Polizei Berlin

Nachhilfe für knapp gescheiterte Polizeianwärter

Mit gezieltem Unterricht sollen junge Menschen, die bei der Aufnahme durchgefallen sind, auf einen zweiten Versuch vorbereitet werden.

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik (hinten) stand den Schülern am Dienstag Rede und Antwort.

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik (hinten) stand den Schülern am Dienstag Rede und Antwort.

Foto: Philipp Siebert

Berlin. Es habe an seinen Geschichtskenntnissen gelegen, vielleicht auch an der Rechtschreibung, sagte Stefan. Der 16-Jährige machte vor Kurzem den Einstellungstest bei der Berliner Polizei und scheiterte knapp. „Ich wollte schon immer Polizist werden“, so der Spandauer weiter. „Ich möchte etwas gegen die Kriminalität auf der Straße tun.“ Daher hat er sich nicht entmutigen lassen und nimmt mit 27 anderen knapp gescheiterten Polizeianwärtern nun an einem Pilotprojekt der Polizei und der Senatsbildungsverwaltung an der Hans-Litten-Schule (Oberstufenzentrum Recht) in Charlottenburg teil, dass ihre Chancen auf einen erfolgreichen zweiten Versuch erhöhen soll.

Der neue Polizei-Bildungsgang der Integrierten Berufsausbildungsvorbereitung (IBA) existiert seit dem 10. August. Am Dienstag verschafften sich Vertreter der Polizeiführung und der Bildungsverwaltung in der Hans-Litten-Schule eine ersten Eindruck. Ein Jahr lang haben die Schüler Zeit, sich auf einen zweiten Versuch beim Test vorzubereiten. Die sei ohne Frage schwer, räumte Thomas Drechsler, stellvertretender Leiter der Polizeiakademie, ein. Aber: „Es geht darum, jungen Menschen Chancen zu geben.“

Daher habe man die gescheiterten Bewerber angeschrieben, die motiviert sind und unbedingt zur Polizei wollen, bei denen allerdings ein Quäntchen beim Deutsch- oder PC-Test gefehlt hat. „Mich hat gefreut, dass man uns so ein bisschen die Bude eingerannt hat“, so Drechsler weiter. Das Interesse sei so groß gewesen, dass man nicht alle in das Pilotprojekt habe aufnehmen können.

Ziel ist es, dass es alle 28 beim nächsten Mal schaffen

Im einjährige Bildungsgang sollen die Schüler gezielt auf die Ausbildung und den Dienst bei der Polizei vorbereitet werden. So werde ein Schwerpunkt auf Recht gelegt, Ethik sei Wahlfach und im Sport gehe es insbesondere um Ausdauer und Koordination, sagte Eike Buchheim, zuständiger IBA-Abteilungsleiter an der Hans-Litten-Schule. „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Jugendlichen beim nächsten Bewerbungsverfahren mit deutlich höherem Erfolg abschneiden.“ Ziel sei es, dass es alle schaffen.

Auch Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik wünschte den Schüler möglichst viel Erfolg haben. Denn man brauche dringend Nachwuchs. Sie lobte die jungen Menschen für ihr hohes Maß an Motivation. „Sie haben sich nicht von einem ersten kleinen Misserfolg entmutigen lassen.“ Sie hoffe, dass die Anwärter nach dem achtwöchigen Praktikum bei der Polizei zum Ende des Jahres noch motivierter sind. „Was wir brauche, ist kompetenter und engagierter Nachwuchs und da komme Sie ins Spiel“, sagte Slowik an die Klasse gewandt.

Laut Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD) trete man durch gezielte Vorbereitung der Schüler dem Fachkräftemangel in der Verwaltung entgegen und sorge dafür, „dass Jugendliche eine gute berufliche Perspektive haben.“ Man überlege, wie es auch auf andere Landesbetriebe ausdehnen könne.