Neues Förderprogramm

Erste Hilfe für Berliner Start-ups

Um die Corona-Krise bewältigen zu können, fließen an Jung-Unternehmen mindestens 140 Millionen Euro.

Jungen Firmen haben häufig wenige Eigenkapital, von dem sie in einer Krise zehren können. Berlin hilft den Start-ups nun.

Jungen Firmen haben häufig wenige Eigenkapital, von dem sie in einer Krise zehren können. Berlin hilft den Start-ups nun.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin. Bund und Senat greifen Start-ups, die in der Corona-Krise in Not geraten sind, mit einem Hilfspaket unter die Arme: Die Weichen für das rund zwei Milliarden Euro schwere Programm hatten Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministerium bereits Ende April gestellt, erst jetzt ist aber klar, dass bis zum Jahresende mindestens 140 Millionen Euro davon Jung-Unternehmen aus Berlin zur Verfügung stehen sollen. Ausgereicht werden soll das Geld an die hiesigen Start-ups unter anderem in Form von Beteiligungen durch die Beteiligungsgesellschaft der Investitionsbank Berlin (IBB Bet).

„Berlin ist Start-up-Hauptstadt, und wir wollen, dass das auch bleibt. Mit unseren Maßnahmen stellen wir gewichtige Landes- und Bundesmittel zur Unterstützung von der Corona-Krise betroffener Start-ups zur Verfügung“, erklärte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) am Montag gegenüber der Berliner Morgenpost. Das entsprechende Programm soll der Senat in seiner Sitzung am Dienstag nächster Woche (21. Juli) auf Vorlage Pops beschließen. Die Firmen sollen die Hilfen dann Ende des Monats abrufen können, sagte eine Sprecherin der Wirtschaftsverwaltung auf Nachfrage.

Berliner Start-ups können demnach bis zu 800.000 Euro Liquiditätshilfe in Form von Wandelanleihen bekommen. Der Bund trägt rund 70 Prozent des Risikos, Berlin übernimmt zusätzliche 30 Prozent. „Wir legen also noch etwas obendrauf für unsere Start-ups. Wir wollen Innovationen und Digitalisierung fördern, dies hat Berlin als Standort für Start-ups nach vorne gebracht“, so Wirtschaftssenatorin Pop weiter.

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Der Bundesverband Deutsche Start-ups begrüßte am Montag die Umsetzung des Programms in Berlin, mahnte aber gleichzeitig zur Eile an. „Seit der Ankündigung der Corona-Hilfen Anfang April und der jetzigen Scharfstellung der Berliner Förderinstrumente sind mehr als 100 Tage vergangen. Wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren. Die von der IBB und dem Land Berlin angekündigten vier Bausteine haben das Potenzial, den Berliner Start-ups über diese schwierige Phase hinwegzuhelfen“, erklärte Verbands-Präsident Christian Miele. Dazu sei es aber erforderlich, dass die Mittel schnell und bürokratiearm bei den Start-ups ankommen.

Analyse sieht Corona-Effekt bei den Finanzierungen

Die IBB Bet will den jungen Firmen darüber hinaus auch anbieten, sich an Finanzierungsrunden zu beteiligen, die aufgrund der Corona-Krise ausgefallen sind oder nicht im erforderlichen und ursprünglich geplanten Umfang realisiert werden konnten. Private Investoren oder Fondsgesellschaften sollen die Programmmittel mit eigenen, privaten Mitteln ergänzen, heißt es in der Vorlage. In den den ersten sechs Monaten des Jahres hatte es bei den Risikokapitalinvestitionen einen deutlichen „Corona-Effekt“ gegeben, wie aus neuen Zahlen hervorgeht, die am Montag von der Wirtschaftsprüfgesellschaft EY vorgelegt wurden.

„Die offensichtlichste Entwicklung ist der starke Rückgang bei sehr großen Deals: Die Zahl der Transaktionen mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von sieben auf zwei. Gleichzeitig gab es allerdings mehr kleine Transaktionen“, sagte EY-Start-up-Experte Thomas Prüver. Damit falle der Corona-Effekt aber weniger massiv aus, als zunächst befürchtet.

Auch in Berlin war die Höhe der Finanzspritzen in Start-ups im ersten Halbjahr gesunken. Wurden im gleichen Zeitraum des Vorjahres noch rund 2,1 Milliarden Euro von Investoren in Jung-Unternehmen aus der Hauptstadt investiert, waren es in diesem Jahr nur noch 1,1 Milliarden Euro. Dennoch wurde EY zufolge mehr als jeder zweite hierzulande in Start-ups investierte Euro in Berliner Jung-Unternehmen gesteckt. Die Anzahl der Deals nahm dabei zu. Von Januar bis Ende Juni konnten sich 149 Firmen über frisches Kapital freuen, 2019 wurden in dem Zeitraum hingegen nur 131 Deals abgeschlossen.

Die größte Finanzierung konnte der Berliner Technik-Verleiher Grover abschließen: Schon im Januar investierten mehrere Geldgeber 195 Millionen Euro in das Unternehmen, das unter anderem Smartphones, aber auch Spielkonsolen an seine Kunden verleiht. Die zweitgrößte Transaktion konnte die Smartphone-Bank N26 vermelden, die im Mai 91 Millionen Euro erhielt. Deutschlandweit erhielt der Münchner Flugtaxi-Entwickler Lilium mit 250 Millionen Euro die größte Finanzspritze.

Vor allem Firmen aus den Bereichen Finanzwesen und E-Commerce konnten in den ersten Monaten des Jahres Investoren für sich begeistern. In den Branchen Software, Mobilität und Gesundheit lagen hingegen Jung-Unternehmen aus Bayern vorne. Das Bundesland konnte EY zufolge kräftig zulegen und den Abstand zur Bundeshauptstadt deutlich verringern. „München bildet sich als zweiter großer Startup-Standort heraus“, sagte Prüver. Das Münchner Start-up-Ökosystem unterscheide sich von dem der Bundeshauptstadt: Bayern sei vor allem im Technologie-Bereich stark. Damit ergänzten sich die beiden deutschen Top-Standorte hervorragend, so der Start-up-Experte.