Demonstrationen

Polizeigewerkschaften widersprechen Vorwurf der DDR-Methodik

Nach der Berliner Corona-Demo kritisierte der CDU-Politiker Vaatz die Polizei: Sie habe die Teilnehmerzahl wie zu DDR-Zeiten kleingerechnet. Doch das wollen die Polizeibeamten nicht auf sich sitzen lassen.

Dietmar Schilff, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei.

Dietmar Schilff, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei.

Foto: dpa

Berlin/Hannover. Die deutschen Polizeigewerkschaften haben den Vorwurf zurückgewiesen, die Teilnehmerzahl bei der jüngsten Berliner Corona-Demonstration sei mit DDR-Methoden kleingeredet worden. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warf Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz am Freitag Populismus vor, die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) bezeichnete den Vergleich des CDU-Bundestagsabgeordneten als "bösartig und niederträchtig".

Am vergangenen Samstag hatten in Berlin Tausende für ein Ende der Corona-Auflagen demonstriert. Während die Organisatoren von bis zu 1,3 Millionen Teilnehmern sprachen, waren nach Angaben der Polizei allenfalls 20 000 Menschen gekommen. In einem Gastbeitrag für die Plattform "Tichys Einblick" hatte Vaatz daraufhin kritisiert, die "dreiste Kleinrechnung der Teilnehmerzahlen" entspreche dem Vorgehen der DDR-Medien bei den Demonstrationen im Herbst 1989.

Der DPolG-Vorsitzende Rainer Wendt forderte deshalb eine Entschuldigung von Vaatz. Berlins Polizisten hätten für ihren Einsatz "Respekt, Vertrauen und Wertschätzung" verdient, sagte Wendt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). GdP-Vize Dietmar Schilff warf dem CDU-Politiker vor, er verschärfe mit seinen "zutiefst unqualifizierten Kommentaren" das Reizklima in der Gesellschaft. "Verschwörungsfanatiker erhalten dadurch unnötigen Aufwind, und die Infektionsgefahr in unserer Gesellschaft wird alles andere als gebannt."

Am Vortag hatten schon SPD und Grüne deutliche Kritik an Vaatz geübt. Auch ein Sprecher der Unionsfraktion distanzierte sich von dessen DDR-Vergleich.