Reiserückkehrer

Corona-Test-Chaos am Flughafen Tegel

Rückkehrer aus Risikogebieten können sich auf Covid-19 untersuchen lassen. Doch es gibt Probleme. Viele gehen einfach nach Hause.

Holpriger Start für Corona-Tests am Flughafen Tegel

Ab heute sollen sich Reisende, die aus Risikogebieten in Berlin landen, auf das Coronavirus testen lassen können. Noch sind die Corona-Tests freiwillig und die Teststellen sind noch nicht fertig. In wenigen Tagen sollen die Tests aber verpflichtend sein.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Eigentlich hatten die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB), die Charité und der Berliner Senat versprochen, dass sich Rückkehrer aus Risikogebieten ab Mittwochmorgen 8 Uhr am Flughafen Tegel auf Corona testen lassen können. Zunächst sollten die Passagiere eines Flugzeugs aus Istanbul, das um 9.30 Uhr landete, den Anfang machen. Allerdings war die Teststrecke zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgebaut.

Auch als um 11.07 Uhr die nächste Maschine aus der türkischen Metropole ankam, war noch nichts einsatzbereit. Zwar hatten Flughafenmitarbeiter da bereits eine Handvoll alter Bauzäune im Außenbereich vor Gate A00 aufgestellt, hinter denen getestet werden konnte. Los ging es aber lang noch nicht.

Für die Fluggäste, die sich kurz nach der Landung und dem Auschecken an Gate A00 anstellten, dauerte es weitere zwei Stunden. Erst gegen 13.30 Uhr wurde der erste Rückkehrer getestet. „Es gibt leider keine Ansprechperson, habe ich das Gefühl“, sagte Sophia, während sie in der Schlange wartete. Sie sei bereits am Sonnabend von einem Besuch bei Verwandten aus den USA zurückgekommen, befinde sich seitdem in Quarantäne und sei nun zum Flughafen zurückgekehrt, um diese beenden zu können.

Lesen Sie auch: Für diese Länder gilt eine Reisewarnung

„Ich war sehr vorsichtig“, so die 22-Jährige weiter. Symptome habe sie nicht. „Aber das heißt ja bei dem Virus nichts.“ Eineinhalb Stunden hat sie da noch dicht an dicht mit anfangs 20 anderen Rückkehrern in einer Schlange darauf warten müssen, bis es losging.

Wartenden wurde die Tür vor der Nase zugeschlagen

Die Umsetzung der Tests liegt in der Verantwortung der Charité. Wer bei den Krankenhausmitarbeitern an einem Schalter am Gate nachfragte, wann und ob es überhaupt losgeht, erhielt meist keine und wenn dann nur harsche Antworten. „Eine Stunde noch“, wurde Ahmet Oral gegen 12.20 Uhr von einer jungen Frau angeblafft, bevor sie ihm die Glastür vor der Tür zuschlug und den 67-Jährigen fassungslos zurückließ.

Die Szene wiederholte sich etwa eine halbe Stunde später, als eine Jugendliche, die wie Oral ebenfalls mit ihrer Familie seit der Landung der Maschine aus Istanbul in der Schlange wartete, wissen wollte, ob die Tests überhaupt noch stattfinden. „Nö!“, gab ein Mitarbeiter unfreundlich zurück und zog die Tür sofort wieder zu. „Das ist absolut frech“, sagte darauf die Mutter des Mädchens, die ihren Namen nicht veröffentlichen möchte.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier. Die aktuelle Auslastung der Intensivstationen in Deutschland finden Sie in unserem Klinik-Monitor.

Sie habe in der Türkei in den Nachrichten von den Tests gehört und sei davon ausgegangen, dass sie, ihr Ehemann und die drei Töchter sie auch ohne große Komplikationen machen können. Da ihr Mann bald wieder arbeiten müsse, wolle man die zweiwöchige Quarantäne umgehen. Die ist für Rückkehrer aus Risikogebieten wie der Türkei verpflichtend – es sei denn, sie können ein negatives Testergebnis vorweisen.

Nach einer Weile gab die Familie aber auf und ging. Ahmet Oral und seine Frau Heike hatten da den Flughafen bereits unverrichteter Dinge verlassen. „Ich bin seit 4 Uhr auf den Beinen“, sagte die 63-Jährige kurz zuvor. Auch sie sei davon ausgegangen, dass es reibungslos funktioniert. Das ältere Ehepaar beschloss aufzugeben, nachdem zwischenzeitlich überhaupt nicht mehr auf Klopfen reagiert wurde. Tür und Rollos blieben verschlossen.

Als die Tests dann gegen 13.30 Uhr begannen, hatte sich die Schlange von einst 20 Menschen bereits sichtlich gelichtet. Studentin Sophie hielt allerdings durch und kam als eine der ersten dran. „Wenn es dann alles klappt, ist es ja eine super Sache“, sagte sie, nachdem in ihrem Rachen und ihrer Nase Abstriche gemacht wurden. Das Ergebnis soll sie binnen 48 Stunden erhalten und muss so lange wieder in Quarantäne.

Warum es zu der Verzögerung kam, konnte die Pressestelle der Charité am Mittwoch nicht beantworten. Eine Sprecherin verwies an die FBB. „Es ist die Testphase und der Start, und es holpert“, sagte FBB-Sprecherin Sabine Deckwerth. Matthias Kuder, Sprecher für Wissenschaft und Forschung bei der ebenfalls involvierten Senatskanzlei, sagte, dass der Tag noch ausgewertet werde.

Es habe nach ersten Erkenntnissen Netzwerkschwierigkeiten gegeben, die alles ausgebremst hätten. Er bat dabei um Verständnis für das Personal vor Ort. „Es war aufgrund der technischen Voraussetzung eine schwierige Situation, und die Mitarbeitenden waren unter Hochdruck dabei, diese Schwierigkeiten zu beheben.“

Tests in Schönefeld ab Freitag

Am Berliner Flughafen Schönefeld wurden am Freitag die ersten Reiserückkehrer aus Risikogebieten auf das Coronavirus getestet. Mit einem Tag Verspätung hat dort die Teststelle der Charité am Vormittag die Arbeit aufgenommen, wie ein Flughafensprecher sagte. Damit besteht nun an beiden Hauptstadt-Flughäfen die Möglichkeit, sich testen zu lassen.