Einzelhandel

Schließungen in Berlin abgewendet - Freude bei Karstadt

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K. Bayer und J. Fahrun
Gerettet: die Karstadt-Filiale an der Wilmersdorfer Straße.

Gerettet: die Karstadt-Filiale an der Wilmersdorfer Straße.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Kunden und Mitarbeiter sind zufrieden - aber auch am Hermannplatz gilt die Garantie für das Kaufhaus nur drei Jahre.

Berlin.  Am Tag nach der Rettung ist die abgewendete Schließung noch immer präsent. Bei Karstadt an der Wilmersdorfer Straße kleben an vielen Produkten noch Rabattschilder. In der Ecke neben der Kasse zeugt ein Aufstellschild von den ursprünglichen Plänen des Warenhauses. „Wir schließen diese Filiale – Alles reduziert“, steht dort geschrieben in pinken Großbuchstaben auf knallgelbem Hintergrund.

Doch das ist schon Geschichte. Seit Montag ist bekannt, dass die Filiale an der Wilmersdorfer Straße ebenso erhalten bleibt wie die Karstadt-Häuser an der Müllerstraße und in Tempelhof sowie die Kaufhof-Filiale im Lichtenberger Ringcenter. So haben es der Senat, der insolvente Warenhauskonzern und dessen Eigner, die Immobilieninvestoren von Signa, verabredet.

Für das Haus in Charlottenburg beträgt die Garantie zunächst nur drei Jahre. Die Kunden freuen sich dennoch. Vor dem Eingang stehen der 14-jährige Robin Doffgang und sein Vater Vitali aus Brandenburg an der Havel. Über 80 Kilometer haben sie hinter sich gebracht, um hier einzukaufen. „Schon 20 Jahre fahre ich hierher, immer genau an diese Stelle. Also das gefällt mir, bei Karstadt kann man alles kaufen“, sagt Vater Vitali. Beide sind froh, dass die Filiale erhalten bleibt. Robin sagt: „Hier ist es gut, es wird auch auf die Hygiene geachtet, und hier findet man bessere und billigere Produkte als in Brandenburg.“

In der Filiale selbst ist man zurückhaltender, fast keiner der Karstadt-Mitarbeiter möchte sich äußern. Die Mitarbeiter möchten unerkannt bleiben. „Klar ist man erleichtert, aber ich will jetzt lieber nichts Falsches sagen“, sagt ein Verkäufer. „Natürlich, wenn man 40 Jahre dabei ist, freut man sich“, sagt ein anderer. Eine dritte Mitarbeiterin sagt: „Ich bin froh, aber es ist noch zu nah dran, um etwas zu sagen.“

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Keine betriebsbedingten Kündigungen für drei Jahre

Als Gegenleistung an den Konzern und seinen Eigner hat der Senat Zugeständnisse bei den Signa-Immobilienprojekten in Aussicht gestellt. Vor allem geht es um das umstrittene Vorhaben eines neuen Gebäudes anstelle des Karstadt-Hauses am Hermannplatz. Der Senat wird das Bebauungsplanverfahren an sich ziehen und damit dem bisher ablehnend eingestellten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wegnehmen. Denn die Koalition betonte, es bestehe Konsens über die Bedeutung des Vorhabens für Berlin. Eine gesamtstädtische Relevanz ist ein wichtiges Argument, wenn der Senat solche Verfahren an sich zieht. Zwar betont der Text der Vereinbarung, die Pläne würden „in enger Zusammenarbeit“ mit den Bezirken erstellt. Ob aber der zuständige Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) dabei kooperieren will, ist offen.

In der Vereinbarung zwischen Signa und Senat ist von einer gemischten Nutzung des Neubaus die Rede, in der das „Warenhaus in zukunftsträchtiger Form“ aber weiterhin der „Anker“ sein solle. Signa hat jetzt ein Druckmittel in der Hand, damit das Land den Fortgang des Projektes nicht verschleppen kann. Eine Garantie für den Bestand von Karstadt am Hermannplatz gibt es nur für drei Jahre. „Für diesen Zeitraum sind entsprechend den Tarifverträgen betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Dabei gehen die Parteien davon aus, dass bis zum Ablauf dieser Frist das vorgenannte Bebauungsplanverfahren rechtswirksam abgeschlossen werden kann“, heißt es in der Vereinbarung.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass das Warenhaus an der Bezirksgrenze zwischen Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln dann geschlossen wird, sollte es keine abgestimmten Neubaupläne geben. Sollte das Vorhaben aber gelingen, und es wird gebaut, gilt nach Wiedereröffnung des neuen Karstadt am alten Standort eine Garantie für zehn Jahre.