Stimmungsbild

Auf Berlins Straßen fühlen sich Frauen nicht sicher

Die Statistik der Polizei bestätigt eine Umfrage zur gefühlten Sicherheit in Großstädten.

Plan International Grafik Safe in the City Berlin

Plan International Grafik Safe in the City Berlin

Foto: Plan International / International

Berlin. Zwielichtige Ecken, dunkle Seitenstraßen, düstere Parks – alles keine Orte, an denen sich Mädchen und junge Frauen gern aufhalten. Weder in Indiens Metropole Delhi, noch in Berlin. Weder in Ugandas Hauptstadt Kampala, noch in München. Wie aus einem Stimmungsbild hervorgeht, das die Kinderhilfsorganisation Plan International eingeholt hat, fühlen sich Mädchen und Frauen in deutschen Großstädten nicht sicherer als Befragte in den Hauptstädten von Indien, Uganda oder Peru, Entwicklungsländer mit deutlich höheren Kriminalitätsraten.

In der Umfrage, die in Zusammenarbeit mit der Agentur Ubilabs in Berlin, Hamburg, Köln und München durchgeführt wurde, sollten die Teilnehmenden Pins auf einer Stadtkarte platzieren und angeben, ob sie sich an dem jeweiligen Ort sicher oder unsicher fühlen. In Berlin wurden 350 solcher Markierungen gesetzt. Das Ergebnis: Mädchen und Frauen (im Alter von 16 bis 71 Jahren) fühlen sich an 72 Prozent der markierten Orte in der Hauptstadt unsicher.

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Die Gründe dafür sind vielfältig. 64 Prozent gaben an, ein unsicheres Gefühl zu haben, 36 Prozent gründeten ihre Unsicherheit auf einem bereits erlebten Vorfall. „Ich bin aus der U-Bahn ausgestiegen, weil sich dort jemand vor mir einen runtergeholt hat. Danach hat er mich bis nach Hause verfolgt“, schrieb eine 20 Jahre alte Teilnehmerin aus Berlin. Andere berichteten von Situationen mit Exhibitionisten, Verfolgungen oder sexuellen Übergriffen auf dem Heimweg.

Die Eindrücke der Plan-Umfrage decken sich mit der polizeilichen Kriminalstatistik Berlin. 2019 gab es demnach 4809 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Nachts (74 Prozent) und auf der Straße (63 Prozent) fühlen sich die Teilnehmenden am unsichersten. „Beim Joggen rufen mir häufig Männer hinterher. Zum Beispiel, dass ihnen meine enge Sporthose gefällt“, berichtet eine 30-jährige Berlinerin. „Ich fühle mich dann sehr unwohl und habe Angst, dass sie mir hinterherlaufen.“ In Öffentlichen Verkehrsmitteln (17 Prozent) ist das unsichere Gefühl nicht so groß.

Um auch die deutschen Großstädte sicherer zu machen, will Plan gemeinsam mit seinen Partnern Lösungsansätze schaffen. Orientierungshilfe bieten Projekte, die in Vietnam, Indien oder Ägypten angestoßen wurden. Safety Walks in Hanoi, Delhi oder Kairo haben dazu geführt, dass die Aufmerksamkeit stärker auf das Problem gelenkt wird.

Ein Ziel, das das Kinderhilfswerk auch in Deutschland verfolgt – gemeinsam mit dem Berliner Leichtathletik-Meeting Istaf, das seit 2019 das Projekt „Safer in the City“ unterstützt. „Dieses Projekt unseres Partners Plan International liegt uns sehr am Herzen“, erklärt Meeting-Direktor Martin Seeber. „Als Meeting aus einer Metropole machen wir uns für Mädchen und Frauen in Städten weltweit stark. Die Aktion von Plan International lenkt die Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Thema.“ Bereits seit 2018 ist Plan Charity-Partner des Istaf, das am kommenden Sonnabend im Olympiastadion mit zahlreichen Stars vor 3500 Zuschauern stattfindet.