Corona in Berlin

Eltern fordern Maskenpflicht auch in Berliner Klassenzimmern

Positive Fälle gibt es bereits an neun Schulen. Ein Bündnis will eine Milliarde Euro Soforthilfe für Hygiene und mehr Personal.

Schulstart in Berlin - mit Corona-Regeln

In Berlin hat der Unterricht für mehr als 300.000 Schüler wieder begonnen, mit Hygiene-Auflagen, um eine neue Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. So müssen alle Schüler auf den Gängen und Treppen einen Mundschutz tragen, die Klassenzimmer sollen regelmäßig gelüftet werden.

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Berlin. Eigentlich sollten Berlins Schulen nach den Ferien zum Regelbetrieb unter Auflagen zurückkehren. Doch schon kurz nach dem Start gibt es in mehreren Bezirken Fälle von infizierten Schülern oder Lehrern. Zuletzt wurde am Donnerstag an der Max-Bill-Schule in Weißensee eine Lehrerin positiv auf das Coronavirus getestet, wie Pankows Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) bestätigte. Das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Treptow-Köpenick wurde vorsorglich geschlossen.

Damit sind bislang neun Berliner Schulen direkt vom Coronavirus betroffen. Elternvertreter fordern jetzt eine erneute Diskussion um die Maskenpflicht im Unterricht. Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, sagte: „Die Frage ist, sind die Hygienekonzepte der Schulen wirksam oder braucht es eine Nachsteuerung?“

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Corona in Berliner Schulen: „Situation, die wir unter allen Umständen verhindern wollen“

Eltern befürchten nun, dass es wieder Schulschließungen auf breiter Front geben könnte und sie erneut selbst unterrichten müssen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte am Donnerstag, Schulschließungen dürften nur das letzte Mittel sein. „Das ist für Eltern, Lehrer und Schüler keine leichte Situation, die wir unter allen Umständen verhindern wollen“, so Giffey.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte schon vor Schulbeginn Kritik an der Rückkehr zum Regelbetrieb für Berlins rund 370.000 Schüler geübt und die Pläne mit Blick auf die Infektionsgefahren fahrlässig genannt. Wegen dieser Missstände forderte ein Bündnis aus Eltern, Schülern, Lehrkräften und Erziehern unter Federführung der Berliner GEW, die Schulen mit Corona-Soforthilfen zu unterstützen. „Eine Milliarde Euro an Soforthilfe muss her, damit wir so schnell wie möglich Personal einstellen, zusätzliche Räume und digitale Infrastruktur schaffen und für echte Hygiene an den Schulen sorgen können“, sagte GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik. Nur so könne man die Lerngruppen verkleinern und damit für ausreichenden Gesundheitsschutz sorgen.

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Lüften ist nicht an allen Berliner Schulen möglich

Im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses verteidigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) die Senatspolitik. „Wenn wir Lerngruppen verkleinern, wird es keinen Regelunterricht geben“, betonte sie. Man werde sich jetzt zum Herbst hin intensiv mit dem Thema Lüften beschäftigen, dafür habe sie für kommenden Montag einen Hygienebeirat einberufen. Allerdings ist das Lüften derzeit offenbar nicht an allen Berliner Schulen möglich. „Meine Schule ist eingerüstet, wir können die Fenster momentan nicht öffnen“, so Miriam Pech, Leiterin der Heinz-Brandt-Schule in Weißensee, die als Expertin geladen war.

Die Bildungsverwaltung hingegen kritisierte das Vorgehen des geschlossenen Hauptmann-Gymnasiums: „Die eine Schule hat sich anscheinend nicht an die Vorgaben des Musterhygieneplans gehalten, sonst hätte nicht das gesamte Kollegium getestet werden müssen“, sagte ein Sprecher.

4,2 Prozent der Lehrer fielen in drei Regionen aus

Zur Frage, wie viele Lehrkräfte aufgrund von Vorerkrankungen für den Präsenzunterricht ausfallen, nannte Senatorin Scheeres neue Zahlen. In drei Regionen der Stadt fielen nach aktueller Abfrage der Bildungsverwaltung 4,2 Prozent der Lehrer für den Unterricht vor Ort aus. Um welche Regionen es sich handelt, sagte Scheeres aber nicht.