E-Mobilität

„Deutschland rockt“: Tesla-Chef Elon Musk besucht Grünheide

Der schillernde Tesla-Chef Elon Musk macht auf seiner kurzfristig angesetzten Deutschland-Tour auch Halt in Berlin und Grünheide.

Tesla-Chef Elon Musk in Berlin - Gespräche mit Bundesministern

Tesla-Chef Elon Musk hat in Berlin Vertreter der Bundesregierung getroffen. Der US-Konzern baut nahe der Hauptstadt ein großes Werk für Elektroautos. Am Vortag besuchte Musk die Firma CureVac in Tübingen. Das Unternehmen will einen Corona-Impfstoff entwickeln.

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Berlin/Grünheide. Tesla-Chef Elon Musk hat am Donnerstag erstmals die Baustelle seiner neuen Fabrik für Elektroautos in Grünheide bei Berlin besucht. Kurz vor Abschluss seines mehrtägigen Deutschland-Besuches wollte er sich vom Fortschritt der Arbeiten überzeugen. Gut gelaunt und sichtlich locker begrüßte er die wartenden Journalisten mit dem Satz „Deutschland rocks“. Angekündigt war nur ein Statement des US-Unternehmers und Visionärs. Am Ende fand er mehr als zehn Minuten Zeit und beantworte auch Fragen.

Musk zeigte sich sichtlich erfreut über das rasante Tempo des Baus auf dem Gelände nahe der Autobahn A10. Das sei möglich wegen des Einsatzes von Fertigbau in hoher Qualität. „Die Berliner Lackfabrik wird die fortschrittlichste Lackfabrik aller Autofabriken weltweit sein.“ Allerdings befürchten Naturschützer massive negative Folgen. Musk erneuerte dagegen das Versprechen: „Alles, was wir tun können, um es für die Umwelt besser zu machen, wollen wir tun.“

Elon Musk wirbt für schnellen Übergang zu nachhaltiger Energie

Der Firmenchef warb für einen möglichst schnellen Übergang zu nachhaltiger Energie. „Es ist gut zu sehen, dass einige der Unternehmen wie VW das jetzt sehr ernst nehmen. Aber immer noch ist nur ein sehr kleiner Prozentsatz der hergestellten Autos elektrisch“, sagte Musk. „Ich denke, wir werden hier mehr als nur Autos produzieren. (...) Wir werden wahrscheinlich einige Batterien und Zellen und andere Dinge hier bauen.“

Im Sommer 2021 sollen in Grünheide rund 500.000 E-Autos im Jahr vom Band rollen. Die komplette umweltrechtliche Genehmigung durch Brandenburg steht noch aus, Tesla baut über vorläufige Genehmigungen auf eigenes Risiko. Im Juli war bekannt geworden, dass Tesla eine eigene Batterieproduktion für Grünheide plant.

Elon Musk: Big Party zur Eröffnung der Fabrik in Grünheide

Musk kündigte an zur Eröffnung sei eine „big party“ geplant: für die ganze Familie und bis in die Nacht. „Ich möchte sichergehen, dass bei der großen Eröffnungsfeier die ganze Nachbarschaft eingeladen ist.“

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Musk beantwortete auch die Frage, wie es seinem Sohn „X Æ A-Xii“ geht. „Ihm geht es super“, sagte Musk auf Englisch. „Vielleicht komme ich in ein paar Monaten zurück und bringe ihn mit.“ Musk musste lachen, als der Name seines Sohnes in der Frage genannt wurde. „Oh, Sie meinen mein Kind? Das klingt nach einem Passwort.“ Er und seine Lebensgefährtin, die Musikerin Grimes, wurden im Mai Eltern.

Elon Musk mit Privatjet in Schönefeld gelandet

Am Mittwoch war es kurz vor Mitternacht so weit. Der Privatjet „Gulfstream G650“ landete in Schönefeld und entließ seinen prominenten Fluggast: Der schillernde Unternehmer und Tesla-Chef Elon Musk machte auf seiner kurzfristig angekündigten Deutschland-Tour auch Halt in Berlin. So rasant, wie Musk neue Projekte in Angriff nimmt, hetzt er derzeit auch durch Deutschland. Der Multi-Milliardär hatte per Internet einen Besuch in Grünheide angekündigt – doch am Mittwoch warteten die Schaulustigen vergeblich auf Musk.

