Festival

Fête de la Musique findet dieses Jahr zu Hause statt

Umsonst ja, draußen nein: Wegen Corona begeht die Fête de la Musique am Sonntag ihr 25. Jubiläum mit Konzerten im Livestream.

Konzerte wie im vergangenen Jahr in einem Köpenicker Park wird es dieses Mal bei der Fête de la Musique nicht geben.

Konzerte wie im vergangenen Jahr in einem Köpenicker Park wird es dieses Mal bei der Fête de la Musique nicht geben.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Am Sonntag ist kalendarischer Sommeranfang und Sommersonnenwende – der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Traditionell findet dann in Berlin wie auch in anderen Städten der Welt die Fête de la Musique statt. Die Veranstalter wollten das diesjährige 25. Jubiläum eigentlich bereits am Sonnabendabend mit einer großen Konzertnacht im Centre Français in Wedding feiern. Das Coronavirus machte ihnen allerdings einen Strich durch die Rechnung.

Auch andere Konzerte auf der Straße oder in Parks wird es dieses Mal nicht geben. Denn Großveranstaltungen wie die Fête de la Musique, die in den vergangenen Jahren in Berlin mehr als 100.000 Besucher zählte, sind bis zum 24. Oktober verboten. Daher wandert das Festival zum Jubiläum unter dem Motto „Fête de la Haus-Musique“ in die digitale Welt.

„Wir mussten ein komplett neues Format erfinden“, sagt Kurator Björn Döring. Mehr als 100 Konzerte und Veranstaltungen von rund 40 Künstlern und Anbietern seien geplant, die alle per Livestream auf der Internetseite der Fête de la Musique übertragen werden. Das könne und solle zwar keine echten Konzerte ersetzen, sei aber nicht anders möglich. Und der Kerngedanke bleibe erhalten – und zwar, „dass sich viele Menschen dafür engagieren, dass Musik erlebbar ist“, so Döring weiter. Die Veranstaltungen werden fast ausschließlich aus Clubs, Theatern, Musikschulen, Vereinen und Museen in Mitte gestreamt.

Fête de la Musique in Berlin: Alle Farben spielt live in der Kuppel des Fernsehturms

Das Angebot reicht von elektronischer über Swing- bis zu klassischer Musik. Den Höhepunkt bildet im wahrsten Sinne des Wortes ein Konzert des Berliner DJs Frans Zimmer alias Alle Farben aus der Kuppel des Fernsehturms, das ab 22 Uhr live übertragen wird.

Wer nicht nur zuhören will, ist bei der Fanny-Hensel-Musikschule richtig. Sie erklärt per Video, wie man einen Song von Billie Eilish nachspielen kann. Auch einen sogenannten Singalong soll es in diesem Jahr wieder geben – wenn auch nicht wie zuletzt mit 3500 Menschen auf dem Gendarmenmarkt. Vielmehr rufen die Veranstalter dazu auf, zwischen 17 und 18 Uhr zwölf Lieder wie Beethovens Ode an die Freude am Bildschirm mitzusingen.

Anders als im vergangenen Jahr hofft Kurator Döring diese Mal auf schlechtes Wetter. „Wenn es ein bisschen nieselt, bleiben mehr Menschen zu Hause und schauen die Streams.“

Fête de la Musique: Dieses Jahr keine Gema-Gebühren

Wie das Online-Angebot angenommen wird, könne er nicht abschätzen. Klar sei, dass die Fête nicht eins zu eins ins Netz übertragbar sein wird. „Für mich ist aber der größte Erfolg der Veranstaltung schon passiert“, so Döring weiter. Denn in nur drei Monaten nach der Absage sei es gelungen, ein tolles neues Programm auf die Beine zu stellen. „Damit hätte ich nie gerechnet.“ Und einen Vorteil habe das außergewöhnliche Format in diesem Jahr auch. Da es keine Konzertbühnen gibt, müssten die Veranstalter keine Gema-Gebühren zahlen. „Mit dem Geld werden nun bis zu 20 Künstler bei ihren Produktionskosten mit 1000 Euro unterstützt“, sagt Döring.

Die erste Fête de la Musique fand 1982 in Paris statt. Die Idee stammte vom damaligen französischen Kulturminister Jack Lang, der einen Tag Musik für alle und an vielen Orten umsonst und draußen erlebbar machen wollte. Dafür wählte er den 21. Juni – den ersten Tag des Sommers. Mittlerweile findet die Fête in mehr als 540 Städten weltweit statt, darunter 50 in Deuschland. Den Anfang machte hierzulande München. Die bayerische Landeshauptstadt griff das Konzept bereits 1985 auf. Berlin zog 1995 nach und verzeichnete im vergangenen Jahr mehr als 600 Musikveranstaltungen an rund 160 Orten. In diesem Jahr wäre die Fête sogar noch größer geworden. Zum Jubiläum waren bis zur Absage 170 Bühnen geplant. Seit 2018 rückt immer ein Bezirk in den Fokus. Den Anfang machte Lichtenberg, gefolgt von Treptow-Köpenick und nun Mitte.

Eine Übersicht über das gesamte Programm, alle Uhrzeiten, Künstler und Streams findet sich auf der Internetseite www.fetedelamusique.de oder auf Twitter unter @FETEberlin.