Berliner Unternehmen

Wo man in Berlin Oldtimer für besondere Tage mieten kann

Dirk Salomon und Harald Piendl haben in Moabit mit Ottochrom ein digitales Carsharing-Angebot für private Oldtimer gegründet.

Harald Piendl (li) und Dirk Salomon haben in Berlin Moabit das Startup "Ottochrom" gegründet und restaurieren und vermieten in der Remise Berlin Oldtimer. Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Service 

Harald Piendl (li) und Dirk Salomon haben in Berlin Moabit das Startup "Ottochrom" gegründet und restaurieren und vermieten in der Remise Berlin Oldtimer. Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Service 

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Berlin. Das Feuerrot der Corvette springt einem regelrecht ins Auge. Sie steht aufgebockt in einer alten Backsteingarage in der Classic-Remise in Moabit – und befindet sich in guter Gesellschaft. Gleich daneben steht ein aufwendig restaurierter VW-Bulli T2 in Olivgrün. Schräg gegenüber parkt eine silberglänzende Mercedes 280SE-Limousine. Die unterschiedlichen Fahrzeuge eint neben ihrem fortgeschrittenen Alter eine weitere Tatsache: Sie lassen sich online mieten.

Ottochrom heißt die neue Plattform, die seit Juli am Netz ist und einen ganz speziellen Fall geteilter Mobilität erschließen will. Ein digitales Carsharing-Angebot nur für Old- und Youngtimer. Hinter der Idee stehen Dirk Salomon und Harald Piendl, mit ihrer Plattform wollen sie den Zugang zu den besonderen Fahrzeugen vereinfachen.

Oldtimer in Berlin: Privatbesitzer können ihre Wagen tageweise vermieten

„Oldtimer haben immer noch einen elitären Touch“, sagt Piendl. Vielen scheint so ein Wagen zu teuer. Und was, wenn man ihn beschädigen würde? Mit ihrem Angebot, wollen sie genau diese Sorgen überwinden, wie Piendl sagt. „Wir wollen die Angst davor nehmen, an den Autos etwas kaputt zu machen, damit das Thema zugänglicher wird.“ Anders als bei den aus Berlin bekannten Carsharing-Angeboten wie ShareNow oder WeShare kommt die Flotte dafür aber nicht von ihnen allein. Sie wollen vor allem als Vermittler auftreten. Das heißt: Auf ihrer Plattform sollen private Oldtimerbesitzer ihre Wagen tageweise vermieten.

Die beiden kennen sich schon seit ihrer Jugend in Augsburg. Dass sie mal gemeinsam eine Online-Plattform für schöne, alte Autos aufbauen würden, hatten sie nicht vorhergesehen. Dabei setzten sie persönlich schon in ihren Jugendjahren eher auf ältere Fahrzeuge. Vor allem für Salomon wurden sie schnell zur Leidenschaft – und später zum Geschäft. „Ich habe immer schon alte Autos gemocht. Mir bedeutet ein neues Auto gar nichts.“ Der Vater seiner Jugendfreundin habe eine Autowerkstatt gehabt. „Das war der Ursprung allen Übels“, sagt der heute 54-Jährige lachend. Er fuhr damals einen Kübelwagen der Bundeswehr, später einen alten Leichenwagen, „weil ich die Form schön fand“, wie er betont. Dann kam irgendwann die Mercedes-Limousine, die auch heute noch in seinen Räumlichkeiten steht.

Mit ihr zog Salomon im Jahr 1994 nach Berlin. Nach einer Wohnungsbesichtigung in der Kreuzberger Adalbertstraße fand er einen Zettel einer Produktionsfirma an seinem Auto, die den Wagen für einen Baader-Meinhof-Film haben wollte. „Die haben mir damals ein paar Hundert Mark für einen Drehtag geboten“, sagt er. So entstand der Gedanke, seine alten Karossen gewerblich zu vermieten – denn schon damals hatte er weitere Wagen abgemeldet bei seinen Eltern in Augsburg geparkt, sehr zu deren Leidwesen. „Das war schon am Anfang ein bisschen ungewohnt“, sagt Salomon, habe sich jedoch schnell gelegt. „Ich habe gemerkt, dass die Leute sehr vorsichtig damit umgehen.“

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Oldtimer-Vermietung: Der Versicherungsschutz war eine Hürde

Mittlerweile vermietet er seit rund 20 Jahren Oldtimer über seine Firma Classic-Depot, darunter zehn eigene Wagen und 40 von anderen Besitzern. Ein Geschäft, das künftig ganz in Ottochrom aufgehen soll.

