Corona-Pandemie

Viele Fragen zum Schulstart in Berlin noch ungeklärt

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Jens Anker und Thomas Schubert
Diskussion um Corona-Großdemo in Berlin hält an - Forderung nach Strafen

Diskussion um Corona-Großdemo in Berlin hält an - Forderung nach Strafen

Nach der Corona-Großdemonstration in Berlin mit Verstößen gegen die Hygiene-Auflagen wird weiter über die Konsequenzen diskutiert. Dabei wurden nach Forderungen nach Geldstrafen gegen Regelbrecher laut. Erneute Corona-Großdemos wurden in Frage gestellt.

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Die Corona-Pandemie ist eine riesige Herausforderung für Schüler, Lehrer und Eltern. 2000 Pankower Kinder müssen in andere Bezirke.

Berlin. Eine Woche vor dem Start bereiten sich die Berliner Schulen auf das neue Unterrichtsjahr vor. Doch bereits jetzt zeichnet sich ab, dass der Start nicht problemfrei verlaufen wird. Während Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) wegen der Corona-Krise auf die Einhaltung der Maskenpflicht und Abstandsregeln drängt, will Berlin die Auflagen lockern. Der Präsenzunterricht werde nur dann funktionieren können, „wenn weitere Regelungen zur Hygiene, zum Tragen von Schutzmasken sowie zum Abstandhalten auf dem Schulhof und auf den Fluren strikt eingehalten werden“, sagte Karliczek der „Welt am Sonntag“.

In Berlin soll die Maskenpflicht hingegen weniger strikt gelten. Auf den Schulhöfen und in den Klassenräumen entfällt sie nach den Plänen der Bildungsverwaltung. Sportunterricht soll weitgehend im Freien stattfinden wie auch Musik-AGs. Unklar ist auch, wie die Trennung von Schülergruppen in den Oberstufen mit dem Kurssystem eingehalten werden soll. Unterstützung erhält die Berliner Landesregierung von den Schulleitern. „Ich stelle es mir sehr schwer vor, dass Kinder acht Stunden am Tag mit einer Maske in der Schule sitzen“, sagte Astrid-Sabine Busse vom Interessenverband Berliner Schulleitungen. Das Abstandsgebot hatte die Schulverwaltung bereits zu Beginn der Sommerferien gekippt.

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Um das Infektionsgeschehen besser beurteilen zu können, richtet der Senat fünf Teststellen ein, an denen sich das Schulpersonal kostenlos überprüfen lassen kann. „Die Corona-Pandemie hält weiter an und wird uns auch im neuen Schuljahr immer wieder vor besondere Herausforderungen stellen“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Wochenende.

Informationen zum Schulstart in Berlin und den Corona-Regeln an den Schulen erhalten Sie auch auf den Seiten der Berliner Senatsverwaltung für Bildung.

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Vor dem Schulstart in Berlin sind immer noch nicht alle Lehrerstellen besetzt

Für die Schulen stellen sich darüber hinaus Fragen nach den Stundenplänen, der Klassen- und Kurszusammensetzung, der Pausenregelung und der Stellenbesetzung, die noch immer nicht geklärt sind. In dieser Woche will die Verwaltung dazu die Schulen über den neuen Stand informieren.

Doch das ist nach Ansicht von Bildungsexperten zu spät. „Einmal mehr lädt Schulsenatorin Sandra Scheeres ihre Probleme bei den Schulen ab, statt rechtzeitig zu planen und damit auch den Schulen die Unterrichtsplanung zu ermöglichen“, sagt der fraktionslose Abgeordnete Marcel Luthe. Die Bildungsminister der Länder hatten verabredet, dass die Schulen nach den Ferien in den Regelbetrieb zurückkehren. „Das entlastet die Eltern und vermeidet Lernrückstände“, sagte Senatorin Scheeres (SPD).

Wie in den vergangenen Jahren auch sind darüber hinaus noch nicht alle Lehrerstellen besetzt. Nach Angaben der Bildungsverwaltung laufen noch Einstellungsgespräche. „Es sieht ganz gut aus, dass wir alle Stellen besetzen können, wenn auch nicht sofort zum Schulstart“, sagte der Sprecher der Bildungsverwaltung, Martin Klesmann. Gerade in den Mangelfächern Mathematik und Physik, teilweise auch in Sport und Sonderpädagogik gebe es Schwierigkeiten. Zum Ferienstart war ein Drittel der Stellen nicht besetzt.

2000 Kinder aus Pankow müssen in weit entfernte Bezirke pendeln

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es angesichts steigender Schülerzahlen deshalb zu Problemen kommen wird. So ist unklar, wie viele der 36.000 Schulanfänger – erneut 3000 mehr als im Vorjahr – tatsächlich schulreif sind. Wegen Corona ist rund ein Drittel der künftigen ABC-Schützen nicht untersucht worden.

Besonders eng ist die Situation in Pankow, wo die Schülerzahl in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen ist, aber die Plätze vor allem an Oberschulen nicht in gleichem Maß gestiegen sind. Insgesamt besuchen 2000 Kinder aus dem Nordbezirk Klassen in anderen Teilen der Stadt. Am Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasium in der Spandauer Siemensstadt wird derzeit sogar eigens eine zusätzliche siebte Klasse eröffnet, um 30 Kindern aus Pankow Unterricht zu ermöglichen. Nach Angaben des Bezirksamts fehlen insgesamt drei Oberschulen, um den Bedarf in Pankow decken zu können.

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