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Müller signalisiert Interesse an Bundestagskandidatur

Was wird aus Michael Müller? Über seine politische Zukunft hüllte sich Berlins Regierungschef bisher in Schweigen. Nun deutet er an, wohin die Reise gehen könnte.

Michael Müller (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister.

Michael Müller (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister.

Foto: dpa

Berlins Regierender Bürgermeister und SPD-Landeschef Michael Müller hat Interesse an einer Kandidatur für den Bundestag signalisiert. "Das werden wir in den nächsten Tagen gemeinsam in der Partei erörtern, wie das laufen wird", sagte Müller am Freitag RTL/ntv. Müller machte deutlich, dass der Berliner Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg, in dem er seit Jahrzehnten lebt, seine politische Heimat ist. Dort will Juso-Chef Kevin Kühnert antreten.

Müller sagte nicht, in welchem Wahlkreis er gegebenenfalls kandidieren will. Spekuliert wurde zuletzt, dass es Charlottenburg-Wilmersdorf sein könnte. In SPD-Führungskreisen hieß es, angestrebt werde eine einvernehmliche Lösung.

Müller sagte im Interview: "Aber mit Kevin Kühnert und mir ist wirklich eine kuriose Situation eingetreten, weil wir beide durch und durch aus diesem Heimatbezirk Tempelhof-Schöneberg kommen (...). Also für uns beide ist es ein Stück Heimat. Und irgendwie muss man sich dann eben auch einigen."

Kühnert hatte vor wenigen Tagen erklärt, dass er bei der Bundestagswahl im Herbst 2021 im Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg antreten will. Müller hatte offiziell zu möglichen Ambitionen auf ein Bundestagsmandat bisher überhaupt nichts gesagt.

Die SPD-Direktkandidaten in den Berliner Wahlbezirken werden in den kommenden Wochen und Monaten festgelegt. Dabei gibt es vielfach ein Gerangel. Sicher ist eine Kanditatur Müllers im Wahlbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf vor diesem Hintergrund nicht. Dort kann sich dem Vernehmen nach auch die Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement in Müllers Senatskanzlei, Sawsan Chebli, eine Kandidatur vorstellen.

Klar war bisher nur, dass Müller die Parteiführung abgibt: Am 31. Oktober will die Berliner SPD Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Fraktionschef Raed Saleh als neue Doppelspitze wählen. Am 19. Dezember soll dann der Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl feststehen, die voraussichtlich parallel zur Bundestagswahl stattfindet.

Allgemein wird seit längerem davon ausgegangen, dass es hier auf Giffey hinausläuft. Die SPD, die Berlin jahrzehntelang prägte und aktuell mit Linken und Grünen regiert, liegt in Umfragen schon lange nicht mehr vorn. Giffey könnte hier für eine Wende sorgen. Allerdings waren Müllers Beliebtheitswerte in der Corona-Krise gestiegen. Deshalb war bisher nicht ausgeschlossen worden, dass er Lust hat, nochmals als Spitzenkandidat auf Landesebene anzutreten.

Müller ist seit 2014 Regierungschef in Berlin, seit 2016 in der rot-rot-grünen Koalition. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das bis zur Wahl so bleiben wird.

Kühnert sei "ein guter, ein schlauer", sagte Müller im "Frühstart" von RTL/ntv. "Und natürlich ist es wichtig, dass es immer eine gesunde Mischung gibt aus den Erfahreneren und den Jungen, die neu dazu kommen und neue Impulse und Ideen setzen. Und das werden wir in der Berliner SPD, glaube ich, ganz gut hinbekommen."

Offen ist, mit welchem Spitzenkandidaten die Berliner SPD in die Bundestagswahl zieht. Kühnert würde sich das zutrauen. Allerdings wäre es wohl ein Affront gegen den langjährigen Regierungs- und Parteichef, der zuvor schon Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus war, wenn er nicht auf Platz eins gesetzt würde. "Das ist eine Frage des Respekts", sagen manche in der Partei. Die offizielle Kür des Berliner SPD-Spitzenkandidaten für den Bundestag ist ebenfalls am 19. Dezember geplant.