Müll

Verein startet Aktion gegen Pizzakarton-Müll in Berlin

Während der Corona-Krise sind viele Pizzakartons auf den Straßen gelandet. Der Verein „Wir Berlin“ hat daher besondere Behälter gebaut.

Aktion gegen Pizzakarton-Müll in Berlin: Sebastian Weise, Anne Sebald, Laura Claus und Melanie Nobis (v.l.) von „Wir Berlin“.

Aktion gegen Pizzakarton-Müll in Berlin: Sebastian Weise, Anne Sebald, Laura Claus und Melanie Nobis (v.l.) von „Wir Berlin“.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Ein kurzer Rundgang um die Genezareth-Kirche am Herrfurthplatz in Neukölln genügt, schon haben die beiden Mitarbeiterinnen vom Verein „Wir Berlin“ einen ganzen Stapel Pizzakartons auf dem Arm. In den vergangenen Wochen sind viele solcher Kartons achtlos in der Stadt entsorgt worden – die sperrigen Verpackungen passen kaum in die öffentlichen Mülleimer.

Der Verein wollte die Situation nicht länger hinnehmen und hat deshalb mit Künstlern des Vereins „Gute Sache“ zwei 1,20 Meter hohe Behälter aus Holz gebaut – so groß, dass Pizzakartons hinein gelegt werden können. Bei einer Aktion am Freitagnachmittag am Herrfurthplatz wollte der Verein Berliner dazu animieren, die Kartons nicht einfach auf den Boden zu werfen. Eine zweite Aktion soll am Sonnabend folgen.

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Müll in Berlin: Corona-Krise verschärft das Problem

Verpackungsmüll, der achtlos an Straßen oder in den Parks entsorgt wird, ist längst kein neues Problem mehr. In der Corona-Krise ist es aber noch einmal sichtbarer geworden. Das Wetter war gut, die Gasträume der Cafés und Restaurants waren über Wochen geschlossen. Das hatte zur Folge, dass sich viele ihr Essen zum Mitnehmen bestellten, die Verpackungen später Mülleimer verstopften oder um die Behälter herum abgelegt wurden.

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Die BSR sprach Mitte Mai von einem „massiven Anstieg an sperrigen Einwegverpackungen“. Für „Wir Berlin“ war es der Anstoß, sich dem Thema intensiver zu widmen. „Wir haben das als Team draußen gesehen und auch immer wieder Bilder davon bekommen, dass die Mülleimer an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen“, berichtet Projektleiter Sebastian Weise. Besonders ins Auge fielen ihnen dabei die Pizzakartons.

Laut des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) waren bundesweit schon 2017 mehr als 280.000 Tonnen an Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen angefallen. Darunter waren knapp 50.000 Tonnen Pizzakartons. Der Nabu forderte deshalb schon damals, Mehrwegverpackungen konsequent zu fördern.

„Wir Berlin“: Weitere Aktionen in Planung

Auch der Verein „Wir Berlin“ will es nicht bei seiner Pizzakarton-Aktion belassen. Seit Anfang des Jahres widmet sich der Verein seinem auf drei Jahre angelegten Projekt „Auf dem Weg zur unverpackten Gesellschaft bis 2030“, das mit 100.000 Euro von der Lotto-Stiftung Berlin gefördert wird. Dabei sollen Strategien zur Vermeidung von Plastik- und Verpackungsmüll entwickelt werden.

„Es geht um das Verhalten jedes Einzelnen“, sagt Weise. „Wenn man nicht überlegt, wie man jeden einzelnen mitnehmen kann, wird man zu keiner Lösung kommen.“

Zuletzt habe es einen ersten, digitalen Austausch mit Bürgern und Vertretern aus Verwaltung, Politik und Abfallwirtschaft aus 14 Kommunen gegeben, darunter Hamburg, Frankfurt und München. „Das Problem der Vermüllung öffentlicher Räume ist überall ähnlich, alle suchen nach Lösungen“, sagt Weise. „Das Ziel ist zu gucken, was man für Berlin adaptieren kann.“

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Aus Pizzakartons soll Kunst entstehen

Auch auf die Idee zu den speziellen Müllbehältern für Pizzakartons ist der Verein durch ähnliche Projekte in einer süddeutschen Kleinstadt und in den USA gekommen. „Wir können uns vorstellen, dass wir uns mit einem Bezirksamt zusammensetzen und sie längerfristig an einem Hotspot austesten“, sagt Weise.

Die Pizzakartons, die jetzt gesammelt werden, sollen weiter verwendet werden. Geplant ist laut Weise, dass die Künstler des Vereins „Gute Sache“ daraus eine Müllinstallation in Form des Brandenburger Tors fertigen. Die soll dann im Strandbad Plötzensee aufgestellt werden und dort für einen achtsamen Umgang mit Müll werben.