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Arbeitskräftesuche für Tesla-Fabrik

In etwa einem Jahr will Tesla in Grünheide die ersten Elektroautos vom Band rollen lassen. Für die Produktion werden viele Arbeitskräfte benötigt. Die Politik ist zuversichtlich, die Wirtschaft skeptisch.

Hendrik Fischer, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie (MWAE) von Brandenburg.

Hendrik Fischer, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie (MWAE) von Brandenburg.

Foto: dpa

Potsdam. Im Sommer 2021 will der US-Elektroautobauer Tesla am Standort Grünheide bei Berlin mit seiner Produktion von Fahrzeugen beginnen. Rund 500 000 Fahrzeuge im Jahr sollen vom Band rollen, etwa 12 000 Arbeitsplätze sind geplant. Um Fachkräfte für die geplante Fabrik zu gewinnen, wollen die regionale Bundesagentur für Arbeit und das US-Unternehmen eng zusammenarbeiten. "Das entwickelt sich sehr gut", sagte Staatssekretär Hendrik Fischer am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss. Beide Seiten hätten sich zu konkreten Arbeitsschritten mit einem genauen Zeitplan verabredet, es gebe inzwischen auch extra Büros, in denen die federführende Arbeitsagentur in Frankfurt (Oder) bei der Suche von Fachkräften helfe.

Die Frage, wie viel Arbeitskräfte Tesla genau in welchem Bereich benötige, konnte der Staatssekretär zunächst nicht beantworten. Gesucht würden unter anderem Leitungskräfte, Facharbeiter und Ingenieure. "Wir werden als Land im Bildungs-und Weiterbildungsbereich keine Sonderaktionen ausschließlich für Tesla machen können", betonte Fischer im Ausschuss. Man warte jetzt die Entwicklung ab und sei auch in engem Kontakt mit der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg (IHK).

Mit Blick auf die Ansiedlung von Tesla heißt es in einem Papier der IHK zur "Bildungsinfrastruktur", die Deckung des vorgesehenen Fachkräftebedarfs werde das US-Unternehmen vor eine "große Herausforderung" stellen. Das betreffe auch die bereits ansässigen regionalen Unternehmen und die zu erwartenden Zulieferbetriebe, die sich im Umfeld von Tesla ansiedeln werden. Die Nähe zum Flughafen BER mit dem Eröffnungstermin Ende Oktober verschärfe die Situation zusätzlich.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fachkräftesicherung seien der IHK zufolge Investitionen in Bildung und Soziales, etwa der Ausbau der Kinderbetreuungs- und Schulinfrastruktur. "Unter anderem müssen die Berufsschulen vorbereitet werden. Räume, Fachlehrer, Labore und Werkstätten werden für die duale Ausbildung gebraucht", erklärte der Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der IHK Ostbrandenburg, Michael Völker.

Die Bundesregierung und führende Wirtschaftsexperten sehen in der Tesla-Ansiedlung Schwung für andere Großbauprojekte. Das Tempo, mit dem Tesla sein neues Werk baue, habe Vorbildcharakter für andere Großbauprojekte, sagte Thomas Bareiß (CDU), Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, dem "Handelsblatt". Ähnlich äußerte sich der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, Michael Hüther, der von einer "Signalwirkung" spricht. Die zügigen Baufortschritte in Grünheide seien "ein großartiges Beispiel dafür, wie eine kluge und frühzeitige Abstimmung nach einer Grundsatzentscheidung Planung und Umsetzung beschleunigen kann", sagte Hüther dem Blatt.

Dieser Einschätzung widerspricht der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, der in Tesla einen "besonderen Fall" sieht, was das Tempo des Bauvorhabens angeht. Die rechtlichen und bürokratischen Hürden für Investitionsprojekte in Deutschland seien ein Problem und die "höchsten und schwierigsten in der Welt", sagte der Wirtschaftsexperte. Das Beispiel Tesla zeige, dass eine schnelle Umsetzung von Investitionsprojekten in Deutschland möglich sein könne. Das Projekt werde aber kein Vorbild für andere Projekte sein.