Potsdamer Platz

Sony Center: Umbaupläne zum 20. Jahrestag

Die Eigentümerin des berühmten Gebäudeensembles am Potsdamer Platz plant eine stärkere Öffnung des „Sony Centers“ zum Kulturforum.

Ein echter Hingucker: Die allabendliche Dach-Illumination des Pariser Lichtkünstlers Yann Kersalé.

Ein echter Hingucker: Die allabendliche Dach-Illumination des Pariser Lichtkünstlers Yann Kersalé.

Foto: Reto Klar

Berlin.  Akribisch poliert der Gebäudereiniger in schwindelerregender Höhe den weithin leuchtenden blauen Schriftzug „Sony Center“. Die mannshohen Buchstaben künden noch heute vom Stolz des einstigen Bauherren und Besitzers des Gebäudeensembles mit dem markanten Glasdach am Potsdamer Platz. Inzwischen ist der Komplex, der vor genau 20 Jahren fertiggestellt wurde, jedoch längst nicht mehr im Besitz des japanische Elektronikkonzerns. Nach mehreren Verkäufen gehört er seit 2017 der kanadischen Immobiliengesellschaft Oxford Properties. Und die will nicht nur den Buchstaben, sondern dem gesamten Bauwerk wieder neuen Glanz verleihen. Das ist auch nötig, denn unter dem einstmals so belebten gläsernen Zirkusdach ist es nicht erst seit der Corona-Krise ziemlich ruhig geworden.

„Sony Center“ am Potsdamer Platz: Statt glitzernder Premieren leere Kinosäle

Geschlossen sind etwa die Türen, die zu dem von CineStar betriebenes Multiplex-Kino mit zehn Sälen im Untergeschoss führen. Auch das benachbarte IMAX-Kino ist zu Jahresbeginn geschlossen worden. Seit 2001 hatte hier nicht nur die Berlinale einen festen Standort, auch für prestigeträchtige Filmpremieren wurde den internationalen Filmstars bildgewaltig der rote Teppich ausgerollt.

Zur Premiere von „Spiderman“ etwa hangelte 2002 der Spinnenmann mit den Superkräften im XXL-Format vom Glasdach, während zur Premiere von „The Hobbit“ 2013 der Drache Smaug mit gefährlich funkelnden Augen und Rauch ausstoßend gleich neben dem roten Teppich aus einem Berg aus Goldmünzen auftauchte und die Fans der Fantasy-Saga verzückte. Daniel Craig wurde gleich mit mehreren James-Bond-Filmen zum Dauergast, auch Tom Cruise, Will Smith und Quentin Tarantino waren häufig da.

Auch andere große Events, die in den Anfangsjahren nicht nur die Touristen, sondern auch die Berliner begeisterten, wie etwa die Stabhochsprung-Wettbewerbe zum Istaf 2001, hatte es zuletzt immer seltener gegeben. Neben den vielen Restaurants und Cafés sorgen derzeit nur noch das Filmmuseum mit dem Kino Arsenal sowie das Legoland für Entertainment. Das soll sich nun wieder ändern.

„Wir sind uns über die Rolle des Sony Centers als Kinostandort bewusst“

„Wir sind uns über die Rolle des Sony Centers als Kinostandort bewusst und sehen die Zukunft des Komplexes definitiv als einen Ort für Kinoerlebnisse“, verspricht Abigail Shapiro, Deutschland-Chefin bei der Oxford Properties Group. Doch die konkrete Nachfrage, ob es bereits einen Nachnutzer für IMAX und CineStar gibt, lässt sie unbeantwortet. Auch die weiteren Nachfragen, wie das Sony Center, verkehrsgünstig über einem der größten U- und S-Bahn-Kontenpunkte Berlins und in unmittelbarer Nachbarschaft zu bedeutenden Kultureinrichtungen gelegen, wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen soll, lässt sie im Vagen.

Kunst und Kultur würden im Sony Center seit jeher eine große Rolle spielen, und das solle auch so bleiben, betont Shapiro und verweist etwa auf die Lichtkunst von Yann Kersalé, der das Glasdach allabendlich in einen Farbenrausch von Cyan bis Magenta taucht. „Zudem bieten wir im Sony Center immer wieder jungen aufstrebenden Künstlern eine Bühne, ihre Werke auszustellen. Dafür stellen wir beispielsweise den Kaisersaal zur Verfügung“, so Shapiro weiter. Auch die wiederkehrenden Aktivitäten wie die Art Essenz, das Theatertreffen, Sunrise at Night sowie Kooperationen mit der Berlinale soll es weiterhin geben, genauso wie die Kooperation mit dem Digital Art Museum, der es zu verdanken ist, dass täglich Video-Werke verschiedener Künstler zu sehen sind.