Zunächst hatte Elon Musk Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (beide SPD) in Berlin getroffen. Das Gespräch sei sehr angenehm und konzentriert gewesen. Natürlich ging es vor allem um die Fabrik in Grünheide. „Elon Musk ist mit allen Details der Gigafabrik befasst“, sagte Woidke. „Vor uns steht noch viel Arbeit.“ Die geplante Autofabrik habe bereits jetzt eine „Sogwirkung“. Bei dem Treffen war auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) dabei, der den Tesla-Deal – für viele Beobachter überraschend – erfolgreich verhandelt hatte.

Was kaum jemand für möglich gehalten hat, scheint hier Realität zu werden. Die Fabrik ist derzeit wahrscheinlich Europas schnellste Baustelle – und das im Land des BER, der unweit des künftigen Tesla-Standortes mit – je nach Rechnung – sieben bis 13 Jahren Verspätung in diesem Jahr eröffnet.

Erst im November hatten die Bauarbeiten für die Fabrik begonnen, in der einmal 12.000 Mitarbeiter bis zu 500.000 Elektro-Autos pro Jahr fertigen sollen, und schon jetzt sind die ersten Rohbauten fertig. Die Bauarbeiten liegen sogar vor dem Zeitplan, wie ein Firmensprecher sagte. Am Freitag soll ein erstes Richtfest gefeiert werden, ob Musk mit dabei ist, lässt das Unternehmen derzeit noch offen. Im Gespräch mit Woidke und Steinbach ging es auch um den geplanten Eröffnungstermin. Schon im kommenden Sommer sollen die ersten Wagen vom Band laufen.

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Für Giga Berlin liegt noch keine Baugenehmigung vor

Das Prestige-Projekt soll weitere Investoren anlocken – gern auch Zulieferbetriebe aus Süddeutschland, die wegen der Autokrise nach neuen Geschäftsfeldern suchen. Schon jetzt zeige sich eine Sogwirkung, sagte Woidke.

„Giga Berlin“, wie Tesla das Werk nennt, ist weltweit das vierte Werk für die schnittigen E-Mobile. Von hier aus will Tesla den europäischen Markt erobern. Zunächst sollen 100.000 Wagen pro Jahr gebaut werden, bevor die Produktion je nach Nachfrage hochgefahren wird. Aber nicht alle in der Region sind aber begeistert von dem Projekt. Viele befürchten negative Folgen für die Umwelt. Mit Transparenten wandte sich die Bürgerinitiative gegen das Tesla-Werk. Die Sorge: Umweltschäden und Wasserknappheit.

Am Mittwochnachmittag stattete Musk der Klausur der Unionsfraktion im Bundestag am Berliner Westhafen einen Besuch ab. Dabei waren auch Gespräche mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) angekündigt.

Dabei ging es um Musks Pläne, dezentrale Impfstoff-Fabriken zu errichten, um weite Teile der Welt mit der Medizin versorgen zu können – sollte ein Wirkstoff gegen das Coronavirus gefunden werden. Mit Altmaier sprach er über die geplante Batterieproduktion in Deutschland, an der er mitwirken will. Auch eine mögliche Förderung seines Tesla-Werks in Grünheide war Thema. Altmaier sagte dem Tesla-Chef weitere Unterstützung für seine Unternehmen zu.

Elon Musk besuchte auch CureVac

Am Dienstag hatte Musk nach der Landung auf dem Flughafen Hahn bei Frankfurt zunächst die Ortschaft Prüm in der Eifel angesteuert. Dort befindet sich der Anlagenbauer Grohmann, ein Spezialist für Fertigungsanlagen, den Tesla 2017 gekauft hatte. Danach besuchte er das Medizin-Start-up CureVac, das nach einem Impfstoff gegen Corona forscht. CureVac gilt als ein Hoffnungsträger auf der Suche nach einem schnell verfügbaren Corona-Impfstoff.

Die EU-Kommission hatte sich bereits bis zu 405 Millionen Dosen eines Impfstoffs der Tübinger Firma gesichert. Grohmann baut für das Unternehmen Mini-Reaktoren. Dabei handelt es sich um tragbare Fertigungen für die Entwicklung neuer Impfstoffe und Arzneimittel. Spezielle Drucker, die wie kleine Minifabriken funktionieren, sollen Impfstoffkandidaten identifizieren und herstellen. CureVac ist nach eigenen Angaben sehr weit mit der Entwicklung eines aussichtsreichen Impfstoffs.

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus begrüßte nach dem Treffen in Berlin die Zusammenarbeit deutscher Unternehmen mit dem Tesla-Konzern. Es sei wichtig, dass Deutschland bei neuen Technologien international vernetzt sei, sagte der CDU-Politiker. Musk sprach bei dem Besuch von einer revolutionären Technologie seiner Firma. Brinkhaus sagte, er hoffe, dass die Maschine im Kampf gegen das Corona-Virus helfen könne.