Nahverkehr im Test

Mit Bus oder Regionalbahn durch Berlin: Was ist besser?

Seit Montag ist die Stadtbahn zwischen Alexanderplatz und Ostbahnhof gesperrt. Wir testen zwei Alternativen.

Markierungen weisen Gästen am Ostbahnhof den Weg zu Bussen des Schienenersatzverkehrs.

Markierungen weisen Gästen am Ostbahnhof den Weg zu Bussen des Schienenersatzverkehrs.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

„Sehr geehrte Fahrgäste“, dröhnt eine freundliche Frauenstimme an diesem Montagvormittag aus den Lautsprechern am Bahngleis des Ostbahnhofs, „aufgrund von Bauarbeiten besteht zwischen den beiden Bahnhöfen Ostbahnhof und Alexanderplatz Ersatzverkehr mit Bussen.“ Doch kaum ein Mensch nimmt Notiz von der Durchsage. Einerseits weil nur wenige Fahrgäste aus den Waggons der S3 aussteigen. Andererseits weil die wenigen, die am Gleis stehen, Kopfhörer tragen oder von ihren Smartphones abgelenkt sind. Dass so wenig los ist, kann auch mit der Uhrzeit zusammenhängen. Die Uhr am Bahnhofgleis zeigt mittlerweile zehn Uhr an. Der große Pendlerverkehr ist da schon vorbei.

Die ganze Woche ist die Berliner Stadtbahn zwischen dem Ostbahnhof und dem Alexanderplatz gesperrt. Wie die Pressestelle der Berliner S-Bahn mitteilt, ist die Strecke bis Montagmorgen, 3. August, 1.30 Uhr gesperrt. Den Angaben zufolge werden an der westlichen Seite des Ostbahnhofs sowie östlich des Alexanderplatzes Erneuerungsarbeiten an den Weichen durchgeführt. Fahrgäste müssen deshalb auf Busse oder den Regionalverkehr umsteigen. Zwischen den Bahnhöfen Jannowitzbrücke und Alexanderplatz verkehre die U-Bahnlinie 8 aber im Normalbetrieb.

Züge des Regionalverkehrs sind voller als üblich

Neun Uhr Ostkreuz. Bevor der RE1 nach Magdeburg einfährt, herrscht bereits Gedränge am Gleis. Viele Menschen, die normalerweise mit der Stadtbahn in Richtung Alexanderplatz fahren, sind an diesem Morgen auf den Regionalverkehr umgestiegen. Er hält am Ostbahnhof und am Alexanderplatz. Wer einen Sitzplatz will, muss sich nach vorne durch die Masse schieben. Normaler S-Bahn-Pendlerverkehr nur eben nicht vor der S-Bahn, sondern einem Regionalzug. Sie sind für Berufstätige in dieser Woche ohnehin die beste Alternative. Sie sind schneller und unkomplizierter (fahren aber auch seltener) als der Busverkehr – man muss nicht durch das Bahnhofsgebäude nach draußen zur Haltestelle laufen. Über Schuhabdrücke führt der Weg vom Gleis 9 des Ostbahnhofs nach draußen zur Bushaltestelle.

Dort warten Mitarbeiter der S-Bahn auf die Fahrgäste und lotsen sie in die Busse, die in Abständen von zwei bis drei Minuten fahren. Die Regionalbahn fährt dagegen zwischen 10 Uhr und 10.30 nur viermal vom Ostbahnhof Richtung Alexanderplatz. Die Bahn-Mitarbeiter berichten von vielen Anfragen an diesem Morgen. Hauptsächlich Touristen benötigten Hilfe, sagten sie, aber auch Berliner würden manchmal die Markierungen übersehen. Wie eine S-Bahn-Sprecherin auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mitteilt, gebe es bislang keine Auffälligkeiten, auch müsse nicht an Fahrplänen nachjustiert werden. „Die Fahrtzeiten werden eingehalten“, sagt sie.

In der Praxis sieht das allerdings etwas anders aus. Die Bus-Fahrt vom Ostbahnhof zum Alexanderplatz soll laut App neun Minuten dauern. Bei relativ freier Fahrt werden es am Montagvormittag gegen 10.15 Uhr schon einmal 15 Minuten. Gar nicht auszumalen, wie es am frühen Abend im Feierabendverkehr wird. Im Vergleich: Mit der S-Bahn dauert die Fahrt nur fünf Minuten - unabhängig von Blechlawinen auf der Straße und roten Ampeln.

An der Haltestelle Alexanderplatz hält der Bus auf Höhe des Fernsehturms in der Karl-Liebknecht-Straße. Fahrgäste, die in dieser Woche mit dem Bus verkehren, müssen also mehr Zeit einrechnen, nicht nur für die Fahrt, sondern auch für die Fußwege von den Gleisen zu den Haltestellen.

„Nicht im Interesse der Fahrgäste“

Dass der Bus in der Karl-Liebknecht-Straße hinter einer kleinen Holzhütte wartet, stößt Werner Hoppe sauer auf. Der Rentner wohnt nahe des Ostbahnhofs und ist oft am Alexanderplatz, um Erledigungen zu machen. Er hält einen Gehstock in der Hand. Aus seiner Sicht müsste die Haltestelle am Alexanderplatz auf Höhe von Galeria Kaufhof sein. „Da ist sogar die Haltestelle überdacht“, sagt er. So versteckt wie hier sei das aus nicht im Interesse der Fahrgäste, so Hoppe. Außerdem vermisse er eine klarere Beschilderung im Bahnhofsgebäude des Alexanderplatzes. „Wenn ich vom Bahnsteig komme, müsste irgendwo stehen: Gehen sie nach links oder rechts zum Ersatzverkehr“, so Hoppe.

Anders ist das bei Ralph Lindau. Er ist zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter seit Sonntag zu Besuch in Berlin und nahm an diesem Morgen den Bus vom Ostbahnhof zum Alexanderplatz. „Ich hatte keine Probleme, da der Weg gut ausgeschildert ist“, sagte er. Sowohl eine Tafel an der Treppe zum Bahngleis sowie die Markierungen am Boden hätten ihm und seiner Familie geholfen, sich zurecht zu finden.