Bildung

Ohne Attest gilt Quarantäne als Schwänzen

Schüler, die sich wegen einer Reise in ein Risikogebiet während der Ferien isolieren, benötigen für den Schulbesuch einen Corona-Test.

Schüler, die während der Quarantäne die Schule besuchen wollen, müssen sich zuvor testen lassen, beschloss die Berliner Bildungsverwaltung.

Schüler, die während der Quarantäne die Schule besuchen wollen, müssen sich zuvor testen lassen, beschloss die Berliner Bildungsverwaltung.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berliner Schüler, die mit ihren Eltern in einem Risikoland Ferien machen, müssen nach der Rückkehr einen Corona-Test vorlegen, wenn die 14-tägige Quarantäne noch nicht abgelaufen ist. Das teilte die Bildungsverwaltung in einem Rundschreiben an die Schulleiter mit. Andernfalls gilt das Fernbleiben in der Quarantäne als unentschuldigtes Fehlen, also Schwänzen.

In dem Schreiben, über das der „Tagesspiegel“ als erstes berichtet hatte, verweist die Verwaltung auf die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI). Demnach sind alle Personen verpflichtet, sich selbst in eine 14-tägige Quarantäne zu begeben, wenn sie sich innerhalb von 14 Tagen vor der Einreise nach Deutschland in einem Risikogebiet aufgehalten haben.

Die Verwaltung rät allen Familien mit schulpflichtigen Kindern, das in ihre Ferienplanung mit einzubeziehen. „Daher wird dringend empfohlen, spätestens 14 Tage vor Unterrichtsbeginn von einer Ferienreise mit auch nur zeitweisem Aufenthalt in einem Risikogebiet zurückzukehren“, heißt es in dem Rundschreiben.

Kommentar zum Thema: Warum der Corona-Test für Schüler nicht funktioniert

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier. Die aktuelle Auslastung der Intensivstationen in Deutschland finden Sie in unserem Klinik-Monitor.

Corona-Attest: Der Rundbrief traf am letzten Schultag ein

Wie viele Familien davon erfahren, ist allerdings unklar. Denn die Ferien haben am Mittwoch begonnen, dem Tag, als das Rundschreiben bei den Schulen eintraf. Da die Zeugnisvergabe wegen der Hygiene- und Abstandsregeln schon am Montag begann, ruhte der Betrieb an vielen Schulen bereits. Zwar bestehen für die betreffenden Länder teils seit Monaten Reisewarnungen, die Grenzen sind allerdings nicht mehr geschlossen, sodass ein Aufenthalt zum Beispiel in einem Ferienhaus im beliebten Urlaubsland Schweden möglich ist – trotz der Infektionslage im Land.

Die Einstufung als Risikogebiet durch das RKI erfolgt nach einer gemeinsamen Analyse durch das Bundesministerium für Gesundheit, das Auswärtige Amt und das Innenministerium. Sie basiert auf einer zweistufigen Bewertung.

Zunächst wird festgestellt, in welchen Regionen es in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab. In einem zweiten Schritt wird nach bestimmten Kriterien festgestellt, ob für Staaten, die den Wert unterschreiten, dennoch die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos vorliegt. Auf der Liste stehen derzeit mehr als 50 Länder, darunter Reiseländer wie Schweden, Marokko, Ägypten, die Türkei und rund die Hälfte der US-amerikanischen Bundesstaaten.

Die Schulverwaltung weist Kritik an einer späten Benachrichtigung zurück

Voraussetzung für die Rückkehr an die Schulen nach den Ferien ist nun die Vorlage eines ärztlichen Attestes, wenn bei Unterrichtsbeginn die Zeit der Quarantäne noch nicht abgelaufen ist. Es muss sich dabei um einen vom RKI anerkannten Corona-Test handeln, der höchstens bis zu 48 Stunden vor der Rückkehr nach Deutschland vorgenommen wurde.

Kritik an einer zu späten Benachrichtigung der Schulen über die Quarantäne-Regelung wies die Bildungsverwaltung am Donnerstag zurück. „Die Schulaufsicht hat das gegenüber den Schulleitungen bereits vorher thematisiert und so wurde es auch bereits in die Schulen getragen“, sagte der Sprecher der Verwaltung, Martin Klesmann. „Es war aber lange nicht sicher, ob die Türkei Risikogebiet bleibt.“

Auch jetzt kann sich nach Angaben des RKI die Lage fast täglich ändern – je nachdem, wie sich das Infektionsgeschehen in den kommenden Wochen vor Ort entwickelt.

Berlin plant die Rückkehr zum regulären Schulbetrieb

Berlin plant, wie viele andere Bundesländer auch, an den Schulen nach den Ferien zu einem weitgehenden Regelbetrieb zurückzukehren – wenn es die Infektionszahlen zulassen. Deshalb hat die Schulverwaltung eine neue Musterhygiene-Verordnung vorgelegt, die mehrere Senatsbeschlüsse umsetzt und für das folgende Schuljahr gilt.

Dazu zählt die Aufhebung des Mindestabstandes von 1,50 Metern. Wo immer es möglich ist, soll dieser Mindestabstand aber weiter eingehalten werden. „Dies gilt insbesondere für die Aufenthaltsräume des pädagogischen Personals“, heißt es in der Verordnung. Auch bei Dienstbesprechungen und Sitzungen schulischer Gremien sowie Eltern- und Schülerversammlungen soll ein Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden, soweit dies möglich ist.

Klassenverbände und Lerngruppen sollen sich nicht untereinander mischen. Auch gegenüber Eltern und schulfremdem Personal soll die Mindestabstandsregel beibehalten werden. Schulfremde Personen sollen das Schulgebäude nur mit einer Mund-Nasen-Bedeckung betreten dürfen – ausgenommen davon sind Reinigungskräfte.

Bester Abitur-Notenschnitt seit neun Jahren

Eine gute Nachricht hatte die Schulverwaltung am Donnerstag auch noch zu vermelden: Trotz wochenlanger Schließungen und besonderer Umstände bei den Prüfungen wegen der Pandemie haben die Schüler in der Hauptstadt das beste Abitur seit Langem abgelegt. Der Notendurchschnitt lag bei 2,3 – nach neun Jahren mit einem Durchschnittswert von 2,4. Auch die Zahl der bestandenen Abitur-Prüfungen hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 95,4 auf 96, 7 Prozent erhöht. Insgesamt haben rund 14.000 Schüler das Abitur bestanden.