Sommer in der Stadt

Swimming Pools im Garten: Berlin geht baden

Pools im eigenen Garten liegen im Trend. Dass in der Corona-Krise viele zu Hause bleiben, hat der Branche zusätzlich Auftrieb gegeben.

Kinder planschen im Pool

Kinder planschen im Pool

Foto: imago stock / imago/Frank Sorge

Berlin. Am Wochenende spät aufstehen, raus in den eigenen Garten und dann direkt mit einem Kopfsprung hinein ins kühle Wasserbecken. Und die Kinder können dort am sonnigen Nachmittag toben und plantschen. Oder auch einfach nur ein paar Runden nach der Arbeit zum Ausgleich auf und ab schwimmen. Ebenso wie in Deutschland geht der Trend auch in Berlin und Brandenburg zum eigenen Pool. „Wir haben im Moment in der Region ohne Ende zu tun“, sagt Jens Biewendt von der Potsdamer Garten Gestaltung GmbH, „wir bekommen zwei bis drei Anfragen pro Tag, die wir gar nicht bearbeiten können. Mittlerweile vergeben wir deswegen schon Zeiten für die nächsten Jahre.“

Und das, obwohl Biewendts Firma qualitativ hochwertige Pools und Schwimmteiche baut, die preislich sicher nicht für jedermann erschwinglich sind. „Ich sage immer, mit einem Schwimmbecken aus dem Baumarkt kommt man für 500 Euro gut durch einen Sommer“, räumt Biewendt ein. Und fügt an: „Unsere Produkte hingegen sind fürs Leben. Es fängt preislich bei 50.000 Euro an und ist nach oben hin – je nach Material und Größe – offen. Und da sind die späteren Erhaltungs- und Reinigungskosten noch gar nicht mit eingerechnet.“

Dieses Jahr können wir keinen Auftrag mehr annehmen

Auch Thomas Potocsár von der Atlantic Pool Brandenburg GmbH beobachtet, dass seine Kunden spendabler werden und das Interesse an privaten Pools und Schwimmbädern zunimmt. „Pools sind in den letzten Jahren immer salonfähiger geworden“, so Potocsár. „Was früher nur einer bestimmten Klientel möglich gewesen ist, ist heute auch für den Mainstream in den verschiedensten Preisklassen umsetzbar. Für dieses Jahr können wir keinen einzigen Auftrag zusätzlich annehmen und haben unsere Ressourcen bis aufs Letzte ausgereizt.“

Biewendt und Potocsár sind sich einig, dass der Trend für Pools auch vor Corona schon positiv war, jedoch durch die Pandemie noch einmal verstärkt wurde. „Bereits seit ein paar Jahren sind die Sommer in Deutschland sehr warm und wir sehen die Entwicklung, dass sich die Menschen dazu entschließen, Geld zu investieren und es sich daheim im Privaten schön zu machen“, sagt Biewendt.

Potocsár ergänzt: „Die schwierige Reisesituation in Corona-Zeiten und das Arbeiten im Homeoffice haben wohl dazu geführt, dass sich die Leute mehr mit ihrem eigenen Grundstück auseinandergesetzt haben.“ Zudem sei die Skepsis gegenüber öffentlichen Frei- und Hallenbädern auch nach dem Lockdown sehr verbreitet gewesen. Als weitere Gründe nennt der Bundesverband Schwimmbad und Wellness (BSW) eine „Flucht ins Betongold“ durch die andauernde Niedrigzinsphase sowie ein insgesamt zunehmendes Gesundheitsbewusstsein.

In Deutschland gibt es aktuell rund 565.5000 Außenpools

Ein Teil der Pool-Arbeiten wird von Landschaftsgärtnern übernommen. Oliver Hoch ist Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Berlin und Brandenburg. „Unsere Branche kann sich derzeit nicht beklagen“, sagt er, „im gärtnerischen Bereich wird gerade viel gearbeitet. Der Mensch sehnt sich nach Wasser.“ Hoch glaubt zudem, dass dieser positive Trend auch nach Corona anhalten wird: „Sogar hochwertigere Anlagen werden zunehmend nachgefragt.“

Laut BSW gibt es in Deutschland aktuell rund 565.5000 Außenpools, die in die Erde eingelassen sind, 132.500 private Hallenbäder, 91.000 Aufstellbecken mit einer Wassertiefe von mehr als einem Meter und einem Anschaffungspreis über 1500 Euro sowie 1,2 Millionen Aufstellbecken mit einer Wassertiefe unter einem Meter und einem Anschaffungspreis unter 1500 Euro.

Gerade die Becken im unteren Preissegment zum Mitnehmen und Selbstaufbauen sind in dieser Saison heiß begehrt. „Wir haben noch nie so viele Pools verkauft wie in diesem Jahr“, sagt Florian Preuß, Sprecher der Baumarktkette Hornbach, „einige unserer Filialen waren schon Mitte Mai komplett leergefegt, und einige Pool-Modelle waren sehr schnell nicht mehr zu haben. Auch unser Online-Angebot hält hier nicht unendlich.“ Hinzu komme die große Nachfrage nach Zubehör und Pool-Chemie zur Reinigung. Preuß prophezeit: „Auch die Versorgungslage etwa für Filter wird knapper. Das wird das Klopapier des Sommers.“

Der Bau dauert in der Regel zwei bis drei Monate

Dabei gibt es so einiges, auf das sich die Pool-Käufer einstellen müssen und was sie beachten sollten, bevor sie sich das private Schwimmbad in den eigenen Garten bauen lassen. „Baurechtliche Faktoren, die Bodenbeschaffenheit, die Erreichbarkeit der benötigten Medien wie Wasser, Abwasser, Strom … all das muss vor dem ersten Spatenstich abgeklärt werden“, sagt Potocsár. „Ein Pool ist in der Planungsphase wie ein Auto. Man beginnt mit der Grundausstattung, und erweitert ihn dann nach seinen Bedürfnissen und logischerweise auch nach seinem vorhandenen Budget.“

Biewendt ergänzt: „Der Bau dauert Minimum vier Wochen, in der Regel aber zwei bis drei Monate.“ Oft gebe es bei Kunden Irritationen, welche Kosten für einen Pool je nach Modell, Größe, Material und Erhaltungskosten am Ende auflaufen. Aber laut Biewendt lohne es sich, hier zu investieren. „Unsere ältesten Pools sind jetzt 40 Jahre alt und noch voll in Schuss“, versichert er.