Aktionstag in Berlin

Autofreier Tag: Kinder freuen sich über Spielstraßen

Auch Berlin beteiligte sich am internationalen autofreien Tag. Insgesamt 24 Spielstraßen wurden in den Bezirken eingerichtet.

Vor der Grundschule am Rüdesheimer Platz spielen Kinder an einer temporären Spielstraße.

Vor der Grundschule am Rüdesheimer Platz spielen Kinder an einer temporären Spielstraße.

Foto: Sergej Glanze / Funke Foto Services

Berlin. Mehrere Dutzend Kinder, die am Nachmittag mit Bällen und Springseilen spielten, wo sonst Autos fahren - das hatte es an der Rüdesheimer Straße nie zuvor gegeben. Der Straßenabschnitt vor der Grundschule am Rüdesheimer Platz verwandelte sich gemeinsam mit 23 anderen Strecken in Berlin am Dienstag in eine temporäre Spielstraße. Anlass war der internationale autofreie Tag.

Die Straßen wurden jeweils von 14 bis 18 Uhr gesperrt. Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) besuchte die Grundschule am Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf, um die Spielstraße dort zu eröffnen. Dabei bekräftigte Günther die von ihr bereits zuvor geäußerte Absicht, Kindern künftig „mehr Stadtfläche“ zum Spielen zur Verfügung zu stellen. Konkrete Pläne zur Umsetzung nannte sie bei ihrer Rede nicht. Viele Eltern und Schüler versammelten sich während der Ansprache um Günther.

Angeordnete temporäre Spielstraßen gibt es in Charlottenburg-Wilmersdorf noch nicht

Spielsachen wie Straßenkreide und Federballspiele wurden den Kindern von der Senatsverwaltung zur Verfügung gestellt. Auch der zehnjährige Linus Seiler spielte mit seinen Klassenkameraden auf der Spielstraße. Er finde die Aktion „super“ und würde sich freuen, öfter vor seiner Schule spielen zu können, wie er sagte. Bislang ist jedoch nicht geplant, den Straßenabschnitt dort regelmäßig zum Spielen freizugeben.

Angeordnete temporäre Spielstraßen wie in Neukölln oder Friedrichshain-Kreuzberg, die wöchentlich für einige Stunden für den Autoverkehr gesperrt sind, gibt es in Charlottenburg-Wilmersdorf noch nicht. Verkehrsstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) begründete das mit der Tatsache, dass „Anwohnerinitiativen den regelmäßigen Betrieb der Spielstraße übernehmen.“ Solche Initiativen gebe es im Bezirk bislang noch nicht. So bleiben die temporären Spielstraßen zunächst nur einer einmalige Aktion.

Immerhin wurden in Charlottenburg-Wilmersdorf am Aktionstag gleich vier Straßenabschnitte gesperrt:

  • neben der Rüdesheimer Straße zwischen Wiesbadener- und Laubenheimer Straße
  • auch die Babelsberger Straße zwischen Badensche- und Waghäuseler Straße
  • die Sigmaringer Straße zwischen Wegener- und Gasteiner Straße
  • die Windscheidstraße vom Stuttgarter Platz bis zum Ende des Stadtbahntunnels

„Ich kann mein Kind ohne Angst auf der Straße sitzen lassen“

Regelmäßig angeordnete temporäre Spielstraßen gibt es auch in Mitte nicht. Doch für den Aktionstag wurden dort zwei Strecken zur Verfügung gestellt: die Freienwalder Straße zwischen Soldiner Straße und Friedhof sowie die Große Hamburger Straße zwischen Oranienburger- und Krausnickstraße. Auf der Großen Hamburger Straße war bereits kurz nach der Eröffnung viel los. Eltern freuten sich, mit ihren Kindern dort die Fahrbahn zu erobern. So auch Daniel Becker, der mit seiner Tochter gekommen war. „Ich kann mein Kind ohne Angst auf der Straße sitzen lassen“, sagte er.

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Ganz autofrei war die Straße allerdings nicht. Am Straßenrand parkten Autos. Auch Angestellte der anliegenden Schule mussten sich hin und wieder mit ihren Autos an den spielenden Kindern vorbeidrängen. „Da sind aber alle freundlich und keiner murrt“, sagte Karsten Warrink. Er wohnt seit rund 25 Jahren im Kiez und ist einer der Organisatoren der Spielstraße.

Seine Vision ist nicht nur ein kurzer autofreier Straßenabschnitt auf der Großen Hamburger Straße, sondern ein autofreier Kiez, und das am besten einmal im Monat. „Dann könnte die gesamte Nachbarschaft zusammenkommen“, sagte Warrink. Er stellt sich vor, dass dort Schülerbands auftreten könnten oder ein Chor.

Sebastian Czaja (FDP): Gesperrte Straßen Belastung für Autofahrer

Nicht bei allen stößt der Aktionstag auf Begeisterung. Für Autofahrer stellten die gesperrten Straßen eine Belastung dar, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja: „Anstatt die Menschen zu unterstützen, werden ihnen im Berufs- und Lieferverkehr durch die Errichtung temporärer Spielstraßen auch noch Steine in den Weg gelegt.“

Autofreier Tag am 22. September in Berlin: Hier wurden Spielstraßen eingerichtet

Charlottenburg-Wilmersdorf

  • Rüdesheimer Straße, zwischen Wiesbadener- und Laubenheimer Straße
  • Babelsberger Straße, zwischen Badensche- und Waghäuseler Straße
  • Sigmaringer Straße, zwischen Wegener- und Gasteiner Straße
  • Windscheidstraße, vom Stuttgarter Platz bis zum Ende des Stadtbahntunnels

Friedrichshain-Kreuzberg

  • Dresdener Straße, zwischen Adalbertstraße und Erkelenzdamm
  • Kinzigstraße, zwischen Weser- und Scharnweberstraße
  • Simplonstraße, zwischen Helmerdinger- und Matkowskystraße
  • Waldemarstraße, zwischen Adalbertstraße und Leuschnerdamm

Mitte

  • Freienwalder Straße, zwischen Soldiner Straße und Friedhof
  • Große Hamburger Straße, zwischen Oranienburger- und Krausnickstraße

Neukölln

  • Anzengruberstraße, zwischen Donaustraße und Sonnenallee
  • Neckarstraße

Pankow

  • Bötzowstraße, zwischen John-Schehr- und Danziger Straße
  • Gneiststraße, zwischen Greifenhagener Straße und Schönhauser Allee
  • Göhrener Ei
  • Jacobsohnstraße, von Nr. 1 bis Nr. 17
  • Tassostraße, zwischen Pistorius- und Charlottenstraße
  • Templiner Straße, zwischen Zionskirch- und Schwedter Straße

Steglitz-Zehlendorf

  • Baseler Straße, zwischen Ringstraße und Kadettenweg

Tempelhof-Schöneberg

  • Barbarossastraße, zwischen Goltz- und Karl-Schrader-Straße
  • Goltzstraße (Lichtenrade), zwischen Haeseler- und Rehagener Straße
  • Niedstraße, Nr. 1 – 2 (am Breslauer Platz)
  • Steinmetzstraße zwischen Bülow- und Alvenslebenstraße

Treptow-Köpenick

  • Krüllsstraße, zwischen Schmollerplatz und Karl-Kunger-Straße