Deutsche Wohnen

„Der Staat soll die Sanierungsumlage übernehmen“

Berlins umstrittener Vermieter Deutsche Wohnen geht in die Offensive. Der Staat soll den Mieteranteil der Sanierungskosten tragen.

"Miethaie" in Berlin: Demonstranten fordern Enteignung

Die Lage auf dem Berliner Mietmarkt spitzt sich zu. Eine Initiative will nun, dass das Land Wohnungen vergesellschaftet.

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Berlin.  Gerade erst ist Berlins größter privater Immobilienkonzern in den Deutschen Aktienindex DAX aufgestiegen – da macht der umstrittene Vorstandschef Michael Zahn mit einem aufsehenerregenden Vorschlag von sich reden. Um die Klimaziele zu erreichen und die Mieter von den Kosten der energetischen Sanierung zu entlasten, solle der Staat den Teil der Sanierungsumlage, den der Hauseigentümer auf den Mieter umlegen darf, für 15 Jahre vollständig übernehmen, sagte Zahn im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Sonntag. Erst danach sollte der Mieter die Kosten vollständig selbst übernehmen.

Konzernchef spricht von „sozialer Abfederung“

Nach Ansicht des Konzernchefs werde so die erwartbare Kostensteigerung infolge der CO2-Bepreisung sozial abgefedert. „Ich glaube, dass die Rückgabe des Geldes geradezu geboten ist“, so Zahn. „Wenn wir es nicht so machen, sehe ich einen doppelt negativen Effekt auf die Mieter zukommen“, warnte er in dem Interview. Mit dem Vorschlag der deutsche Wohnen seien die Mieter dagegen über Jahre entlastet, weil sie Heizkosten sparten.

In Berlin würden 116.000 Mieterhaushalte entlastet

Nach Rechnung der Deutsche Wohnen, die bundesweit 160.000 Wohnungen im Bestand hat, davon 116.000 in Berlin, würde den Staat eine solche Lösung über die Jahre hinweg vier Milliarden Euro kosten – die Vermieter dagegen würden im gleichen Zeitraum Investitionen von 33 Milliarden tragen. Finanziert werden könne ein solches Modell, so ein weiterer Vorschlag der Deutschen Wohnen, mit den Erlösen aus den CO2-Zertifikaten, zumal Gebäude künftig Teil des nationalen Emissionshandels würden. Der Staat, argumentiert Zahn, solle, das über den Gebäudesektor eingenommene Geld auch für den Klimaschutz im Gebäudesektor ausgeben.

Die Deutsche Wohnen stand zuletzt wegen der hohen Mieten in der Kritik. Es gab Proteste von Mieterinitiativen. Die Initiative „Deutsche Wohnen Co enteignen“ sammelte mehr als 77.000 Unterschriften und nahm so die erste Hürde für ein Volksbegehren. In der vergangenen Woche gaben die Organisatoren des Volksbegehrens „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ bekannt, dass mit dem Ende der rechtlichen Prüfung ihrer Initiative Anfang Juli zu rechnen sei.

30 Prozent der DW-Mieten liegen über der Mietendeckel-Obergrenze

Die Deutsche Wohnen muss zudem wegen des Berliner Mietendeckels im November Tausende Mieten in der Hauptstadt senken. Nach dem Gesetz sind dann Bestandsmieten zu reduzieren, die mehr als 20 Prozent über der zulässigen Obergrenze liegen. Hiervon sind etwa 30 Prozent der Berliner Mietverhältnisse betroffen. Das Unternehmen rechnet daher in diesem Jahr mit Mietausfällen von neun Millionen Euro durch das Gesetz, im nächsten Jahr sind es 30 Millionen Euro.