Staatliche Ballettschule

Schulleiter laut Gericht nicht für den Posten befähigt

Die Kündigung des Schulleiters der Staatlichen Ballettschule ist unwirksam, weil sich die Senatsverwaltung nicht an den Zeitplan hielt.

Da schien die Welt noch in Ordnung – das Landes­jugendballett wurde 2017  gegründet, es tanzten die Schüler der Staatlichen Ballettschule. Für viele Schüler begannen überlange Tage.

Da schien die Welt noch in Ordnung – das Landes­jugendballett wurde 2017 gegründet, es tanzten die Schüler der Staatlichen Ballettschule. Für viele Schüler begannen überlange Tage.

Foto: Richard Graulich / dpa

Berlin. Die Kündigung des jahrelangen Schulleiters der Staatlichen Ballettschule Berlins, Ralf Stabel, ist nach Ansicht der 56. Kammer des Arbeitsgerichts Berlins unwirksam. Die Ballettschule war in die Schlagzeilen geraten, nachdem Vorwürfe von Schülern und Lehrern bekannt wurden, an der Schule herrsche „ein Klima der Angst“. Daraufhin versuchte eine Kommission, die Vorwürfe aufzuklären. Der Abschlussbericht steht noch aus. Eine Clearingstelle nahm sich begleitend verschiedener Einzelfälle an.

Den Ausschlag dafür, die „außerordentliche Kündigung“ des Schulleiters am 3. Juni 2020 nicht anzuerkennen, gab ein formaler Moment: Außerordentliche Kündigungen müssen innerhalb von zwei Wochen ausgesprochen werden, nachdem ein Vorwurf bekannt wird. Das war aber spätestens im Januar 2020 der Fall. Richter Thomas Kühn machte gegenüber der Senatsverwaltung für Bildung, die als Arbeitgeber verklagt wurde, deutlich, dass auch das Land sich nicht einen eigenen Zeitplan ausdenken dürfe, nur weil man „noch ermitteln“ wolle. Das Land stehe nicht über dem Gesetz.

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Staatliche Ballettschule Berlin: Stabel hätte niemals Schulleiter werden dürfen

In der Verhandlung ging es aber auch um die Weiterbeschäftigung des Schulleiters an der Ballettschule. Die allerdings schloss das Gericht auch aus – wieder aufgrund einer Formalität. Stabel hätte, dem Gesetz nach, niemals Schulleiter werden dürfen. Laut Paragraph 71 des Berliner Schulgesetzes darf zum Schulleiter nur ernannt werden, „wer Kenntnisse und Fähigkeiten nachweist, die über die Ausbildung für das Lehramt hinausgehen“.

Stabel ist aber kein ausgebildeter Lehrer, er studierte Theaterwissenschaft und Choreographie in Leipzig, war später Professor für Tanzgeschichte. Lehrer im engen Sinne war er nie. Das aber war der Senatsverwaltung für Bildung, die ihn 2007 zum Leiter machte, bekannt. Es sei paradox, so Richter Kühn, Stabel nun mangelndes pädagogisches Feingefühl vorzuwerfen, wenn er gar keine pädagogische Ausbildung habe. Er hätte mit seinen Voraussetzungen niemals auf den Posten kommen dürfen.

Senatsverwaltung: „Stabel wird nicht an die Schule zurückkehren“

In der Senatsverwaltung für Bildung reagierte man prompt auf das Urteil. „Er wird nicht an die Schule zurückkehren“, sagte ein Sprecher. „Dieses Ziel wollten wir mit der fristlosen Kündigung erreichen, und das hat das Gericht nun auch so gesehen.“ Man habe das Wohl der Schüler im Blick, das stünde jetzt im Vordergrund. Nun wolle man erstmal die nächsten Verfahren abwarten. Schon am Freitag treffen sich wiederum alle vor Gericht, auch hier geht es wieder um eine weitere ausgesprochene Kündigung