Stasiopfer-Gedenkstätte

Entlassung von Knabe - Ausschuss sieht keine Intrige

Die Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zur Gedenkstätte Hohenschönhausen zieht eine Zwischenbilanz.

Der ehemalige Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen Hubertus Knabe fühlt sich zu Unrecht  entlassen.

Der ehemalige Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen Hubertus Knabe fühlt sich zu Unrecht entlassen.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Der Entlassung des langjährigen Leiters der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, lag keine politische Intrige zugrunde. So lautet zumindest das Zwischenfazit des parlamentarischen Untersuchungsausschusses, das die Vorsitzende des Ausschusses, Sabine Bangert (Grüne), am Dienstag zog. Die Auswertung der Unterlagen und die Befragung der Zeugen habe bislang ergeben, dass der Stiftungsrat der Gedenkstätte und die Kulturverwaltung rechtmäßig gehandelt hätten. Zu den Zeugen gehörten Kultursenator Klaus Lederer (Linke), die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und der ehemalige Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD).

In den kommenden Sitzungen sollen der wegen übergriffigen Verhaltens entlassene Vizechef der Gedenkstätte und auch Hubertus Knabe als Zeugen gehört werden. Knabe bestreitet die Vorwürfe, die im Zusammenhang mit seiner Entlassung erhoben wurden. Er sieht dahinter eine politische Intrige des Kultursenators Lederer, weil dem Linken-Politiker die herausragende Stellung Knabes als Gedenkstättenleiter und international anerkanntem Fachmann für die Aufarbeitung des DDR-Unrechts nicht gepasst habe.

Dem widersprechen alle im Ausschuss vertretenen Fraktionen - mit Ausnahme der AfD. Sie sieht Hinweise darauf, dass die Entlassung Knabes politisch motiviert war. „Sie haben Knabe ins offene Messer laufen lassen“, sagte der AfD-Vertreter im Ausschuss, Martin Trefzer.

Knabe sei mit den Verwaltungsaufgaben überfordert gewesen

Dagegen stehen nach Ansicht der anderen Fraktionen die bisherigen Aussagen der Beteiligten im Ausschuss. Sie hätten den Eindruck bestätigt, dass Knabe jenseits seiner unbestrittenen fachlichen Kompetenz mit den Verwaltungsaufgaben der Gedenkstätte überfordert gewesen sei. „Auch nach mehrfachen Bitten, die gesetzlichen Vorgaben in der Gedenkstätte einzuhalten, hat er nicht reagiert“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters nach Angaben der Vorsitzenden Sabine Bangert im Ausschuss. Dabei habe es sich um Vorgaben des Landes-Antidiskriminierungsgesetzes gehandelt, wie zum Beispiel die Benennung einer Frauenbeauftragten.

Knabe hatte sich nach seiner zwischenzeitlichen Beurlaubung und späteren Entlassung außergerichtlich über das Ende seiner Tätigkeit geeinigt. Auch heute fühlt er sich zu Unrecht aus dem Amt entlassen. „In meiner 18-jährigen Tätigkeit als Direktor der Gedenkstätte hat sich niemals eine Mitarbeiterin bei mir über irgendeine sexuelle Belästigung beschwert“, sagte Knabe zuletzt Mitte August im Interview mit der Berliner Morgenpost. Am 29. September soll Knabe als Zeuge im Untersuchungsausschuss gehört werden. Ende des Jahres will der Ausschuss seine Arbeit beenden.

Knabe wurde zunächst beurlaubt, später entlassen

Im Zentrum der Aufarbeitung der Ereignisse rund um die Gedenkstätte Hohenschönhausen steht der ehemalige Vize-Direktor. Insgesamt sechs Frauen, vor allem ehemalige Volontärinnen der Einrichtung, warfen ihm seit 2016 übergriffiges Verhalten bis hin zu sexuellen Übergriffen vor. Das Landesarbeitsgericht hat die Vorwürfe mittlerweile bestätigt, die Trennung ist rechtskräftig.

In der Folge warfen der Stiftungsrat und die Kulturverwaltung dann Knabe vor, die Aufklärung der Vorwürfe nicht ernsthaft verfolgt und die Leitung der Gedenkstätte vernachlässigt zu haben. Knabe warf seinem Arbeitgeber im Gegenzug vor, ihn nicht über die Vorwürfe informiert und so keine Gelegenheit gegeben zu haben, darauf zu reagieren. Im September 2018 wurde Knabe zunächst beurlaubt, drei Monate später entlassen. Die Gedenkstätte Hohenschönhausen gilt als Lebenswerk Knabes, der als Historiker seit Jahrzehnten das DDR-Unrecht erforscht. Genau das könnte zur Verschärfung des schließlich in der Entlassung mündenden Streits Knabes mit der Verwaltung geführt haben, vermutet die Ausschussvorsitzende Bangert. Als international gefragter Fachmann und Vortragsreisender habe Knabe die Leitung der Gedenkstätte vernachlässigt. Dazu sei eine „gewisse Grundnervigkeit“ gekommen, die in der Zusammenarbeit zwischen Knabe und seinem Arbeitgeber zu spüren gewesen sei, wie der CDU-Vertreter im Ausschuss, Hans-Christian Hausmann, konstatierte. Beide Seiten verpassten es demnach, das zunehmend verhakte Verhältnis zu entspannen – bis es am Ende eskaliert sei.