Galeria Karstadt Kaufhof

CDU: Senat soll Warenhäuser zu Markthallen weiterentwickeln

Sechs Karstadt-Kaufhof-Filialen in Berlin droht das Aus. Die Christdemokraten schlagen eine erste Lösung vor.

Sechs Karstadt-Kaufhof-Warenhäuser in Berlin sollen geschlossen werden. Die CDU schlägt ein erstes Konzept vor.

Sechs Karstadt-Kaufhof-Warenhäuser in Berlin sollen geschlossen werden. Die CDU schlägt ein erstes Konzept vor.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Einen Tag nach dem beschlossenen Aus für sechs Filialen des Warenhaus-Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof in Berlin hat die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus eine erste Lösung zur Zukunft der Immobilien vorgeschlagen.

„Berlin könnte aus den Immobilien Markthallen machen und an kleinere Händler oder an Start-ups weitervermieten“, schlug der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Gräff, am Sonnabend gegenüber der Berliner Morgenpost vor. Gräff kündigte an, dass seine Partei in der nächsten Woche ein Konzept zur Zukunft der Warenhäuser in der Stadt erarbeiten wolle.

Er nannte den Berliner Großmarkt als möglichen Betreiber. Das Landesunternehmen vermietet in Moabit bereits Flächen an Frischwarenhändler. Der Markthallen-Charakter könne innerhalb der heutigen Galeria-Karstadt-Kaufhof-Häuser weiterentwickelt werden. Möglicherweise könne das Land mit günstigeren Mieten in den Immobilien auch Geschäften entgegenkommen, die in der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten sind, so Gräff. Auf keinen Fall dürften die Warenhäuser als Geschäftsstandorte aufgegeben werden.

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Pop bezeichnet Warenhaus-Aufgaben als „dramatisch“

Der angeschlagene Konzern Galeria Karstadt Kaufhof hatte am Freitag die Schließung von 62 seiner 172 Häuser angekündigt. Nach Angaben des Gesamtbetriebsrates werden dadurch insgesamt 5317 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren. Der Konzern hat derzeit noch 28.000 Beschäftigte. Insgesamt will der Konzern Filialen in 47 Städten schließen. Zusätzlich sollen bundesweit auch 20 der 30 Häuser der Tochter Karstadt Sports dichtmachen. In Berlin ist die Filiale am Kranzler Eck in der City West betroffen.

In Berlin sollen sechs von elf Filialen geschlossen werden. Außerdem soll die geplante Filiale in Tegel gar nicht erst öffnen. Der Gewerkschaft Verdi zufolge stehen in den Berliner Häusern rund 600 von 2100 Jobs auf dem Spiel. Hinzu kommen etwa 400 Jobs in integrierten Geschäften sowie Feinkostabteilungen und Reisebüros. Der Handelsriese war durch die Schließung aller seiner Filialen im Zuge der Corona-Pandemie in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen.

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) bezeichnete die geplanten Warenhaus-Aufgaben in der Stadt am Sonnabend als „dramatisch“. Die Kaufhäuser seien deutschlandweit für Fußgängerzonen und in Berlin für viele Kieze „zentral“. „Berlin wird um die bedrohten Standorte und Arbeitsplätze kämpfen. Wir werden dazu intensiv das Gespräch mit allen Beteiligten suchen, um Standorte und Arbeitsplätze zu retten“, sagte Pop der Morgenpost. Es zeige sich aber auch in aller Deutlichkeit, dass das Modell Kaufhaus modernisiert werden müsse, um wieder attraktiv zu werden. Hierfür sei es wichtig, gemeinsam Wege zu suchen, um Standorte zu erneuern und Arbeitsplätze für die Beschäftigten zu erhalten, erklärte sie. Den CDU-Vorschlag wollte die Senatorin auf Anfrage zunächst nicht kommentieren.

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Sonntagsöffnung und weitere Unterstützungsmaßnahmen gefordert

Bereits am Freitagabend hatte es erste Gespräche zwischen Mitgliedern des Berliner Senats, der Gewerkschaft, dem Handelsverband und der Arbeitsagentur gegeben. Unternehmen, Gesamtbetriebsrat und Verdi hatten sich bereits in der vergangenen Woche bundesweit auf einen Sozialplan und einen Interessenausgleich verständigt. Er sieht unter anderem vor, dass die gekündigten Mitarbeiter für mindestens sechs Monate in eine Transfergesellschaft wechseln können.

Der Handelsverbands-Chef für Berlin und Brandenburg, Nils Busch-Petersen, forderte Barrieren für den Einzelhandel abzubauen. Die Betriebe müssten nun jede Chance erhalten, Umsätze generieren zu können. Dafür solle der Senat unter anderem die Öffnung an den verbleibenden Sonntagen in diesem Jahr ermöglichen. Wegen der Fête de la Musique sind in Berlin an diesem Sonntag viele Geschäfte geöffnet.

Auch der Städte- und Gemeindebund forderte Unterstützungsaktionen für die betroffenen Innenstädte. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte, Konzern und Insolvenzverwalter müssten mit den Kommunen und den Eigentümern der Warenhausimmobilien „Zukunftsstrategien“ erarbeiten.

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