Bürgermeister

Diese drei Bezirke-Chefs zieht es in die Landespolitik

Spandaus Bürgermeister bewirbt sich für den Bundestag. Er ist nicht der einzige mit großen Ambitionen.

Treptow-Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel (SPD) wundert sich über die Abwanderungsbestrebungen seiner Kollegen.

Treptow-Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel (SPD) wundert sich über die Abwanderungsbestrebungen seiner Kollegen.

Foto: Privat

Berlin. Oliver Igel wundert sich. Galten Bezirksbürgermeister bislang als kleine Fürsten, die die Geschicke der Bezirke von der Größe einer kleinen Großstadt lenkten, so zeichnet sich derzeit eine Abwanderungsbewegung ab. „Wenn das tatsächlich so kommt und ich von meiner Partei wieder aufgestellt werde, bin ich bald der dienstälteste Bürgermeister“, sagt der SPD-Bezirkschef von Treptow-Köpenick, der schon mit 32 Jahren Rathauschef wurde und heute 42 Jahre alt ist.

Den Anlass für Igels Verwunderung stellt der offenbar neue Trend dar, dass immer mehr seiner Bezirkskollegen auf die Landesebene drängen – oder sogar darüber hinaus. Den Anfang machte Reinhard Naumann (SPD), der nach zehn Jahren als Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf nun angekündigt hat, bei den kommenden Wahlen einen Sitz im Abgeordnetenhaus anzustreben. Neun Jahre war Naumann Bezirkschef in der City-West, nun will er den Schritt in die Landespolitik wagen.

Friedrichshain-Kreuzbergs Bürgermeisterin überlegt noch

Naumann ist damit nicht allein. Sein Amtskollege aus Reinickendorf, Frank Balzer (CDU), zieht es ebenfalls in das Landesparlament (siehe nebenstehenden Artikel). Auch die langjährige Bezirkschefin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne) liebäugelt mit einem Wechsel ins Abgeordnetenhaus. Eigentlich wollte sich die streitlustige Kreuzbergerin nach 15 Jahren im Amt ganz aus der Politik zurückziehen. Doch das halten ihr nahe stehende Freunde für eine Illusion, sodass auch sie darüber nachdenkt, sich für das Landesparlament zu bewerben.

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Vier Wochen vor der Nominierung der Kandidaten will sich Herrmann entscheiden. Obwohl sie dann quasi ein Neuling wäre, kann sie nicht auf einen der dafür frei gehaltenen Listenplätze hoffen. Für ehemalige Staatssekretäre und Bezirksbürgermeisterinnen gilt die Neuen-Regel bei den Grünen nicht. Jeder dritte Platz auf der Liste muss mit neuen Kandidaten besetzt werden. So wollen die Grünen eine stetige Erneuerung ihrer Fraktion erreichen.

Spandaus Rathauschef zieht es in den Bundestag

Der Bezirksbürgermeister von Spandau, Helmut Kleebank (SPD), strebt sogar noch eine Ebene höher. Er will den langjährigen Abgeordneten seiner Partei, Swen Schulz, im Bundestag beerben, heißt es. Von seinem Kreisverband ist er allerdings noch nicht nominiert.

Oliver Igel wäre dann zusammen mit Angelika Schöttler (SPD) aus Tempelhof-Schöneberg der dienstälteste Bezirksbürgermeister. Ihn würde es freuen. „Ich hoffe darauf, es zu bleiben“, sagt er.