Film

„Die Agentin“ – BND wird zum Serienstoff

Produzentin Ariane Krampe dreht im kommenden Jahr in Berlin eine Serie nach dem Vorbild von „Homeland“.

Die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes an der Chausseestraße in Mitte.

Die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes an der Chausseestraße in Mitte.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Der deutsche Auslandsgeheimdienst wird Stoff einer Serie – mit einer Frau in der Hauptrolle. Das Projekt „Die Agentin“ von Produzentin Ariane Krampe und Regisseurin Anca Miruna Lazarescu begibt sich auf die Spuren von internationalen Produktionen.

Aus dem Inneren des Bundesnachrichtendienstes (BND) sei bisher noch nie in einer Serie erzählt worden, heißt es von der Produktionsfirma. „Die Agentin“ wolle nun diese Lücke schließen – „innovativ, spannend, jenseits der Klischees, gründlich recherchiert und hochaktuell“. Die Serie gebe „überraschende und authentische Einblicke in das normalerweise streng abgeschottete Innenleben des Geheimdienstes“.

„Die Agentin“: Idee stammt aus dem Jahr 2015

Die Idee für die Serie hatte Ariane Krampe während ihrer Arbeit an dem ARD-Film „Der Fall Barschel“ aus dem Jahr 2015. Damals recherchierte die Film- und Fernsehproduzentin über den Tod des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel (CDU) jahrelang auch im Umfeld der Geheimdienste. „Damals habe ich mich gefragt, warum es eigentlich keine deutsche Serie wie ‚Homeland‘ oder ‚24‘ gibt, und beschlossen, das zu ändern.“

Krampe nahm Kontakt mit dem BND auf und hatte tatsächlich Erfolg: Erstmals hat der Nachrichtendienst des Bundes bei der Recherche für eine Serie mitgewirkt. „Mir wurden die Türen für Einblicke in die Arbeitsweise der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen geöffnet“, sagt Krampe. Viele von ihnen sprachen mit dem Filmteam, um Terminologien, Abläufe und Hintergründe einem Realitätscheck zu unterziehen. Das Ziel sei eine Agenten-Krimi-Serie, die möglichst nah an die tatsächliche Arbeit des BND angelehnt ist. „In Hochsicherheitsbereiche kamen wir natürlich auch nicht“, so Krampe. Das sei vielleicht aber auch besser so, wenn man sich die Verschwörungstheorien in den amerikanischen Vorbildern so anschaue.

Der BND, der seit seinem Umzug 2018 aus dem bayerischen Pullach an die Chausseestraße in Mitte mehr in die Öffentlichkeit gerückt ist, setzt mit der Zusammenarbeit den Kurs in Richtung mehr Transparenz fort. So öffnete im BND-Neubau 2019 ein Besucherzentrum mit einer Ausstellung.

„Die Agentin“: Sechs bis acht Folgen sind geplant

Durch ihre Recherche habe sie vielfältige, spannende Möglichkeiten und wertvolle Einblicke erhalten. „Mehr als wir anfangs erwartet haben“, so Krampe. Auch ihre Hauptfigur sei von Gesprächen mit einer tatsächlichen BND-Mitarbeiterin inspiriert worden. „Ich wollte in dieser Männerdomäne eine Frauenrolle als Vorbild haben, das fand ich spannender“, sagt die Produzentin. Auch dass die Wahl mit Anca Miruna Lazarescu („Wir sind die Welle“) auf eine Regisseurin gefallen ist, sei kein Zufall.

Das Drehbuch, das sich aktuell noch in der Entwicklung befindet, kommt von Martin Rauhaus („Die Luftbrücke“). Geplant sind sechs bis acht Folgen à 45 Minuten, der Drehbeginn ist für Anfang 2021 in Berlin und Umgebung sowie im osteuropäischen Ausland mit einem internationalen Cast geplant. Derzeit sammle das Team Wunschnamen für den Cast und verhandle mit TV-Sendern und Streaminganbietern über die Ausstrahlung.

Über die Handlung wollen Produzentin, Regisseurin und Drehbuchautor noch nicht viel verraten. „Die Welt verändert sich. Eingeklemmt zwischen Trump, Putin, zunehmendem europäischen Nationalismus und terroristischer Bedrohung ringt Deutschland darum, sich neu zu positionieren. Mit der ‚Agentin‘ wollen wir zeigen, was die neue geopolitische Situation für die Sicherheit Deutschlands bedeuten kann“, so Rauhaus. „Es bietet sich die großartige Möglichkeit, eine Serie zu kreieren, die am Puls der Zeit ist: international und doch milieugetreu, rasant und dabei aber authentisch. Die fundierten Einblicke in die Welt des Bundesnachrichtendienstes sind für mich als Filmemacherin von unmessbarem Wert“, sagt Lazarescu.

Serie soll hochaktuell sein

Neben authentisch soll „Die Agentin“ vor allem hochaktuell sein. Erzählt werden soll eine Geschichte über die innere und äußere Bedrohung in einer Zeit, in der das Bekenntnis zu Europa und der Demokratie gefährdet scheint. Gerade im Zuge der Corona-Pandemie habe die Welt lernen müssen, dass eine vermeintlich selbstverständliche Normalität plötzlich verschwindet und sich in eine neue Realität verwandelt.