Evangelische Kirche

Kirche rehabilitiert posthum einen homosexuellen Pfarrer

Der homosexuelle Friedrich Klein wurde aus dem Kirchendienst „entfernt“. Er starb kurz vor Kriegsende bei einem Strafeinsatz.

Bischof Christian Stäblein beim Gedenkgottesdienst.

Bischof Christian Stäblein beim Gedenkgottesdienst.

Foto: Sören Kittel

Friedrich Klein war 37 Jahre alt, als er ins Gefängnis geschickt wurde. Bis zu dem Zeitpunkt war er evangelischer Pfarrer im Prenzlauer Berg, in der Immanuelkirche. Acht Jahre lang hat er Menschen getraut, Beerdigungen geleitet und Gottesdienste gefeiert. Der Grund, warum er aus dem Kirchendienst „entfernt“ wurde, zu drei Jahren Haft verurteilt wurde, kurz vor Kriegsende starb: Er war homosexuell und es war das Jahr 1942.

Diese Geschichte wurde am Dienstagabend noch einmal erzählt: In der Immanuelkirche in Prenzlauer Berg. Anschließend wurde er posthum rehabilitiert, von Bischof Christian Stäblein selbst, der den Gedenkgottesdienst für Friedrich Klein leitete. „Die heutige Kirchenleitung hat dieses Unrecht anerkannt und die Entlassung von Pfarrer Klein für nichtig erklärt“, sagte er. Mit dem Gottesdienst wolle er deutlich machen, dass vielen Menschen schweres Unheil widerfahren sei – auch im Namen der evangelischen Kirche. „Heute stellen wir fest, dass wir das schreiende Unrecht mitgetragen haben und mitgeschwiegen.“

Evangelische Kirche versucht, unangenehme Themen aufzuarbeiten

Seit einigen Jahren versucht die evangelische Kirche, unangenehme Themen aufzuarbeiten und hat jetzt eine Anlaufstelle für Diskriminierung eingerichtet. Zudem gibt es die Stelle einer Beauftragten für Erinnerungskultur. Marion Gardei füllt diese Position seit fünf Jahren aus und hat auch den Fall von Friedrich Klein mit betreut. „Wir sind zwar die erste Kirche“, sagt sie, „die die gleichgeschlechtliche Trauung vor drei Jahren komplett gleichgestellt hat mit der Trauung zwischen Mann und Frau“, sagt sie, „aber es gibt auch bei uns einiges aufzuarbeiten“. Der Fall von Friedrich Klein sei der einzige dieser Fälle, der bisher bekannt ist. „Doch seine Akten wurden vernichtet“, sagt sie. „In den letzten drei Jahren ist es uns nicht einmal gelungen, ein Foto von Friedrich Klein zu finden.“

Der derzeitige Pfarrer der Immanuelkirch-Gemeinde, Mark Pockrandt, war durch Zufall auf diesen Fall in der Geschichte der Gemeinde gestoßen, als er selbst vor zwei Jahren für ein Jubiläumsfest Details aus der 125 Jahre langen Geschichte der Kirche recherchierte. Es ist eine der wenigen Kirchen Berlins, die nicht im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. „Der 1. September erinnert uns daran“, sagt Bischoff Stäblein weiter, „wie sehr wir versagt haben.“ Auf den Tag genau vor 85 Jahren, im Jahr 1935, hatten die Nationalsozialisten den Paragraphen 175 verschärft. „Es wäre schön, wenn der 1. September ein Tag der Liebe wird.“