Bildung

Ein ganz besonderer Abiturjahrgang

In der Corona-Pandemie legen rund 14.500 Jugendliche ihre Hochschulreife ab – trotz widriger Umstände.

Ungewöhnliches Ambiente für eine Prüfung: Schüler des Paul-Natorp-Gymnasiums in Friedenau schreiben in der Aula ihr Biologie-Abitur.

Ungewöhnliches Ambiente für eine Prüfung: Schüler des Paul-Natorp-Gymnasiums in Friedenau schreiben in der Aula ihr Biologie-Abitur.

Foto: Tobias Schwarz / AFP

Berlin. Diesen Abiturjahrgang wird wohl niemand vergessen. Rund 14.500 Abiturienten gab es dieses Jahr in der Hauptstadt, die an Sekundarschulen und Gymnasien ihre Hochschulreife ablegten. Aber unter welchen Bedingungen? Alles war durch die Corona-Pandemie anders als sonst, noch in der letzten regulären Unterrichtswoche dieser Jugendlichen wurden die Schulen geschlossen. Teilweiser Shutdown wegen eines grassierenden Virus, so etwas kannte man eigentlich nur aus Science-Fiction-Filmen. Das erste Abitur-Opfer war dann die beliebte Motto-Woche, mit der eigentlich die Schulabgänger ihre letzten regulären fünf Tage in der Schule feiern. Den Montag – 16. März 2020 – zogen noch manche Jugendliche verkleidet durch die Stadt, danach war Schluss. Stay home, hieß jetzt das Motto.

Ungewissheit war für viele besonders anstrengend

Doch unsere Abitur-Beilage „Abitur 2020“, die der Berliner Morgenpost am Sonntag beiliegt, beweist auf 32 Seiten: Diese Jahrgang hat es geschafft, trotz aller widrigen Umstände. Jetzt, am Ende der 12. oder 13. Klasse, können diese Schülerinnen und Schüler stolz ihr Abitur hochhalten. Und viele Erinnerungen werden diesmal bleiben. „Die Bedingungen dieses Jahres waren sehr anders“, sagte der 18-jährige Anton, der sein Abitur an einem Gymnasium in Charlottenburg abgelegt hat. „Weshalb sich die Prüfungen fast irreal angefühlt haben.“

Tatsächlich: Bereits der Antritt zur Prüfung war anders als sonst. Eingeladen wurde von den Schulen gestaffelt, damit nicht alle Prüflinge zum selben Zeitpunkt kamen. Und auf den Schulhöfen stellte man sich weit voneinander entfernt auf – manche Schulleitungen hatten auch vorsorglich Kreise auf den Boden gesprüht, um zu zeigen, wo die Abiturienten jeweils warten sollten. Ein bisschen sah es dann wie ein riesiges Brettspiel aus.

Und auch für die Lehrerinnen und Lehrer war es eine Herausforderung. Gut ausgerüstet mit Masken und Desinfektionsmittel, das sich anfangs Schulen wie die Friedensburg-Oberschule im Chemieraum selber mischten, bereiteten sie die Prüfungsräume vor. Ganz wichtig: viel Abstand zwischen den Tischen. Da wurde auch mal bei beliebten Fächern die Aula oder die Turnhalle genutzt, weil es dort den ausreichenden Platz gab. Eine Tüte an jedem Tisch, damit die Prüflinge dort ihren Müll entsorgen konnten. Aber erleichtert stellten viele Pädagogen schnell fest, sie konnten sich auf ihre Schüler verlassen. „Man merkt, die Schüler sind schon trainiert vom Supermarkt“, sagte damals Schulleiter Dirk Kwee vom Berggruen-Gymnasium.

Irgendwie waren doch alle froh, dass es endlich losging. Was war vorher alles diskutiert worden: absagen, Notabitur, verschieben. „Vor allem die Ungewissheit, ob und wann die Prüfungen stattfinden, war anstrengend“, erzählte Franzis. „Aber alles in allem war es trotzdem gut machbar.“ Für die 17-Jährige auf jeden Fall, ihr Abitur-Schnitt liegt bei 1,2. Gratulation! Anderen tat die Warterei, ob oder ob nicht geprüft wird, weniger gut. Sie begannen erst nach Ostern, wirklich intensiv zu lernen. Da konnte dann der spätere Blick auf die Punktzahl ernüchternd sein. Aber zum Glück gab es ja noch Nachprüfungen.

Die endgültigen Zahlen, wie der Notendurchschnitt dieses Jahrgangs war, wie viele auch genau zur Prüfungen gingen, werden erst kommende Woche von der Senatsverwaltung für Bildung herausgegeben. Aber zwischenzeitlich gab sie schon mal „Wasserstandsmeldungen“. Danach war klar, Corona verhinderte wohl kaum Prüfungen. „Die Zahl der Krankmeldungen bei den Hauptterminen bewegte sich im üblichen Rahmen“, hieß es aus der Behörde. Und als letzter Stand: „Es kann davon ausgegangen werden, dass nach dem zweiten zentralen Nachschreibetermin nahezu alle Schüler ihre schriftlichen Prüfungen absolviert haben werden.“

Für Landesschülersprecher Miguel Góngora, der selbst in diesem Jahr Abitur gemacht hat, ist die Bilanz durchwachsen. So sehr hatte er sich in seinem Amt gegen die Prüfung gestemmt, eine Schülerin war sogar den Weg der Klage gegangen, weil sie die Chancengerechtigkeit nicht gewahrt sah. Doch die Bildungsverwaltung betonte immer wieder, es sei wichtig, dass die Prüfungen regulär ablegt werden, damit Berliner Schüler bundesweit und im Ausland problemlos studieren können. Senatorin Sandra Scheeres (SPD) wusste schon, was Schülern abgefordert wurde. „Für die Abiturientinnen und Abiturienten war es eine besondere Herausforderung, unter diesen Bedingungen ihre Prüfungen abzulegen“, sagte sie. Am Ende hieß es für alle: Augen zu und durch.

Um so verdienter können sich die Abiturienten jetzt über ihre Leistungen freuen. Doch leider, so richtig feiern darf man auch noch nicht: Abi-Bälle wurden abgesagt, denn tanzen ist weiterhin nicht erlaubt. Abi-Reisen wurden schweren Herzens storniert. Statt am Mittelmeer mit Freunden zu feiern, bleibt man nun in Brandenburg. Und dort im märkischen Sand kann man dann in Ruhe die Abitur-Beilage durchblättern und gewaltig stolz sein. Ihr seid ein ganz besonderer Jahrgang!

„Abitur 2020“ – die große Beilage zum Herausnehmen erscheint an diesem Sonntag in der Berliner Morgenpost. Darin finden Sie unter anderem alle Namen der Berliner Abiturienten.