Ausbildung

Viele Jugendliche suchen Ausbildungsplätze

Das neue Ausbildungsjahr beginnt am 1. September. Noch immer haben viele Jugendliche in Berlin keinen Ausbildungsplatz gefunden. Andererseits gibt es noch freie Stellen.

Der Schriftzug der "Agentur für Arbeit".

Der Schriftzug der "Agentur für Arbeit".

Foto: dpa

Berlin. Das neue Ausbildungsjahr startet offiziell in einem Monat, viele Jugendliche in Berlin suchen aber noch einen Ausbildungsplatz. Gleichzeitig haben viele Betriebe noch offene Stellen. Nach den aktuellen Daten, die die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag vorgestellt hat, waren Ende Juli 8491 Bewerber unversorgt und 6306 Ausbildungsplätze noch frei. Berlin ist damit der Arbeitsagentur zufolge aktuell das einzige Bundesland, in dem die Zahl der Bewerber höher ist als die der freien Lehrstellen.

Insgesamt ist die Suche nach einem Ausbildungsplatz nach Einschätzung der Arbeitsmarktexperten deutlich schwieriger geworden. Die rechnerische Lücke zwischen unversorgten Bewerbern und freien Lehrstellen ist demnach im Vergleich zu den Vorjahren erheblich größer geworden. Die Zahl der Ausbildungsplätze ist deutlich zurückgegangen. Seit vergangenem Oktober hat die Arbeitsagentur in Berlin 13 809 Ausbildungsplätze registriert, 14,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Bewerber für eine Berufsausbildung lag bei 18 029 - das waren 8,0 weniger.

Dabei hat sich auf dem Ausbildungsmarkt die Corona-Krise deutlich ausgewirkt: Für viele Berliner Betriebe sei es in diesem Jahr eine riesige Herausforderung, die Stellen für Azubis zu besetzen, erklärte IHK-Präsidentin Beatrice Kramm. Ein Grund dafür sind die abgesagten Ausbildungsmessen. "Zudem war auch die Jugendberufsagentur von der Schließung betroffen, es fand quasi keine persönliche Berufsberatung und -vermittlung statt."

Corona hat die Besetzung von Ausbildungsplätzen nach Einschätzung der IHK deutlich erschwert. "Das hat auch mit dem Zeitpunkt des Lockdowns zu tun. Viele kleine und mittlere Unternehmen besetzen ihre Ausbildungsplätze im Zeitraum Februar bis Mai", sagte Kramm.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte, auch am Ausbildungsmarkt sei die Lage schwieriger geworden. "Mein Dank gilt allen Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich in dieser schwierigen Phase für die Beschäftigten und Auszubildenden engagieren und damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Berliner Wirtschaft leisten." Es sei auch im ureigenen Interesse der Unternehmen, jetzt ihre Fachkräfte zu halten und neue auszubilden. "Denn der fundamentale Trend des Fachkräftemangels ist durch Corona nicht behoben, sondern nur unterbrochen."

Eine Umfrage der IHK Berlin im Juni unter 420 Ausbildungsbetrieben kam zu dem Ergebnis, jeder sechste Ausbildungsplatz könnte coronabedingt wegfallen. "Wir sehen bei den aktuellen Zahlen eine leichte Tendenz nach oben, das heißt, wir sind optimistisch, dass am Ende weniger Plätze wegfallen als befürchtet", sagte Kramm. "Wir rechnen damit, dass viele Unternehmen die Entwicklungen nach den Ferien und im frühen Herbst abwarten."

Die größte Herausforderung sei das Matching zwischen Ausbildungsbetrieben und potenziellen Bewerbern - also die Jugendlichen zu finden, die tatsächlich die Stellen haben wollen, die noch frei sind. Das könnte auch nach Einschätzung der Arbeitsagentur in diesem Jahr länger dauern als üblich.