Dass sich in der in die Jahre gekommenen Architekturikone, die in nur drei Jahren Bauzeit nach den Plänen des deutsch-amerikanischen Architekten Helmut Jahn errichtet wurde, auch baulich etwas ändern soll, daran lässt die Deutschland-Leiterin der Immobiliengesellschaft indes keinen Zweifel. Dabei gehe es um eine stärkere Öffnung des Sony Centers in Richtung Kulturforum. „Zukünftig wollen wir unser Engagement für Kunst und Kultur weiter verstärken und führen momentan mit unseren Nachbarn, den Berliner Philharmonikern, den Staatlichen Museen zu Berlin und dem Kulturforum, diesbezüglich Gespräche“, verrät Shapiro. „Wir befinden uns in engem Austausch mit Helmut Jahn und den Berliner Stadtplanungsbehörden, um unsere Vision einer modernen, lebendigen und nachhaltigen Architekturikone als zentralem Bestandteil eines attraktiven Quartiers in den kommenden Jahren realisieren zu können“, so die Managerin. Neben langfristig angelegten baulichen Veränderungen sollen demnach neue Angebote in Bereichen wie Gastronomie, Sport, Wellbeing oder Networking etabliert werden. Einen Termin mit dem Stadtplanungsamt Mitte, bei dem das Umbau-Vorhaben vorgestellt werden sollte, war nach Informationen der Berliner Morgenpost bereits im März geplant, musste aufgrund der Corona-Krise allerdings verschoben werden.

Genauere Informationen, wie das modernisierte Sony Center aussehen soll und über welchen Zeitraum sich die Arbeiten erstrecken werden, wird es nun voraussichtlich erst im Herbst geben. Nicht nur die Tatsache, dass die Eigentümerin die Umbaupläne vor Veröffentlichung erst dem zuständigen Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe (SPD), vorstellen möchte, sondern auch, dass in einer pünktlich zum 20. Jubiläum veröffentlichten Pressemitteilung Helmut Jahn als Inhaber der Urheberrechte ausführlich zu Wort kommt, lässt jedoch darauf schließen, dass der geplante Eingriff kein kleiner sein wird.

Stararchitekt Jahn denkt über „Weiterentwicklung“ nach

„Mir war immer wichtig, dass meine Architektur zeitlos ist. Denn für mich bemisst sich der Wert eines Gebäudes letztlich in seiner langfristigen Nutzung. Insofern ist das Sony Center ein wertvolles Gebäude“, wird Jahn in der Jubiläums-Mitteilung zitiert. Und weiter: „Aber auch eine gut genutzte Immobilie muss sich entwickeln und an veränderte Bedürfnisse anpassen – das umfasst neben der neuen Arbeitswelt auch Bereiche wie Gastronomie, Kunst oder Kultur. Ich höre daher nie auf, über die mögliche Weiterentwicklung meiner Architektur nachzudenken – das gilt auch für das Sony Center“, erklärt der Stararchitekt, der bei den kommenden Planungen ein gewichtiges Wort mitzureden haben wird. Man darf also gespannt sein, wie das neue Sony Center künftig aussehen wird.

Während die Eröffnung des Komplexes vor 20 Jahren mit 3500 geladenen Gästen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft noch groß gefeiert wurde, wird das Jubiläum nun in deutlich kleinerem Rahmen zelebriert. Etwa mit dem Podcast „What’s next, Berlin?“, in dem Coworking-Pionier Ansgar Oberholz ab kommenden Dienstag mit Trendsettern wie dem Ex-Staatssekretär für Kultur und Motor-FM-Gründer Tim Renner oder Gastronom Billy Wagner („Nobelhart & Schmutzig“) darüber diskutiert, in welche Richtung sich die Stadt Berlin entwickeln muss, um langfristig innovativ zu bleiben. Den Anfang macht die deutsch-amerikanische Kuratorin und Galeristin Yasha Young, die 2017 in Berlin das Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art gründete und bis Ende 2019 als dessen Direktorin fungierte.

„Neben dem Podcast feiern wir das Jubiläum mit unseren Mietern und Besuchern, etwa mit Happy-Birthday-Rabatten bei den Gastronomen und Stores zwischen 15. und 30. Juni“, so Managerin Abigail Shapiro. Sollten die Social-Distancing-Maßnahmen es zulassen, sollen in den nächsten Monaten weitere Aktivitäten umgesetzt werden.