen Schönhauser Allee notwendig, die am Mittwoch begann und erst Montag endet. In diesen Tagen muss also Ersatzverkehr genutzt werden, ein großer Einschnitt. Auch mit Blick darauf ist Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für das Land Berlin, eigentlich ganz froh, dass Projektleiter Thomas Rüffer mit seinem Team bei den Arbeiten so zügig fortschreitet. Denn die „wichtigste S-Bahnstrecke Deutschlands“, so Kaczmarek, solle nicht zu lange unterbrochen werden.

„Ab Sommer 2021 soll die City-S-Bahn S15 fahren“

Noch enden hinter der Gleisgabelung am Westhafen die Gleise. Künftig laufen sie von hier aus gen Süden Richtung Hauptbahnhof. Weiter sind da die Arbeiten zwischen Berlins Zentralstation und dem S-Bahnhof Wedding. Hier ist die Strecke größtenteils fertig – und geht in naher Zukunft auch in Betrieb. „Ab Sommer 2021 soll die City-S-Bahn S15 fahren“, kündigte Kaczmarek an. Genauer wollte er sich bislang nicht festlegen. Die Linie, die dann startet, ist jedoch ohnehin nur eine Stummelverbindung. Zunächst pendeln die Züge lediglich im 10-Minuten-Takt zwischen Hauptbahnhof und Gesundbrunnen. Und das nur mit einem verkürzten Zug – wenn auch von der neuesten Generation der Baureihe 483/484, die ab 2021 auf die Schiene kommt, wie Kaczmarek bekannt gab.

Denn am Hauptbahnhof wird zunächst nur ein Interimsbahnhof entstehen. Probleme beim Bau des unterirdischen S-Bahnhofs hatten dazu geführt, dass sich die Bahn entschloss, zunächst nördlich der Invalidenstraße einen provisorischen Halt zu errichten, um die Linie dennoch zügiger in Dienst nehmen zu können. Dieser bietet für den Betrieb aber nur eine Bahnsteigkante und Platz für einen Halbzug. „Deshalb macht es am meisten Sinn, nur einen Pendelzug von Gesundbrunnen zu haben“, so Kaczmarek. 2026 will die Bahn dann auch den richtigen Halt für die neue Nord-Süd-Strecke im Hauptbahnhof eröffnen.

Erst mit dessen Fertigstellung rollen auch die ersten Züge vom Westhafen aus über die nun verlegten Weichen zum Hauptbahnhof. „Das sind auch die ersten beiden Weichen für die Siemensbahn“, sagte Kaczmarek. Entlang der 1980 stillgelegten Strecke sollen in einigen Jahren wieder S-Bahnen fahren. Geplant ist eine Direktverbindung zum Hauptbahnhof, der von der Siemensstadt in 20 Minuten erreichbar sein soll. Bei den Arbeiten käme man gut voran, so der Bahnmanager. Noch im September würde dafür an der Strecke im Nordwesten Berlins der alte Schotter aus dem Gleisbett geräumt.

Bis 2029 soll auch die Siemensbahn in Betrieb sein

Allerdings wird die Verbindung bis 2026 nicht fertig sein, so Kaczmarek. Geplant sei daher auch auf der westlichen Ringbahn eine Interimslinie zum Hauptbahnhof. Wann die Siemensbahn den Betrieb aufnimmt, lässt der Konzernbevollmächtigte offen. 2029 sei aber das hundertjährige Jubiläum der Strecke. „Spätestens dann sollen die Züge auch fahren.“

Bis heute ist nicht beschlossen, dass die Züge dann auch an einem möglichen S-Bahnhof Perleberger Brücke halten. Noch immer hat das Land Berlin den Bau des Bahnhofs bei der Deutschen Bahn nicht bestellt, weil eine dazu nötige Kosten-Nutzen-Analyse fehlt. Experten erachten den Halt für wichtig, um den bisher nur schlecht angeschlossenen Nordosten Moabits sowie die Europacity besser anzuschließen. Doch werde der Bau teuer und kompliziert, da der Bahnhof mit zwei Bahnsteigen für die Linien aus beiden Ringbahnrichtungen auf Stelzen konstruiert werden muss. Möglich ist ein späterer Bau der Haltestelle durch Vorleistungen in jedem Fall, sagte Projektleiter Rüffer. „Das Land hat uns gebeten, diese Option zu berücksichtigen.“

Unter dem Regierungsviertel sucht man weiterhin eine Streckenführung

Ihre ganze Stärke wird die zweite Nord-Süd-Strecke der S-Bahn durchs Zentrum allerdings erst entfalten, wenn sie auch die Bauabschnitte zwei und drei über den Potsdamer Platz und das Gleisdreieck zum Südkreuz kommen. Noch sind auch dabei einige dicke Bretter zu bohren. Die Bahn sucht weiterhin eine Streckenführung des Tunnels im unterirdisch eng bebauten Regierungsviertel, mit der alle Anrainer einverstanden sind. „Wir arbeiten mittlerweile im Zentimetermaßstab“, sagt Kaczmarek. Dass es klappt, glaubt er trotzdem. Ist Bauabschnitt 1 2026 fertig, so der Plan, sollen die Arbeiten gen Süden gleich anschließen.