Dafür mussten sie zunächst vor allem eine Hürde überwinden: den Versicherungsschutz. Immer wieder seien in der Vergangenheit Menschen zu ihm gekommen, die ihren Wagen nur 30 Tage im Jahr fahren würden und fragten, ob Salomon ihn nicht vermieten könnte. Er habe die Autos dann ins Angebot mit aufgenommen. „Aber das war ganz schwierig mit der Versicherung.“ Denn die Policen privater Pkw-Fahrer gelten meist nur für sie selbst sowie ihre Partner, nicht jedoch für Dritte. „Passiert dann etwas, hast du ein ernsthaftes Problem.“

Daraus sei der Gedanke entstanden, eine neue Lösung zum Vermieten von Old- und Youngtimern zu finden. „Wir brauchten eine Versicherung, die dafür sorgt, dass das gedeckelt ist und nichts passieren kann“, sagt Salomon. Er wandte sich daher im Jahr 2017 erstmals an die Allianz. Dort habe man erstmal schlucken müssen bei seinem Anliegen. Die Gespräche mit der Allianz habe dann mit der Zeit Piendl übernommen, der vorher unter anderem Manager bei Red Bull war.

Seit dem vergangenen Juli besitzen sie nun die Zusage der Allianz. In dem Moment, wo ein Wagen die Garage des Eigentümers verlässt, ist er über die ins Angebot von Ottochrom integrierte Police geschützt. „Ohne Versicherung würden wir das nicht machen können“, sagt Piendl. Nun sei das Risiko für die Eigentümer der Fahrzeuge gering. Für mögliche kleinere Schäden muss zudem vor Fahrtantritt eine Kaution hinterlegt werden.

Einen historischen Porsche gibt es für unter 300 Euro am Tag

Auf ihrer Plattform finden sich unter anderem ein Porsche 928 von 1978 für 290 Euro pro Tag, oder ein Fiat 1500 Cabrio aus dem Jahr 1966 für täglich 240 Euro. Daneben altes Blech von Mercedes, Jaguar oder Triumph. Insgesamt sind es aktuell 36 Fahrzeuge.

Ein eigenes Auto hat gerade unter jungen Menschen einen immer geringeren Stellenwert. Gibt es für ihr Angebot überhaupt genug Nachfrage? Die beiden sind fest davon überzeugt. „Diese Autos sind authentischer, da entstehen nostalgische Gefühle“, sagt Piendl. „Das gefällt auch jüngeren Leuten.“ „So eine Fahrt ist eine Zeitreise“, sagt Salomon. Die einen wollten so ein Auto für ihre Hochzeit, andere möchten damit einfach raus aufs Land fahren. Es gebe immer mehr Menschen, die Lust darauf hätten, sowas zu machen, aber gar nicht wüssten, dass es so einfach gehe.

Ein paar Einschränkungen gibt es für potenzielle Mieter jedoch. Sie müssen mindestens 25 Jahre alt sein und den Führerschein in den vergangenen drei Jahren nicht für mehr als drei Monate abgegeben haben. Auch wer in dieser Zeit selbstverschuldet mehr als zwei Kaskounfälle über 2500 Euro hatte, fällt raus. Statistiken aus dem Versicherungsbereich zeigten, dass solche Personen eine höhere Wahrscheinlichkeit hätten, erneut einen Unfall zu bauen, sagt Piendl. „Wir wollen keine notorischen Raser und Bruchpiloten.“ Zudem müsse der potenzielle Mieter dem Besitzer zuvor sagen, was er mit dem Wagen vorhabe. Der Eigentümer könne dann von Fall zu Fall entscheiden. Gibt es ein Ja, steht der nostalgischen Spritztour nichts mehr im Weg.

In diesem Jahr soll sich das Angebot noch nur auf den Berliner Raum beziehen. Ab 2021 sollen dann Oldtimerfans in ganz Deutschland auf ihre Kosten kommen können.