Berliner helfen

Neuköllner Lehrer kümmert sich um Brandopfer

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Petra Götze
Tanzlehrer Robin Grimm ( Bildmitte) mit seinen Schülern Hasan, Sadiq, Ali und Mohamed (v.l.) an der Jahnstraße

Tanzlehrer Robin Grimm ( Bildmitte) mit seinen Schülern Hasan, Sadiq, Ali und Mohamed (v.l.) an der Jahnstraße

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Robin Grimm von der Schule Campus Efeuweg in Neukölln unterstützt seine ausquartierten Schüler mit Videos.

Berlin. Vor mehr als drei Wochen, am 13. Juli wurde die Feuerwehr nachts zu einem Einsatz in Neukölln gerufen: Brand in den Tiefgaragen eines Mietshauses, die Flammen drohten auf das ganze Haus überzugreifen. Die Garagen mit den Autos brannten komplett aus. In einer waghalsigen Aktion fuhr einer der Mieter seinen BMW aus der brennenden Garage.

Wohnungen dürfen noch nicht betreten werden

Die unteren Wohnungen des Hauses in der Jahnstraße sind seitdem unbewohnbar. Die Feuerwehr geht von Brandstiftung aus. Das gesamte Haus gilt als einsturzgefährdet, alle dort wohnhaften 24 Familien wurden evakuiert und durften das Haus und ihre Wohnungen nicht mehr betreten. Die Familien mit meist mehreren Kindern wurden in Neuköllner Hostels und Hotels untergebracht.

„Die Situation ist sehr belastend für die Familien, aber auch für die Mitarbeiter des Hotels. Die Kinder hängen den ganzen Tag in der Lobby herum, haben keinen Platz für sich und können auch keine Spielsachen aus den Wohnungen holen“, sagt Robin Grimm.

Kostenlose Freizeitangebote gesucht

Er ist Klassenlehrer einer 9. Klasse an der Gemeinschaftsschule Campus Efeuweg in Neukölln. Der 13-jährige Ali aus dem Brandhaus gehört zu seinen Schülern. Um die Kinder und Jugendlichen zu beschäftigen, hat Robin Grimm Neuköllner Freizeit-Einrichtungen gebeten, die Kinder und Jugendlichen einmal kostenlos ihre Angebote nutzen zu lassen. „Wir waren im Sprungraum Trampolin springen und haben auch ein tolles Video gedreht“, sagt Robin Grimm.

Videos aus dem Schulalltag

Er unterrichtet Sport, Geschichte, Politik und Geografie und hat als leidenschaftlicher Tänzer eine Tanz AG an der Schule gegründet, mit der er zu Auftritten in seine Heimatstadt Gera und Anfang März diesen Jahres sogar nach Paris gereist ist. Dort entstand die Idee eines eigenen Video-Kanals auf der Social-Media-Plattform TikTok. Während der Corona-Krise hat er mit den Schülerinnen und Schülern daraus ein Medienprojekt entwickelt. „Wir zeigen Szenen aus dem Schulalltag, satirisch, komödiantisch und selbstironisch. Teilweise spielen sogar die Eltern in den Videos mit. Der Kanal hat inzwischen 311.000 Abonnenten“, berichtet Robin Grimm.

„Die Schüler entwickeln einerseits eigene Ideen und Scripte für Kurzvideos und spielen andererseits nach meinen Vorgaben die Rollen, die ich ihnen gebe“, erzählt er. Dabei habe die Sprachförderung eine große Bedeutung, da einige der Darsteller aus ehemaligen Willkommensklassen kommen. „Ihnen fällt es schwerer als den hier geborenen und aufgewachsenen Kindern, einen vorgegebenen Text fehlerfrei zu sprechen. Dafür nehmen wir uns aber die Zeit“, betont der Lehrer.

Die Schüler leben im Hotel

Wann seine Schüler und ihre Familien in das Brandhaus zurückkehren dürfen, ist noch nicht klar. „Wir wohnen jetzt im Ibis Hotel genau neben unserem Haus und hier ist viel besser als in dem Hostel davor. Die Hausverwaltung meint, wir dürfen am 18 August wieder in unsere Wohnung, aber wir glauben das nicht, weil wir der Hausverwaltung nicht vertrauen“, sagt der 17-jährige Mohamed, der mit seiner Familie vor vier Jahren aus Bahrain nach Deutschland gekommen ist. Der 13-jährige Ali sagt: „Es geht uns zur Zeit gut, besser als die letzten Tage.“

Robin Grimm sucht weiter nach Sponsoren für kostenlose Freizeitangebote für seine ausquartierten Schützlinge. „Ich würde diese Aktionen für die Opfer der Brandstiftung begleiten und ein entsprechendes Video produzieren, in dem ich die Einrichtung bewerbe und auf ihr soziales Engagement verweise“, sagt er. Und ganz nebenbei erfahren seine Darsteller mit den Videos Anerkennung und ein bisschen Ruhm. „Sie erzählen mir, dass sie auf der Straße angesprochen werden, weil andere Sie als Darsteller in den Videos erkennen. Das steigert natürlich das Selbstbewusstsein enorm“, sagt Lehrer Robin Grimm.

Eigener Kanal bei TikTok

Auf der bei Jugendlichen sehr beliebten aber nicht unumstrittenen Social-Media Plattform TikTok kann man die Videos mit den Schülerinnen und Schülern aus dem Brandhaus von Robin Grimm anschauen unter

https://vm.tiktok.com/JYoKKGU/

Der Lehrer bietet Freizeiteinrichtungen in Berlin und Brandenburg, die den Brandopfern kostenlose Angebote machen an, diese per Video zu begleiten und auf seinem Kanal herrgrimm mit 350.000 Followern Werbung für ihr soziales Engagement zu machen. Kontakt: brandhilfe1@web.de