Polizeieinsatz

Islamistischer Anschlag auf der A100 - Was wir bisher wissen

Auf der Stadtautobahn A100 hat ein Autofahrer absichtlich mehrere Motorräder gerammt. Was wir bisher zu dem Anschlag in Berlin wissen.

Autoangriff in Berlin mutmaßlich islamistischer Anschlag

Bei der Autoattacke am Dienstagabend auf der innerstädtischen Autobahn 100 in Berlin hat es sich mutmaßlich um einen islamistischen Anschlag gehandelt. Der Mann sei dringend verdächtig, vorwiegend auf Motorradfahrer "Jagd gemacht zu haben", sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Martin Steltner. Bei dem Angriff wurden sechs Menschen zum Teil schwer verletzt.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Am Dienstagabend hat ein 30-jähriger Mann auf der A100 drei Zusammenstöße verursacht. Dabei rammte er mehrere Fahrzeuge. Danach drohte er mit einem vermeintlich „gefährlichen Gegenstand“. Der Mann wurde festgenommen. Die Behörden gehen von einem islamistischen Anschlag aus.

Über die aktuellen Entwicklungen zum Anschlag auf der Berliner Stadtautobahn berichtet die Berliner in einem Newsblog.

Islamistischer Anschlag auf der Berliner Stadtautobahn: Was wir wissen

  • Was ist auf der A100 passiert? Am Dienstagabend, 18. August 2020, haben sich auf der Stadtautobahn A100 gegen 18.50 Uhr drei Zusammenstöße zwischen den Anschlussstellen Wexstraße in Wilmersdorf und Alboinstraße in Tempelhof ereignet. Ein Autofahrer rammte fünf Fahrzeuge, darunter drei Motorräder. In Höhe Innsbrucker Platz in Schöneberg fuhr er einen Rollerfahrer um. An der Ausfahrt Alboinstraße kam der Fahrer zum Stehen. Er bedrohte die Polizisten mit einem vermeintlich gefährlichen Gegenstand, der sich in einer Kiste befinden sollte. Der Mann wurde festgenommen.
  • Geschahen die Zusammenstöße mit Absicht? Die Ermittler gehen davon aus, dass der Opel-Fahrer die Unfälle absichtlich verursacht hat. Die Unfälle seien als "vorsätzliche Angriffe auf andere Verkehrsteilnehmer zu werten", vor allem auf Motorradfahrer, so die Generalstaatsanwaltschaft. Die Behörden vermuten nach den bisherigen Erkenntnissen einen islamistisch motivierten Anschlag. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, sprach am Mittwoch davon, dass der Mann Jagd auf andere Verkehrssteilnehmer, vornehmlich Motorradfahrer, gemacht habe.
  • Was ist der Hintergrund der Tat? Die Generalstaatsanwaltschaft geht von einem islamistischen Anschlag aus. Aber auch psychische Probleme des Mannes seien denkbar, heißt es seitens der Polizei. Der Staatsschutz ermittelt. Die eigens gebildete Ermittlungsgruppe Motorrad habe keine Anhaltspunkte gefunden, dass der Täter Mitglied in einer terroristischen Vereinigung ist. Unter einem Facebook-Post auf seiner Seite stand in arabischer Sprache: „Wir werden Palästina betreten, am Freitag. Der Stolz gehört ausschließlich Gott. Und Gott ist Zeuge von dem, was ich sage.“ Bezüge zur islamistischen Szene sind auf der Facebook-Seite nicht erkennbar. Sarmad A. postete Bilder, die ihn vor einem Bekleidungsgeschäft zeigen, und Videos von einem Fest in einem Park. Auf einem der Fotos ist er auf einem Motorrad zu sehen.

Lesen Sie auch: Mutmaßlicher Attentäter Sarmad A. kommt in die Psychiatrie

Amokfahrt auf A100: Das sind die Bilder vom Tatort

  • Wer ist der Fahrer? Bei dem festgenommenen Mann handelt es sich um den 30 Jahre alten Iraker Sarmad A. Der Tatverdächtige lebt in Berlin-Reinickendorf und ist der Polizei bereits bekannt. Er kam als Asylbewerber nach Deutschland. Nachdem sein Asylantrag abgelehnt worden sei, lebe er mit einer Duldung in Berlin, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Senatskreisen. Demnach war zunächst noch unklar, wann er nach Deutschland kam. Nach Fotos von seinem Facebook-Profil war er mindestens 2016 schon in Berlin. Bis Herbst 2019 sei er in einer Gemeinschaftsunterkunft im Stadtteil Altglienicke untergebracht gewesen. Danach habe er eine Wohnung im Bezirk Reinickendorf bezogen, in der er mit großer Wahrscheinlichkeit gemeinsam mit seinem Bruder lebe. In der Vergangenheit soll der Mann in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden sein. Am Mittwochabend ordnete ein Haftrichter an, dass Sarmad A. bis auf weiteres in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung des Maßregelvollzugs untergebracht wird.
  • Ist der Fahrer Mitglied einer terroristischen Vereinigung? Anhaltspunkte für die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sehen Generalstaatsanwaltschaft Berlin und Polizei nicht. „Nach gegenwärtigen Erkenntnissen gibt es kein Netzwerk, das im Hintergrund arbeitet, aber wir werden sehen, was da noch an Ermittlungsergebnissen kommt“, sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) der RBB-„Abendschau“ am Mittwochabend. Dem Berliner Staatsschutz war der Täter demnach nicht bekannt. Hinweise auf einen oder mehrere mögliche Mittäter liegen den Behörden bislang nicht vor. Sarmad A. hatte den Angaben zufolge aber Kontakt zu einem Mann, den die Polizei als islamistischen Gefährder führt. Die Männer lernten sich demzufolge zwischen 2018 und 2019 bei einem gemeinsamen Aufenthalt in einem Wohnheim kennen. Es sei aber noch unklar, wie eng dieser Kontakt war, so Generalstaatsanwältin Margarete Koppers. Nach Informationen der Berliner Morgenpost aus dem Umfeld der Sicherheitsbehörden handelt es sich bei dem Gefährder um den 33 Jahre alten Iraker Mohamed D. Er kam im November 2015 nach Berlin. Die Behörden ermitteln gegen ihn wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung. Man müsse nun prüfen, ob D. den Attentäter Sarmad A. womöglich radikalisiert oder gar zu dem Anschlag angestiftet haben könnte, hieß es. Hinweise darauf lägen den Behörden derzeit aber nicht vor, hieß es.

