Hauptstadt-Airport

Flughafen Tegel bleibt bis November offen

Der Flughafen Tegel wird doch nicht vorzeitig geschlossen. Der Betrieb soll wie geplant erst im November eingestellt werden.

Berliner Flughafen Tegel bleibt offen - bis Oktober

Der Berliner Flughafen Tegel bleibt bis Ende Oktober offen. Grund seien die wieder ansteigenden Passagierzahlen, so Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.

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Berlin. Der Flughafen Tegel (TXL) wird seinen Betrieb doch nicht vorzeitig einstellen. Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) zieht ihren Antrag auf Aussetzung der Betriebspflicht ab 15. Juni zurück, teilte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Mittwoch mit. TXL werde – wie ursprünglich geplant – erst am 8. November vom Netz gehen. Als Grund nannte Lütke Daldrup deutlich höhere Fluggastzahlen, mit denen die Airlines in den kommenden Wochen rechnen würden. „Der Flugverkehr scheint wieder schneller anzusteigen, als wir das vor einigen Wochen erwarten konnten“, sagte er. „Damit haben wir die Situation, dass wir bei der Kapazität wieder auf beide Flughäfen schauen müssen.“

Mit Beginn der Corona-Pandemie war der Flugverkehr massiv eingebrochen. In Berlin lag die Zahl der Passagiere zwischenzeitlich nur noch bei einem Prozent des regulären Aufkommens. Nach anfänglichem Gegenwind von Teilen der Gesellschafter hatte Lütke Daldrup schließlich die temporäre Stilllegung ab Mitte Juni beantragt. Im April, Mai und selbst für Juni hätte eine Betriebsaussetzung Sinn gemacht, so Lütke Daldrup am Mittwoch. Mit den prognostizierten Passagieranstiegen sei dies jedoch nicht mehr zu rechtfertigen. Daher schaffe man den nötigen Raum für die wieder stärkere Nutzung der Flughäfen. „Es geht darum, dass wir den Airlines für die Erholungsphase mehr Platz anbieten können.“

Kommentar: Corona zeigt, wie wichtig ein zweiter Airport für Berlin ist

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Berliner Flughäfen: Erwartet werden im Juli bis zu 20.000 Passagiere pro Tag

Hintergrund sind Einschränkungen bei den Sicherheitskontrollen. Aktuell schafft die Bundespolizei nur etwa 30 Passagiere pro Stunde. Zu normalen Zeiten passieren stündlich bis zu 150 Fluggäste die Sicherheitsschleusen. Um Staus und Gedränge bei wachsenden Passagierzahlen vorzubeugen, stellt die FBB nun wieder mehr Flächen bereit. In Kürze werden dafür schrittweise die Terminalkapazitäten an beiden Airports wieder erweitert, kündigte der FBB-Chef an. Auch das zuletzt geschlossene zentrale Terminal A am Flughafen Tegel werde dann wieder zum Abfertigen der Passagiere genutzt.

Für Mitte Juni erwartet die FBB nun 40 Flugverbindungen pro Tag. Bis Ende Juli soll es täglich wieder rund 100 Starts und Landungen in Berlin geben. „Wir erwarten, dass wir Ende Juli 15.000 bis 20.000 Passagiere pro Tag abwickeln können“, sagte Lütke Daldrup. Zum Vergleich: Am Mittwoch starteten und landeten lediglich 17 Maschinen mit etwa 3000 Fluggästen in Berlin. Die neuen Zahlen seien „eine gute Nachricht für den Standort Berlin, die Wirtschaft und unsere Stadt“, so der Flughafenchef.

Bundesregierung kündigt Aufhebung von generellen Reisewarnungen an

Unterstützt werde die positive Entwicklung an den Flughäfen durch die Ankündigung der Bundesregierung, generelle Reisewarnungen für insgesamt 31 Staaten ab 15. Juni aufzuheben. Sie sollen durch Reisehinweise für einzelne Länder ersetzt werden. „Das ist ein Beschluss von großer Tragweite für den Flugverkehr“, so Lütke Daldrup. Mehrere Airlines hätten auf Basis der gelockerten Reise- und Quarantänebestimmungen angekündigt, ab Mitte Juni den Flugverkehr wieder aufzunehmen und insbesondere die Ferienziele im Sommer anzufliegen. Dazu zählt insbesondere die britische Gesellschaft Easyjet. Der Marktführer in der Hauptstadt will ab Ende Juni wieder von und nach Berlin fliegen. Auch Ryanair plane, den Flugbetrieb ab 21. Juni schrittweise aufzustocken.

Vor einer vorzeitigen Schließung Tegels hatte die Opposition zuletzt mehrfach gewarnt. Zufrieden ist die FDP dennoch nicht. „Die Verschiebung der Schließung Tegels ist nur aufgeschobenes Chaos“, sagte Fraktionschef Sebastian Czaja. Berlin brauche Tegel weiterhin. Dem widersprach Lütke Daldrup. Auch während der Corona-Pandemie sei eine Offenhaltung Tegels aus Platzgründen nicht nötig. Während am City-Airport 100.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung ständen, biete der neue Hauptstadtflughafen BER 400.000 Quadratmeter.

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