Corona in Berlin

Darf das Kind mit Husten und Schnupfen noch in die Schule?

Die Corona-Pandemie führt zu großer Verunsicherung bei einigen Eltern. Experten geben Antworten, wie zu verfahren ist.

Es niest und hustet. Einfach nur ein Schnupfen oder doch schon Corona? Viele Eltern sind verunsichert, viele Schule auch.

Es niest und hustet. Einfach nur ein Schnupfen oder doch schon Corona? Viele Eltern sind verunsichert, viele Schule auch.

Foto: Susann Prautsch / dpa

Berlin. Der Herbst beginnt – und damit die nassen, kühlen Tage. Schnupfenwetter. Was auch in früheren Jahren nicht schön war, aber irgendwie doch normal, wird plötzlich bedrohlich: hustende und schnupfende Kinder. Auf die Frage der Abgeordneten Cornelia Seibild (CDU), die sich bei der Senatsverwaltung für Bildung erkundigte, wie man mit Schülern umgehen solle, bei denen sich „Zeichen von Erkältungssymptomen“ zeigten, heißt es: „Schüler, bei denen Symptome einer Atemwegserkrankung oder sonstige mit Covid-19 zu vereinbarende Symptome wahrgenommen werden, verbleiben zunächst in einem geschützten Raum in der Schule.“

Die Eltern sollten die Kinder dann bitte abholen. Es könnte allerdings sein, dass dieser Raum im Oktober und November schnell voll wird. Und in einem Gymnasium im Süden Berlins schreibt die Schulleiterin gleich direkt die Eltern und bittet eindringlich: „Wenn es sich nicht wirklich um eine leichte Erkältung handelt, lassen Sie bitte Ihre Kinder zu Hause.“ Doch was heißt das überhaupt, was ist eine leichte Erkältung?

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Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie: Die Verwaltung hat inzwischen auf berlin.de eine Grafik online gestellt, die Eltern helfen soll. „Wenn mein Kind krank wird...“ beginnt sie und verzweigt sich dann in drei Balken: Kein Fieber – alles bis 37,5 Grad –, aber Schnupfen und Husten: Dann ist das Häkchen positiv: „Kann Kita und Schule besuchen.“ Der Schulbesuch ist dagegen mit einer Temperatur ab 38,5 Grad nicht erlaubt. Ist das Kind 24 Stunden symptomfrei, kann es zurückkehren. Hält sich dagegen das hohe Fieber, dazu geht noch der Geruchs- und Geschmackssinn verloren oder es kommt ein hartnäckiger Husten hinzu, sollte man einen Arzt kontaktieren. Wird dann ein Coronatest veranlasst, darf das Kind so lange nicht zur Schule gehen, bis das Ergebnis da ist.

Der Gesundheitsstadtrat: „Wenn die Nase ein bisschen läuft, schicken Sie bitte weiter Ihr Kind in die Schule“, sagt Detlef Wagner, Stadtrat für Gesundheits im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf (CDU). Bestimmte Symptome sprächen aber dafür, das Kind zu Hause zu lassen. „Schweres Fieber, Halsschmerzen oder Geschmacksverlust sind Symptome, die Alarmsignale bei Eltern auslösen sollten“, sagt er. Ebenso sei das Auftreten von zwei Symptomen wie Fieber und Geschmacksverlust, ein Grund, die Gesundheitsbehörden zu alarmieren und einen Test zu machen. Grundsätzlich müsse man aber versuchen, Eltern, Schulangehörige und Kitapersonal zu beruhigen. „Kita-Schnupfen“ habe wenig mit Corona zu tun. Sein Tipp: die Kinder regelmäßig befragen. „Wie fühlst du dich, hast du Halsschmerzen, wonach hat dein Essen geschmeckt?“

Die Schulleiterin: „Ein leichte Erkältung ist nicht das Problem“, meint Astrid-Sabine Busse, Schulleiterin an der Grundschule Köllnische Heide und Vorsitzende des Interessenverbands der Berliner Schulleitungen. Aber bei 38 Grad Fieder solle das Kind doch besser im Bett bleiben. Das galt aber schon immer – auch ohne Corona. Allerdings rechnet sie damit, dass der Herbst und Winter schwierig werden könnten. „Dass überall Verunsicherung ausbricht, können Sie nicht verhindern. Die Politik auch nicht.“ Der Mehraufwand, der vermutlich auf die Schulen in den nächsten Wochen zukommen werde, sei groß.

Der Kitaverband: In den Kitas der Stadt ist das Thema Erkältungszeit natürlich ein großes Thema. Gerade kleine Kinder neigen zu Infekten, die Nase läuft dauerhaft, der Husten hält sich hartnäckig. Laut einer Befragung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft unter 230 Erziehern in der Stadt glauben 62 Prozent des Kita-Personals, der der aktuelle Muster-Hygieneplan für Schulen und Kitas könne nicht sinnvoll umgesetzt werden, weil Kita-Mitarbeiter teilweise „medizinische Einschätzungen“ treffen müssten. Eltern anrufen oder nicht? „Klassische Rotznasen im Herbst sind kein Schreckgespenst für uns“, sagt Lars Békési vom „Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger“. Den Mitgliedern hat man ein Schaubild bereitgestellt, das weiterhelfen soll. Durchfall, akut auftretender trockener Husten, akute Hals- und Ohrenschmerzen und natürlich Fieber ab 38 Grad seien ein Grund, dass das Kind zu Hause bleiben müsse. Bei leichtem Schnupfen und gelegentlichem Husten ohne Fieber sei Betreuung dagegen möglich. Faustformel: „Gesunde Kinder gehören in die Kita und richtig kranke Kinder ins Bett – und müssen zum Arzt, aber definitiv nicht in die Kita“, so Békési.

Der Kinderarzt: „Bisher deutet nur der Geruchs- und Geschmacksverlust zu fast 99 Prozent auf eine Covid-19 Erkrankung hin“, meint Jakob Maske, der eine Gemeinschaftspraxis in Schöneberg hat. Als Arzt könne auch er ansonsten nicht unterscheiden, ob ein Kind Corona oder Schnupfen hat, so Maske. Aber auch für diesen Mediziner ist ganz klar: „Einfache Erkältungssymptome sollten nicht dafür sorgen, dass Kinder zu Hause bleiben.“ An diesem Punkt ist der aktuelle Muster-Hygieneplan seiner Meinung nach noch unklar formuliert. Genau deshalb sei der Hygienebeirat geschaffen worden, um solche Dinge nachzubessern. „Der Schnupfen gehört unserer Meinung nach nicht als Symptom in den Muster-Hygieneplan“, sagte Maske – und spricht damit für den Berliner Verband der Kinder- und Jugendärzte.