Lesen Sie auch: Sarmad A. - Anwohner riefen schon am Vormittag die Polizei

  • Gab es Verletzte? Sechs Menschen wurden bei dem Anschlag auf der A100 verletzt, drei von ihnen schwer. Darunter sind auch ein Motorrad- und ein Rollerfahrer, der reanimiert werden musste, sowie eine Familie. Einer der Betroffenen ist ein Feuerwehrmann, der auf dem Nachhauseweg war. Das bestätigte die Berliner Feuerwehr. Er wird auch am Donnerstag weiter auf einer Intensivstation behandelt. „Sein Zustand ist ernst, wir sind in Gedanken bei ihm und hoffen das Beste“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Behörde sei auch im engen Kontakt mit der Familie des Kollegen.
  • Womit drohte der Amokfahrer? Nachdem der Autofahrer an der Ausfahrt Alboinstraße aus seinem Opel Astra gestiegen war, stellte er eine Munitionskiste auf sein Autodach. Er drohte damit, dass „alle sterben“ würden, wenn sich ihm Polizisten näherten. Nach seiner Festnahme untersuchten Kriminaltechniker die Kiste. Sie erwies sich als harmlos und enthielt lediglich Werkzeug.
  • Wo und wann haben sich die Zusammenstöße ereignet? Die Zusammenstöße auf der A100 ereigneten sich gegen 18.50 Uhr kurz hintereinander zwischen den Anschlussstellen Wexstraße in Wilmersdorf und Alboinstraße in Tempelhof. Wie der Sprecher der Generalstaatsanwaltschat, Martin Steltner, am Mittwoch erläuterte, habe der Mann zunächst einen Pkw gestreift, dann einen Motorradfahrer gerammt, der dabei schwerste Kopf- und Wirbelverletzungen erlitt. Danach habe er einen weiteren Motorrollerfahrer touchiert und schließlich ein Motorrad auf einen Pkw gedrückt, bevor sein Wagen an der Alboinstraße zum Stehen kam.
  • Um was für ein Tatfahrzeug handelt es sich? Der Amokfahrer fuhr einen schwarzen Opel Astra, an dem falsche Kennzeichen angebracht waren. Auf Facebook postete Sarmad A. nur wenige Stunden vor seiner Amokfahrt Fotos von sich selbst und dem späteren Tatfahrzeug.
  • Wie war die Situation an der A100? Bis zum frühen Mittwochnachmittag waren Teile der A100 gesperrt, eine Meldung der VIZ gegen 12 Uhr, dass alle Sperrungen aufgehoben seien, war verfrüht. Auch danach war die Autobahn zwischen Wexstraße und Schmargendorf in beiden Richtungen gesperrt. Erst gegen 14 Uhr waren laut VIZ die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen und die Autobahn wieder komplett freigegeben. Die Kriminalpolizei hatte seit Dienstagabend für die Untersuchungen ganze Fahrbahnen gesperrt und am Dienstag auch eine Drohne für Video- und Fotoaufnahmen aus der Luft eingesetzt. Während die Drohne flog, mussten aus Sicherheitsgründen beide Fahrtrichtungen der Autobahn gesperrt werden. Am Mittwochmorgen war die A100 zunächst zwischen Kurfürstendamm und Alboinstraße in Richtung Neukölln gesperrt. Gegen Mittag umfasste die Sperrung wegen der polizeilichen Ermittlungen nur noch den Bereich Kurfürstendamm - Hohenzollerdamm, allerdings in beide Richtungen. Auch in Richtung Wedding wurde die Stadtautobahn zwischen Autobahndreieck Neukölln und Gradestraße aufgrund zu hohen Verkehrsaufkommens gesperrt. Auf der gesamten Stadtautobahn staute es sich massiv, die Passierdauer belief sich auf rund 90 Minuten. Autofahrer sollten die A100 meiden und das Gebiet weiträumig umfahren.
  • Wie viele Autofahrer waren von dem Anschlag betroffen? Am Dienstagabend saßen an der Ausfahrt Alboinstraße rund 200 Menschen in ihren Autos fest. Sie mussten ihre Fahrzeuge zu Fuß verlassen.