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Polizei nach Notruf immer später am Einsatzort

In den letzten sechs Jahren stieg die Anfahrtszeit der Berliner Polizei nach einem Notruf auf gut 23 Minuten.

Ein Streifenwagen mit eingeschaltetem Blaulicht (Symbolbild).

Ein Streifenwagen mit eingeschaltetem Blaulicht (Symbolbild).

Foto: Carsten Rehder / dpa

Berlin. Die Berliner Polizei braucht nach einem Notruf zunehmend länger bis zum Erscheinen am Tat- oder Unfallort. Zwischen der Annahme des Notrufs und der Ankunft am Einsatzort lagen im vergangenen Jahr im Durchschnitt 23:32 Minuten. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage des Einzel-Abgeordneten Marcel Luthe (FDP) hervor. In den vergangenen Jahren waren diese Werte nach und nach gestiegen. 2014 war der Zeitraum noch deutlich kürzer und lag bei knapp 20 Minuten. Der bisherige Durchschnittswert für dieses Jahr betrug 22:51 Minuten.

Senat und Polizei betonten, der überwiegende Teil der Einsätze sei „nichteilbedürftig“, es gehe also nicht um echte Notfälle. Die Zeiten setzen sich zusammen aus dem Zeitraum zwischen Rufannahme und Alarmierung eines Streifenwagens, der zuletzt etwa
15 Minuten lang war. Zwischen Alarmierung und Eintreffen dauerte es dann erneut in der Regel etwa acht Minuten.

Feuerwehr kommt schon elf Minuten nach Alarmierung

Bei der Feuerwehr ging alles etwas schneller. Zwischen der Rufannahme und dem Losschicken der Wagen dauerte es in den vergangenen Jahren im Durchschnitt nur drei Minuten, bis zum Eintreffen dann weitere knapp acht Minuten, so dass insgesamt elf Minuten verstrichen. Luthe fragte zudem ab, wie lange Anrufer bei der Polizei und Feuerwehr in den Warteschleifen der Notruf-Telefone verharren müssen. Im Durchschnitt sind das bei der Polizei in den Sommermonaten etwa 10 bis 20 Sekunden. Im Winter geht es noch etwas schneller. Bei der Feuerwehr wartet ein Anrufer etwas länger als 20 Sekunden. Hier waren es in den Jahren 2014 bis 2016 allerdings noch elf bis 14 Sekunden.

Interessant sind aber Einzelfälle, in denen Anrufer ausgesprochen lange im Notruf-System festhingen, bevor jemand das Gespräch annahm. Bei der Polizei lag der Höchstwert in diesem Jahr im August bei 7:20 Minuten. Im Jahr 2017 traf es einen Anrufer sogar einmal mit mehr als elf Minuten Wartezeit. Höchstwerte um die fünf Minuten gibt es in fast jedem Monat. Auch die Feuerwehr kam in Einzelfällen auf mehr als zehn Minuten Wartezeit, zweimal in den vergangenen Jahren wurden sogar 16 und rund 18 Minuten erreicht. Luthe kritisierte, die Wartezeiten seien zu lang. „Notrufe heißen so, weil der Anrufer in Not ist und dringend Hilfe braucht.“ Bei Schlaganfallpatienten richte jede Minute Verzögerung irreparable Hirnschäden an.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) verteidigte die Zeiten. Die Einsatzzahlen im betrachteten Zeitraum seien „um nahezu 20 Prozent“ gestiegen, „die eine höhere Einsatzmittelbindung und somit im Durchschnitt sich verlängernde Anfahrtswege zur Folge haben“, sagte ein Sprecher.