Gewerbegebiet

Neue Visionen für das Gewerbe an der Goerzallee

Künftig soll es mehr Raum für Start-ups, die Kreativwirtschaft und Zwischennutzer geben.

Silvio Schobinger ist auf dem Gewerbegelände Eigentümer des Goerzwerks. In den alten Hallen haben sich viele Start-ups angesiedelt. Sie sind auch in Lichterfelde die Zukunft.

Silvio Schobinger ist auf dem Gewerbegelände Eigentümer des Goerzwerks. In den alten Hallen haben sich viele Start-ups angesiedelt. Sie sind auch in Lichterfelde die Zukunft.

Foto: Joerg Krauthoefer

Im Goerzwerk wird bereits die Zukunft des Gewerbegebiets an der Lichterfelder Goerzallee gelebt: Eigentümer Silvio Schobinger hat es geschafft, junge Unternehmen und kleine Start-ups anzusiedeln, die ihre ersten Schritte auf dem Markt machen und deshalb Räume für ihre gerade gegründeten Firmen gesucht haben. Eine Studie zur Weiterentwicklung des gesamten Gewerbegebiets kommt zu dem Ergebnis, dass die Industrie zwar der Kernnutzer des Geländes ist. Es sollte aber künftig mehr Raum für Start-ups, die Kreativwirtschaft und Zwischennutzer geben. Die Flächen könnten zudem noch besser als Coworking-Spaces genutzt werden.

Berliner Büro „regioconsult“ erstellt die Analyse

Das Berliner Büro „regioconsult“, das Konzepte für Politik und Wirtschaft erstellt, hat von der Wirtschaftsförderung des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf den Auftrag bekommen, eine Potenzialanalyse des Gewerbegebiets zu erstellen, um die Zukunft bereits heute planen zu können. Im Stadtplanungsausschuss hat Geschäftsführer Uwe Luipold jetzt einen ersten Zwischenbericht vorgestellt. Luipold wollte damit seinen derzeitigen Arbeitsstand präsentieren. Dazu gehörte in einem ersten Schritt eine Bestandserfassung der dort ansässigen Unternehmen.

100 Unternehmen auf dem Gelände befragt

Das Goerzwerk von Silvio Schobinger nennt Uwe Luipold „einen Leuchtturm“ auf der Suche nach Ideen für einen zukunftsfähigen Standort. Er wollte wissen, in welche Richtung es auf dem Gewerbegebiet weitergehen soll, und hat dazu 100 Unternehmen auf dem Gelände befragt. Die Hauptnutzer kommen aus dem verarbeitenden Gewerbe, darunter sind aber nur noch wenige große sondern viele kleine Firmen. Nur fünf Prozent der dort ansässigen Firmen haben zwischen 51 und 250 Mitarbeiter. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) haben hingegen nur bis zu fünf Angestellte.

Mit ihrem Standort im Gewerbegebiet Goerzallee sind 58 Prozent sehr zufrieden. Nur die Erschließung des Geländes mit dem öffentlichen Nahverkehr würden viele als „mangelhaft“ bezeichnen, sagt Luipold. Keine Konflikte gebe es hingegen mit Anwohnern, die „immer näher an das Gewerbegebiet herangerückt sind“. So sind zum Beispiel auf der gegenüberliegenden Straßenseite viele Lofts im ehemaligen Telefunkenwerk entstanden.

Firmen wünschen sich zentralen Ansprechpartner

Ein Drittel der Unternehmen hat bereits enge geschäftliche Beziehungen zu anderen Firmen auf dem Gelände. Mehr als die Hälfte der Befragten ist bereit, ihre Geschäftsbeziehungen am Standort auszubauen. Der Großteil wünscht sich mehr Unterstützung, zum Beispiel einen zentralen Ansprechpartner oder einen „Kümmerer“.

Noch stehen einige ungenutzte Flächen zur Verfügung. Für deren Entwicklung wurden in der Studie Szenarien genannt. Eins davon sieht die „Wissensgetriebene Wirtschaft“ vor, also zum Beispiel die Forschung. Das wahrscheinlichste Szenario ist aber, kleinteilige Kreativwirtschaft und junge Unternehmen anzusiedeln. Im Abschlussbericht der Studie wird das Auswahlszenario präsentiert. Das sollte in einem der nächsten Ausschüsse passieren.