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Erste Disc Golf-Anlage in einem Berliner Park eröffnet

In Lichterfelde wurde am Teltowkanal ein Parcours mit neun Bahnen eröffnet. Bei dem Trendsport wird eine Frisbee-Scheibe in einen Korb geworfen.

Sportlerin Denise versucht die Anweisungen von Disc Golf-Profi Stephen Defty genau umzusetzen und zielt mit der Scheibe auf den Korb.

Sportlerin Denise versucht die Anweisungen von Disc Golf-Profi Stephen Defty genau umzusetzen und zielt mit der Scheibe auf den Korb.

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Beim ersten Wurf landet die Frisbee-Scheibe im Gebüsch. „Das habe ich mir schon gedacht“, sagt Manuel Franz. Mehr in die Knie gehen, Oberkörper und Hüfte nach hinten drehen, erläutert der Golfspieler und Trainer beim Turn- und Sportverein Lichterfelde (Tusli) geduldig. Dann die Scheibe am Körper durchziehen und so weit wie möglich Richtung Korb werfen. Beim zweiten Mal klappt es besser, in acht Würfen liegt die Frisbee-Scheibe im Korb. Profis brauchen dafür zwei Würfe.

Disc Golf – ein noch wenig bekannter Trendsport erobert Berlin. In den USA und Skandinavien ist Disc Golf sehr verbreitet und beliebt. Wie beim herkömmlichen Golfen muss bei dieser Sportart eine Frisbee-Scheibe mit möglichst wenigen Würfen in einen Korb gezielt werden. Gewonnen hat, wer die geringste Anzahl von Würfen hat.

Bislang gibt es im Umland zwei Anlagen in Potsdam und in Eberswalde sowie eine in Pankow auf einem Sportgelände. Die erste Disc Golf-Anlage in einem öffentlichen Park in Berlin wurde jetzt in Lichterfelde an der Eduard-Spranger-Promenade eröffnet. In der Grünanlage am Teltowkanal zwischen Bäkestraße und Krahmerstraße können ab sofort rund um die Uhr die Scheiben fliegen.

Disc Golf in Lichterfelde: Auf der Suche nach neuen Outdoor-Aktivitäten

Die Idee, dort eine solche Anlage aufzubauen, kam vom Tusli. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Outdoor-Aktivitäten“, sagt der Vorsitzende Paul Harfenmeister zur Eröffnung des Parcours. Vor zwei Jahren habe er im Stadion gesehen, wie ein Sportler mit Frisbee-Scheiben auf Pylone zielte – da war Disc Golf nur der nächste Schritt. Das Bezirksamt sei sofort offen für den Vorschlag gewesen, sagt Harfenmeister. Sportstadtrat Frank Mückisch (CDU) erklärt auch warum: „Es ist eine neue Sportart, die nichts kostet und die jeder allein oder mit Freunden im Park machen kann.“

Aufgebaut hat die Anlage Gregor Marter. Er ist Vize-Präsident des Frisbee-Landesverbandes Berlin. 2019 wurde er Vize-Weltmeister mit dem Disc Golf-Team in Estland. Mit seinem Unternehmen errichtet Marter nach eigenen Aussagen zehn bis 15 Anlagen pro Jahr im deutschsprachigen Europa, zudem verdient er sein Geld mit dem Verkauf von Frisbee-Scheiben (www.discolfstore.de).

Er habe zuerst Zweifel gehabt, ob der Park nicht zu klein sei, sagt der Sportler. Überzeugt habe ihn das Argument, dass auf der Promenade nie viel Betrieb sei. Aus diesem Grund wurde auch nur ein halber Parcours aufgebaut.

Immer aufpassen, ob die Bahn frei ist

Statt der üblichen 18 Bahnen wie beim Golf gibt es nur neun Bahnen, die rechts und links von dem asphaltierten Weg mit Abwurfplatz und Korb liegen. „Wenn der Park voll ist, müssen alle natürlich sehen, wie sie koexistieren können“, sagt Marter. Zur Kultur des Frisbee-Spielers gehöre es zu warten, bis eine Bahn frei ist. Eine Beule am Kopf wolle schließlich niemand haben.

Weil beim Disc Golf niemand ausgegrenzt wird und Schulkinder, Rentner und Rollstuhlfahrer zusammen spielen könnten, ist es für Marter „der einzig wahre Volkssport“. Die Kosten von 11.000 Euro für den Parcours übernahmen der Landesportbund und die Aktion Mensch.

Der Sportverein Lichterfelde, der nebenan sein Stadion hat, wird sich um den Betrieb der Anlage kümmern. Manuel Franz hat die neue Abteilung Disc Golf übernommen und bietet jeden Freitag um 18.30 Uhr ein Training für Interessenten ab zehn Jahren zum Kennenlernen der neuen Trendsportart an. Anmelden kann man sich über die Tusli-Homepage (www.tusli.de). „Es ist eine schwierige Bewegung, die aber leicht zu erlernen ist, wenn man weiß, worauf es ankommt“, sagt der Trainer. Jeder kriege die Scheibe zum Fliegen. Mit ein bisschen Übung sollte sie mit drei Würfen im Korb liegen.

Einführung in die Geheimnisse des Trendsports

Am Eröffnungstag führt auch Stephen Defty in die Geheimnisse von Disc Golf ein. Mit einer leichten Handbewegung befördert der Profi jede Scheibe aus einiger Entfernung in den Korb. Der 63-Jährige, der in den USA aufgewachsen ist, ist Deutscher Master-Rekordmeister und mehrmaliger Berliner Meister. „Am Anfang so weit werfen, wie man kann“, doziert er vor einer kleinen Gruppe. Denise, Übungsleiterin bei Tusli, versucht es. Zuerst driftet die Scheibe ab, doch dann wird jeder Wurf genauer.

Niklas hat nach einer Stunde alle neun Bahnen absolviert. Zwischen zwei und fünf Würfen habe er pro Bahn gebraucht, erzählt der 27-Jährige, der auch Tischtennis spielt. Es seien aber auch „Glückswürfe“ dabei gewesen, bei denen die Scheibe fast bist zum Korb rollte und er sie nur noch reinlegen musste.

„Es ist anders, als ich es mir vorgestellt habe, aber interessant“, sagt der Lichterfelder nach dem ersten Spiel. Die Scheiben müssten ja nicht gefangen, sondern so weit wie möglich geworfen werden. Dabei würden sie sich auch anders verhalten und wegdrehen. „Jetzt bin ich am Überlegen, welche Scheibe ich mir kaufe“, sagt Niklas.

1. Lichterfelder Dis Golf Park, Krahmerstraße, tusli.de/outdoorsport

Disc-Golf in Brazndenburg

Im Volkspark Potsdam gibt es einen Disc-Golf-Parcours mit 14 Bahnen. Gespielt werden kann jederzeit, die Beschilderung führt in die Regeln des Disc-Golfens ein. Frisbee-Scheiben können im Infopavillon am Haupteingang ausge­liehen werden. Mit dem Leitspruch „Das Runde muss ins Kettige“ wird Disc Golf im Familiengarten Eberswalde auf 14 Bahnen gespielt. Während des Spiels werden die Besonderheiten des Familiengartens bewusst wahrgenommen, da sich die Spieler in der Abfolge der Bahnen mit der Umgebung auseinandersetzen.