Wohnungsbau

In Berliner CDU-Hochburgen entstehen kaum Wohnungen

Der Bestand an Wohnungen ist in Berlin im Jahr 2019 um ein Prozent oder 19.063 gestiegen. In Mitte war das Wachstum doppelt so hoch.

Klassische Verdichtung in Mitte: Über einem Supermarkt an der Fürstenberger Straße entstehen bis zum Jahr 2022 117 Neubauwohnungen.

Klassische Verdichtung in Mitte: Über einem Supermarkt an der Fürstenberger Straße entstehen bis zum Jahr 2022 117 Neubauwohnungen.

Foto: pixellab GmbH

Berlin. Der Bestand an Wohnungen ist in Berlin im Jahr 2019 um ein Prozent oder 19.063 gestiegen. Insgesamt stehen in der Stadt nun 1.968.315 Wohnungen zur Verfügung. Die meisten neuen Einheiten, nämlich 16.887, entstanden 2019 in neuen Gebäuden, der Rest wurde zusätzlich in bestehenden Bauwerken geschaffen, etwa durch Dachgeschossausbauten oder Nutzungsänderungen. Insgesamt gibt es derzeit in Berlin 100.642 oder 5,4 Prozent mehr Wohnungen als noch im Jahr 2010.

In der Innenstadt wurde stark verdichtet

Das Landesamt für Statistik hat in seiner Mitteilung auch aufgelistet, wo im vergangenen Jahr in Berlin die neuen Wohnungen gebaut worden sind. Der Befund ist eindeutig: In der Innenstadt wurde erheblich verdichtet, und auch in einigen Außenbezirken wurde überproportional gebaut. So liegt der Bezirk Mitte mit einem Plus von zwei Prozent oder 3918 Wohnungen an der Spitze. Ebenso stark und damit doppelt so schnell wie im Berliner Durchschnitt ist der Wohnungsbestand in Treptow-Köpenick gestiegen. Im Südost-Bezirk standen zum Jahresende 2019 genau 2916 Wohnungen mehr zur Verfügung als 2018.

Überdurchschnittliches Wachstum meldeten mit 1,4 Prozent auch Marzahn-Hellersdorf (plus 1975 Einheiten) und Lichtenberg (plus 2236). Berlins größter Bezirk Pankow wuchs genau im Landesdurchschnitt um ein Prozent und hat nun 2248 Wohnungen mehr.

Im Südwesten und Norden entstanden die wenigsten Wohnungen

Knapp unterdurchschnittliche Zuwächse meldet Friedrichshain-Kreuzberg mit 0,7 Prozent oder 1095 neuen Wohnungen. Knapp dahinter folgen mit je 0,6 Prozent Spandau (767), Tempelhof-Schöneberg (1031) und Charlottenburg-Wilmersdorf (1148). Neukölln kommt auf ein Plus von einem halben Prozent mit 833 zusätzlichen Einheiten. Am Ende der Rangliste liegen die Außenbezirke Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf mit nur 0,3 Prozent neuen Wohnungen. Dort entstanden auch absolut gesehen die wenigsten Einheiten. Im Südwesten waren es 543, im Norden 353.

Die ungleiche Verteilung der Neubautätigkeit zwischen den Bezirken ist schon länger ein Streitthema in der Landespolitik. „Auffällig ist, dass in den Bezirken, in denen die CDU die Bürgermeister und Baustadträte stellt, nicht gebaut wird, obwohl sie auf der Landesebene immer so tut, als ob es mit der CDU mehr Neubau geben würde“, sagte die Bauexpertin der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus und stellvertretende Landesvorsitzende Iris Spranger: „Das zeigt ihre Scheinheiligkeit.“

CDU-Experte kann sich das Ungleichgewicht auch nicht erklären

Tatsächlich sind Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf die einzigen Bezirke, in denen die Union politisch dominiert. Der Grünen-Baupolitiker Andreas Otto sagte, man biete der CDU gerne Unterstützung an, um in ihren Bezirken mehr zu bauen. „Wenn die dort ihre Bebauungspläne nicht schaffen, kann das Frau Lompscher übernehmen“, sagte Otto mit Blick auf die von der CDU im Abgeordnetenhaus oft angegriffene linke Bausenatorin Katrin Lompscher. Der baupolitische Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, Christian Gräff, verwies auf die „sehr individuellen Verhältnisse“ in den jeweiligen Bezirken. Nicht in allen Fällen liege es an der Bezirksebene, wenn es bei Neubauvorhaben nicht vorangehe. Warum aber gerade Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf so wenige neue Wohnungen schaffen, kann Gräff nach eigener Aussage auch nicht erklären.